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Aus der Tiefe des virtuellen Raums

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Bayern gegen Dortmund: Live-Fußball als 360-Grad-Spektakel

Pokalfinale mit VR-Brille: Passen Fernsehen und virtuelle Realität zusammen? Ja, sagen experimentierfreudige Medienmacher. Schaun wir mal, sagen wir.

Brille auf zum Anpfiff, im virtuellen Raum bricht Fußballfieber aus. Für die Sportler unter den Video-Gamern ist das längst ein Alltagsritual: Für sie sind Rasenschlachten am schönsten in den Tiefen des digitalen Raums. Kann man den Spaß aber auch mit der realen Welt verheiraten, will sagen: Kann auch der echte Thomas Müller im virtuell anmutenden Strafraum dribbeln? Das geht, sagt Sky, und andere Medienunternehmen finden das auch.

Dass der aus der Spielewelt stammende Hype um die virtuelle Realität nun in die eher konventionellen Medien vordringt, ja sogar Fernsehmacher elektrisiert, dokumentierte in der vergangenen Woche ein Workshop der Deutschen TV-Plattform, eines Industrieclubs, der sich am liebsten mit der Zukunft des bewährten Mediums beschäftigt. Für Nachrichtenmoderatoren ist die Fusion von digitaler und wirklich wahrer Welt ohnehin fast ein alter Hut: Sie agieren längst vor virtuellen Kulissen an imaginären Pulten.

Pokalfinale mit VR-Brille

Wie die Errungenschaften dieser Technik nun auch ans andere Ende der Medienkette gelangen können, nämlich aufs Sofa im Wohnzimmer, hat der Abo-Sender Sky schon im Mai ausprobiert – anlässlich des Pokal-Finales in Berlin. Bayern München gegen Borussia Dortmund hieß die Traumpaarung. Zusätzlich zu den üblichen Kameras hatte das Aufnahmeteam noch drei Modelle mit speziellen 180-Grad-Ojektiven im Stadion aufgestellt.

Sie lieferten die Rohstoff für die Szenerie, durch die der Zuschauer mit einer VR-Brille navigieren kann. Der fühlt sich dann in ein virtuelles Studio versetzt – mit virtuellem Sofa, allerlei Requisiten und einem virtuellen Tisch, den man nur fest ins Visier nehmen muss, um so über Menüpunkte Zusatzinformationen über die Spieler, Spielstatistiken und die Mannschaftsaufstellung eingeblendet zu bekommen. Der Blick geradeaus führt den Betrachter auf eine Art virtuelle Kinoleinwand, auf der das Spiel stattfindet.

Der Zuschauer überblickt den kompletten Rasen und kann nach Belieben dem Ball folgen, indem er den Kopf bewegt, ganz so, wie er es auch auf der Tribüne tun würde. Über dem Rasen hängen zwei große Monitore, virtuell natürlich. Schaut man sie an, öffnet sich formatfüllend der Broadcast-Stream, also das, was der Sender als normales Fernsehbild überträgt. Die Technik für solche Produktionen ist nicht trivial: Sie muss ja nicht nur die virtuellen Kulissen generieren, sondern auch ohne Zeitverzug die Bilder aus den 180-Grad-Kameras zu einem lückenlos anmutenden Ganzen „zusammennähen“. Stitching heißt der VR-Fachbegriff.

43638673 Für die 180-Grad-Sicht modifiziert: Das Kamerapaar vom Profi-Lieferanten Red

Auch die Deutsche Telekom probt solche Programmerweiterungen. Sie hatte die 360-Grad-Aufbereitung eines Basketball-Spiels zum Workshop mitgebracht. Der Nachrichtensender „n-tv“ präsentierte Produktionen etwas anderer Art: Ergänzend zu den konventionellen Reportagen hatten die Redakteure 360-Grad-Kameras eingesetzt. Kleine Geräte, die jedermann kaufen kann, so etwa die Gear 360 von Samsung oder die 360 Cam von LG.

Der Vorteil: Die Bilder solcher Geräte lassen sich ohne Studio-Aufwand und ohne nennenswerten Zeitverzug stitchen, sie stehen schnell zur Verfügung und können dann zum Beispiel als ergänzendes Angebot auf die Tablets der Zuschauer gelangen – zum Navigieren im Bildfenster mit dem Zeigefinger.