Ausland

Drohen mit Drohnen

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Eine Unterwasserdrohne, hier bei einer Übung der britischen Marine im Oktober

Mit der Bergung einer Unterwasserdrohne im Südchinesischen Meer sendet China ein selbstbewusstes Signal an den künftigen amerikanischen Präsidenten: Peking will gegenüber Trump nicht klein beigeben.

Donald Trump polterte trotzig per Tweet: „Die Chinesen haben die Drohne in internationalen Gewässern gestohlen. Wir sollten ihnen sagen, dass sie sie behalten können.“ Auf chinesischer Seite fand sich ein Echo auf dem Wechat-Konto der „Volkszeitung“: „Hallo, Vereinigte Staaten, das Weihnachtsgeschenk, das ihr im Südchinesischen Meer gelassen habt, ist angekommen, macht euch keine Sorgen.“

Die offiziellen Beschreibungen des Ereignisses und seine Bewertung waren auf beiden Seiten nüchterner. Der Vorfall hatte sich am Donnerstag vor der philippinischen Küste nahe dem philippinischen Marinehafen Subic Bay ereignet, mithin jenseits des von China beanspruchten, durch die „Neun-Striche-Linie“ markierten Gebiets im Südchinesischen Meer. Nach Darstellung des Pentagons war ein amerikanisches Forschungsschiff im Begriff, eine Unterwasserdrohne zu bergen, als diese von einem Schiff der chinesischen Marine aufgenommen wurde.

Nach der Darstellung des chinesischen Verteidigungsministeriums barg das chinesische Schiff die Drohne, weil sie eine Gefahr für die Sicherheit der Schifffahrt darstellte. Peking kritisierte die Vereinigten Staaten dafür, die Sache unnötig publik zu machen und aufzubauschen, und kündigte dann an, dass die Volksrepublik die Drohne „in angemessener Art“ zurückgeben werde.

China warnt vor amerikanischen Aufklärungsaktivitäten

Der Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums ließ ein anderes Motiv für den provokativen Drohnen-Aufgriff anklingen. Die Vereinigten Staaten schickten schon seit langer Zeit Schiffe und Flugzeuge in chinesische Gewässer, damit sie aus nächster Nähe Aufklärung betreiben könnten, klagte er. China verlange von den Vereinigten Staaten, dass sie diese Aktivitäten einstellen. Er warnte auch, China werde wachsam sein und in Zukunft entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Aufklärungsaktivitäten des amerikanischen Militärs im Südchinesischen Meer China und die Vereinigten Staaten in eine Konfliktsituation bringen. Im Jahr 2001 kollidierte ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug vor der chinesischen Insel Hainan mit einem chinesischen Kampfflugzeug. Das chinesische Flugzeug stürzte ab, und der Pilot kam ums Leben. Das amerikanische Flugzeug musste auf Hainan notlanden und wurde zusammen mit seiner Besatzung erst nach zehntägigen Verhandlungen zurückgegeben. Im Jahr 2009 wiederum wurde ein amerikanisches Forschungsschiff im Südchinesischen Meer von chinesischen Schiffen bedrängt. Präsident Barack Obama schickte daraufhin einen Zerstörer zur Begleitung des Forschungsschiffes.

Mittlerweile hat sich die Qualität der Auseinandersetzung über das Südchinesische Meer geändert. China vertritt seine Ansprüche auf den größten Teil des Südchinesischen Meers gegen diejenigen der anderen Anrainerstaaten offensiv. Seit mehreren Jahren betreibt die chinesische Regierung eine Aufschüttung von Riffen im Südchinesischen Meer und errichtet auf den künstlichen Inseln auch Landebahnen, Häfen und militärische Installationen.