
Die neue Action Cam von Sony bietet neben einem wirksamem optischen Bildstabilisator noch weitere Features. Rechtfertigt das ihren Preis?
Wintersportler freuen sich schon auf die Saison – und auf neue Bilddokumente vom Spaß im Schnee: Die Action Cam hat auf der Checkliste der Reiseutensilien ihren festen Platz. Sony liefert in diesen Tagen einen neuen Beitrag zum Thema: die schon auf der IFA Anfang September vorgestellte Mobilkamera FDR-X3000R, das neue Flaggschiff unter den Actioncams des Herstellers. Sie steckt in einem schneeweißen Gehäuse und hat die Form eine zwergwüchsigen Camcorders, ganz so wie all ihre Geschwister- und Vorgängermodelle. Mit einem Preis von rund 540 Euro geriet sie allerdings deutlich teuer als viele Artgenossen. Kann die Sony also mehr?
Mindestens ein Detail könnte die Preisdifferenz begründen. So hat Sony seiner Mini-Kamera erstmals einen technisch anspruchsvollen, in mehreren Bewegungsachsen wirksamen optischen Bildstabilisator eingebaut, den es bisher nur in großen Camcordern gab. Er könnte endlich mehr Ruhe auf den Bildschirm bringen: Videos von Freiluft-Aktivisten, die mit der Kamera am Helm über Stock und Stein brettern, sind ja manchmal eine ziemliche Herausforderung.
Erste Handhabung gestaltet sich schwierig
Auch das mitgelieferte Zubehör dürfte die Kalkulation beeinflussen. So gehört ein separater Monitor namens RM-LVR3 zum Lieferumfang, der auch als Fernbedienung dient. Ein passendes Armband gehört zum Komplett-Set und ein robustes Schutzgehäuse, das angeblich unter Wasser Tiefen bis zu 60 Meter aushält.
Die Vorbereitungen für den ersten Dreh sind ein bisschen mühsam, wenn man sich dazu allein auf das seitlich eingebaute, schwarzweiße Mini-Display verlässt: Auf der Fläche einer Briefmarke tummeln sich unzählige Symbole, die alle für Einstellungsparameter stehen. Mit vier Tasten scrollt sich der Benutzer nach und nach durch die Hierarchien – nur rudimentär geführt von der mitgelieferten Starter-Anleitung auf Papier.
Filmen in 4k und Zeitlupe
Wesentlich einfacher und von Klartest gestützt geht die Sache von der Hand, wenn sich die Kamera über W-Lan mit einem Smartphone vernetzt, das die App Play Memories Mobil geladen hat. Ein QR-Code hilft beim Verbindungsaufbau. Dann kann man zum Beispiel mit ein paar Display-Tippern die Video-Auflösung wählen: 4k steht für das enorm feine Pixelraster 3840 × 2160 mit 30 oder 25 Vollbildern je Sekunde. Wer mag, kann auch im Full-HD-Raster filmen oder in der kleineren HD-Aulösung mit 1280 × 720 Bildpünktchen, die Bildfrequenzen bis zu 200 Vollbildern je Sekunde erlaubt – ideal für Zeitlupenansichten schneller Bewegungen.
Der Monitor am Armband ist praktisch für Fahrt auf der Piste.
Auch Zeitraffer-Aufnahmen sind möglich. Kodiert wird in allen Fällen nach dem bewährten Standard H.264. Es gibt zwar inzwischen effizientere Alternativen, aber die Treue zu H.264 garantiert, dass Wiedergabe und Nachbearbeitung in allen technischen Umgebungen ohne Hürden funktionieren. Allerdings arbeitet das Maschinchen mit entsprechend hohen Datenraten: 4k-Videos oder kleinere Formate mit hoher Bildwechselfrequenz können auf Werte bis zu 100 Megabit je Sekunde anschwellen. Die Datenströme lasse sich aber auch auf 60 Megabit begrenzen.
Live-Streaming möglich
Mit digitalen Mitteln kann man auch Parameter einstellen, die eigentlich ins Brennweiten-Repertoire gehören. So kann der Filmer zwischen den Weitwinkel-Sichtweisen Breit, Mittel und Schmal wählen, und ein dreifacher Digitalzoom kann die Motive näher heranholen. Fotos schießt Sonys Actioncam auch, mit einer Auflösung von 12 Millionen Pixeln im 16:9-Format.
Die App auf dem angeschlossenen Smartphone dient auch als Sucher, der mit erfreulich geringer Verzögerung zeigt, was das Kameraauge sieht. Auf der Skipiste nimmt man aber besser den Armband-Monitor, der allerdings nur einen kleinen Bildschirm mit deutlich geringerer Auflösung hat. Die fertigen Videos und Fotos kann die Kamera über W-Lan an einen Computer und von dort ins Internet übertragen. Sie kann aber auch in Webcam-Manier live streamen.
Auch im schwachen Licht ist die Kamera stark
Wir haben sie mit kritischem Blick ausprobiert und fanden ihre Leistungen durchweg respektabel. Zweierlei ist auffällig: Die Krümmung gerader Linien an den Rändern des Motivs, ein generelles Phänomen, mit dem sich Weitwinkel-Objektive plagen, fiel hier deutlich geringer aus, als wir es von vergleichbaren Kameras kennen. Und der Bildstabilisator funktioniert wirklich sehr gut. Eine Buckelpiste kann er nicht glattbügeln, aber Zitterpartien wirken deutlich weniger nervös als gewohnt.
Beeindruckend ist auch die Leistungsfähigkeit der Videochips: Sie schaufeln klaglos und ruckfrei weg, was der Bildsensor liefert. Dass die Optik Herbstfarben in der Sonne schön leuchtend abbildet, ist Ehrensache, aber auch in schwachem Licht sehen die Motive noch gut aus: Störendes Rauschen nimmt erst bei fortgeschrittener Dämmerung überhand. Das eingebaute Stereomikrofon liefert sauberen, gut verständlichen O-Ton. So punktet Sonys mit rundum guten Leistungen, die sogar mit dem sportlichen Preis versöhnen.
