
Mit seinem Erfolg in Nordrhein-Westfalen hat Christian Lindner die FDP vier Monate vor der Bundestagswahl endgültig wieder zurück ins Spiel gebracht. Schafft sie auch im Bund das Comeback?
Die Freude bei der CDU mag riesig gewesen sein – bei der FDP kannte der Jubel am Sonntagabend kein Halten mehr. „Wir haben, Stand jetzt, mit über 12 Prozent das beste Ergebnis für die Freien Demokraten aller Zeiten in NRW erreicht“, rief Christian Lindner seinen Anhängern in Düsseldorf zu. „Wer hätte diesen Abend im Herbst 2013 für möglich gehalten?“
Für Lindner war der Wahlabend eine einzige Genugtuung- er ist neben Armin Laschet der eigentliche Gewinner der Landtagswahl. 12 Prozent plus für eine Partei, die seit fast vier Jahren nicht mehr im Bundestag vertreten ist und vor nicht allzu langer Zeit noch als klinisch tot galt: Mit diesem fulminanten Ergebnis in seinem Stammland hat der junge Vorsitzende seine Partei endgültig zu einer One-Man-Show gemacht. Sein Versprechen, die FDP von der Steuersenkungspartei der Westerwelle-ära wieder zu einer politischen Kraft zu machen, die wahr- und ernst genommen wird, hat bei seiner Klientel offenkundig verfangen.
Mehr als das: Sollte es in Nordrhein-Westfalen tatsächlich für ein schwarz-gelbes Bündnis reichen, was am Wahlabend in der Luft lag, hätte Lindner ein Bündnis wieder salonfähig gemacht, das nach der glücklosen Koalition im Bund schon fast Geschichte war.
Dass die FDP das vor allem dem rhetorischen Verkaufstalent Christian Lindners zu verdanken hat, daran haben die wenigsten Liberalen einen Zweifel. Die Klaviatur des modernen Polit-Marketings beherrscht Lindner perfekt – vor allem, wenn es um ihn selbst geht. Mit wohldosierten Provokationen und kalkulierten „Ausrastern“ nicht nur über die „Bananenrepublik“ Nordrhein-Westfalen schaffte er es schon mehrfach zum Youtube-Star und trug so maßgeblich zur Verjüngung der Partei in den Köpfen mancher Wähler bei.
Beliebtester Politiker in NRW
Im FDP-Wahlwerbespot für die Landtagswahl inszenierte sich Lindner in cooler Schwarzweiß-ästhetik als ruheloser Macher im Dienste des Volkes, der in engem T-Shirt und mit nachdenklicher Pose mit den Konventionen brach. Auch wenn manchem der Spot unangenehm aufstieß, weil er so offensichtlich auf abgeklärte Modernität getrimmt war, wirkten die Spots der anderen Parteien dagegen bräsig wie eine Vorabendserie aus der alten Bundesrepublik. Lindner weiß, wie Attacke geht, und das nicht nur in den sozialen Medien. Mit dieser Taktik ist er zuletzt zum beliebtesten Politiker in Nordrhein-Westfalen aufgestiegen – noch vor der geschlagenen Hannelore Kraft und dem künftigen Ministerpräsidenten Armin Laschet ist.
Politik und Pose: FDP-Chef Lindner am Samstag in Düsseldorf
Auf dem Weg zu seinem Ziel, die FDP wieder zurück in den Bundestag und irgendwann vielleicht auch wieder in eine Regierung zu führen, ist Christian Lindner am Sonntag ein großes Stück vorangekommen. Vier Monate vor der Bundestagswahl kann er nun womöglich in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass die FDP auch mit ihrem jahrelangem Wunschpartner wieder politisch gestalten kann.
Mit einer CDU, die sie 2013 im Wahlkampf fallen ließ wie eine heiße Kartoffel.
To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video
Wahl in NRW: Rekordverdächtiger Erfolg für die FDP mit Lindner
