
Die Politik ist in einer zunehmend komplexer werdenden Welt auf die Beratung durch „think tanks“ angewiesen. In Amerika verschieben sich nun die Machtverhältnisse.
Wissenschaftler haben es nicht leicht in diesen Tagen. Donald Trumps Sprecherin Kellyanne Conway spricht von alternativen Fakten, Klimaforscher bringen aus Angst vor Verlusten ihre gesammelten Daten in Sicherheit, und Barack Obama.
Ein Beispiel für eine Denkfabrik im Aufwind ist die „Heritage Foundation“, die sich selbst als „konservativ“ bezeichnet und die sich das Eintreten für „traditionelle amerikanische Werte“, individuelle Freiheit und einen möglichst schlanken Staat auf die Fahnen geschrieben hat. Ihr Präsident ist seit dem Jahr 2013 Jim DeMint, der zuvor für die Republikaner im Senat saß und auch schon mal forderte, homosexuellen Lehrern für öffentliche Schulen ein Berufsverbot zu erteilen. Bald wieder gefragt im Weißen Haus dürften nach Einschätzung von Thunert auch das Claremont Institute (Leitspruch: „Recovering the American Idea“) und das Hudson Institute („Promoting American Leadership“) sein. In den Vereinigten Staaten sind in den großen Think Tanks politische Positionierung und inhaltliche Analyse sehr viel stärker miteinander verknüpft als beispielsweise in Deutschland.
Denkfabriken sind in den vergangenen Jahren wichtiger geworden. Ihre Funktion: in einer zunehmend komplexer werdenden Welt Brücken bauen zwischen akademischem Wissen und praktischer Politik. Selbst aus dem Kanzleramt ist zu hören, der eigene Beamtenapparat sei zeitlich inzwischen so sehr getrieben, dass keine Zeit sei für die großen inhaltlichen Analysen – und dass man auf die forschungs-basierten Handlungsempfehlungen der Think Tanks dringend angewiesen sei. Im Unterschied zu Nichtregierungs- oder Lobbyorganisationen beziehen sich Think Tanks nicht auf ihre eigenen normativen Überzeugungen als Referenzpunkt, sondern auf die eigenen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse. Von Verbänden unterscheidet sie wiederum, dass sie Handlungsempfehlungen geben, die nicht dem kommerziellen, sondern in der Regel dem allgemeinen Interesse dienen.
