
Viele Anleger schauen mit Sorge auf die aktuellen politischen Unsicherheiten. Beim Vermögensverwalter Fiduka glaubt man dagegen: Viele Bedenken sind im Markt schon eingepreist.
Nein, den Vergleich von Donald Trump mit Ronald Reagan hält der Fiduka-Geschäftsführer Marco Herrmann nicht für hilfreich. Denn Anfang 1981, zum Beginn der Amtszeit von Reagan als amerikanischer Präsident, hatten die amerikanischen Staatsanleihen noch mit fast 15 Prozent rentiert. Nun sind es in der zehnjährigen Laufzeit 2,6 Prozent, was fast doppelt so viel ist wie noch Anfang Juli. „Die damalige Ausgangslage war eher das Gegenteil von der heutigen“, betont der Geschäftsführer des Münchner Vermögensverwalters im Gespräch mit dieser Zeitung.
Damals habe die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) die Inflation mit hohen Zinsen bekämpft, obwohl die Wirtschaft der Vereinigten Staaten tief in einer Rezession gesteckt habe. Nun hat die Fed den Leitzins leicht angehoben und plant im kommenden Jahr drei weitere Zinsschritte. Das gegenwärtige Niveau von 0,5 bis 0,75 Prozent ist weiterhin historisch sehr niedrig.
Trotzdem hält Herrmann dies für einen kleinen Schritt zurück in die „Zinsnormalität“. Allerdings seien die Zinsen noch immer weit davon entfernt, was früher als normal gegolten habe. Laut Herrmann lag das Tief im letzten Zinszyklus der amerikanischen Wirtschaft 2004 noch bei 1 Prozent, im vorangegangenen Zyklus 1994 habe das Tief sogar noch bei 3 Prozent gelegen. „In Japan und Europa ist in naher Zukunft nicht mal diese Normalität wie in den Vereinigten Staaten absehbar.“
Deshalb erwartet Herrmann von steigenden Anleiherenditen keine dämpfenden Effekte für den Aktienmarkt, solange die wirtschaftlichen Aussichten positiv blieben. Aktien stellen für die im Jahr 1971 von André Kostolany und Gottfried Heller gegründete Fiduka auch im kommenden Jahr eine attraktive Anlageklasse dar. So erkennt Herrmann eine wachsende Risikobereitschaft der Anleger, was sich deutlich in der Branchenrotation hin zu konjunkturabhängigen Werten widerspiegelt. Diese Bewegung könne sich noch weiter fortsetzen, weil viele Investoren in den zyklischen Werten noch untergewichtet seien.
Nun rücken andere Branchen in den Vordergrund
In den vergangenen Jahren waren noch defensive Wachstumswerte oder Aktien mit hoher Dividendenrendite (wie Versorger- und Pharmaaktien) bevorzugt worden, nun rücken die stark von der Konjunktur geprägten Branchen wie Industrie, Rohstoffhersteller, Handel oder Banken in den Vordergrund.
Eine wichtige Orientierung sind für Herrmann die Unternehmensgewinne, deren Entwicklung in den vergangenen Jahren eine herbe Enttäuschung gewesen sei. Nun sieht Fiduka hier Anlass zur Hoffnung. Derzeit wird für die 30 Dax-Unternehmen im kommenden Jahr ein Gewinnanstieg von 7 Prozent erwartet, im breiten europäischen Aktienindex Stoxx 600 sind es sogar 11 Prozent. Noch ambitionierter sähen die Prognosen für Amerika aus, so Herrmann. Für den breit gefassten S&P-500-Index wird ein Gewinnplus von 12 Prozent erwartet. In der aktuellen Bewertung der Aktienmärkte sei dies nur zum Teil eingepreist. Deutsche Aktien seien weiterhin günstig, während für amerikanische Titel der Spielraum nach oben begrenzt sein könnte.
Herrmann erwartet im kommenden Jahr keinen Wirtschaftsboom, zumal die Details zur Politik des künftigen amerikanischen Präsidenten Trump noch unklar seien. Auch mit Blick auf Europa, die Wahlen in Frankreich und Deutschland sowie die EU-Austrittsverhandlungen mit Großbritannien gibt es seiner Ansicht nach politische Risiken, die ein herausforderndes Jahr mit temporär hohen Kursschwankungen erwarten ließen. „Auch Trump dürfte für die eine oder andere Überraschung gut sein“, sagt Herrmann.
Grundsätzlich zeigt er sich aber zuversichtlich und hält ein gutes Aktienjahr 2017 für möglich. „Vielleicht überspringt der Dax wieder die Marke von 12.000 Punkten.“ Denn in Europa seien nach der mittlerweile sich 18 Monate hinziehenden Konsolidierungsphase viele Bedenken schon in den Kursen eingepreist. „Eine gute Ausgangsbasis für positive Überraschungen“, fügt Herrmann hinzu.
