
Wandert Ford nach Mexiko ab oder nicht? Wie der künftige amerikanische Präsident mit einen Tweet zur Produktion des Herstellers in Kentucky Verwirrung auslöst.
Schon seit Wochen sind Manager des amerikanischen Autoherstellers Ford über Aussagen von Donald Trump zu möglichen neuen Zöllen wegen Produktions- und Stellenverlagerungen nach Mexiko besorgt. Im Wahlkampf, noch als Kandidat, hatte Trump deshalb schon die Ford-Zentrale in Detroit zu einem Krisengespräch besucht. Doch die Missverständnisse und Verstimmungen bleiben erhalten – bis heute. Für Ford wie für die gesamte Autoindustrie hat das Thema gravierende Bedeutung, seitdem feststeht, dass Trump kein Kandidat mehr ist, sondern im Januar des kommenden Jahres der 45. Präsident der Vereinigten Staaten werden wird.
Denn Mexiko ist das siebtgrößte Produktionsland der Autobranche auf der ganzen Welt, in der Rangliste steht Mexiko damit sogar noch vor Frankreich und Spanien. Ein Drittel der Autoimporte in die Vereinigten Staaten stammt von dort, allerdings werden die Autos aus Mexiko auch in viele andere Länder exportiert. Größter Produzent ist Nissan, gefolgt von Volkswagen und General Motors (GM). Wie attraktiv das Land als Produktionsstandort für die Autoindustrie ist, zeigt ein Blick in eine Hochrechung der Berater von Roland Berger: Bis 2020 hätten die Autokonzerne aus Europa, Asien und den Vereinigten Staaten zusammen dort schon Investitionsprojekte im Volumen von 17 Milliarden Dollar angekündigt.
Am Donnerstag dieser Woche verkündete Trump nun auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, Ford habe auf sein Drängen hin die Verlagerung einer Fabrik aus dem amerikanischen Bundesstaat Kentucky nach Mexiko abgesagt.
Just got a call from my friend Bill Ford, Chairman of Ford, who advised me that he will be keeping the Lincoln plant in Kentucky – no Mexico
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) Wahlkampf Pläne des Konzerns, einen Teil seiner Produktion nach Mexiko zu verlagern, scharf kritisiert – und im Fall seiner Wahl mit Einfuhrzöllen gedroht.
Ford hielt aber auch nach dem Wahlsieg an seiner Produktionsplanung fest und bekräftigte wiederholt, dass die Pläne gar keine Stellen in den Vereinigten Staaten gefährdeten. Es sollten keine Fabriken im Heimatland von Ford geschlossen werden. Die nach Mexiko verlagerte Produktion solle vielmehr durch die Fertigung anderer Modelle ersetzt werden. Trump hatte sich diese Argumente aber nicht zu eigen gemacht – und behauptete weiterhin, Ford wolle im Zuge seines Mexiko-Engagements in den Vereinigten Staaten Arbeitsplätze streichen. Ob der künftige Präsident an seiner Drohung mit Zöllen trotz des Verbleibs der Produktionslinie in Kentucky festhält, blieb unklar.
Auch deutsche Hersteller wären von Zöllen betroffen
Eine Zollmauer zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko wäre für die Autoindustrie allerdings weit über Ford hinaus eine sehr schlechte Nachricht, und auch deutsche Hersteller wären von einem solchen Schritt erheblich betroffen. Denn Daimler, BMW und Audi investieren Milliarden in neue Fabriken in Mexiko, um Autos dank niedriger Löhne kostengünstig und ohne Zoll vor allem in die Vereinigten Staaten, aber auch in andere Länder zu liefern. „Die Hoffnung ist, dass zwischen Wahlkampf und der Präsidentschaft eine möglichst breite Kluft herrscht“, sagt dazu jüngst Daimler-Chef Dieter Zetsche. Die grundsätzliche Schwierigkeit hinter allen Sorgen ist, dass Trump das Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada (Nafta) in Frage stellt – und Zölle von 35 Prozent zum Schutz der heimischen Industrie für eine gute Idee hält.
Sollte Trump diese Ideen, wenn auch mit dem dafür nötigen zeitlichen Vorlauf, tatsächlich umsetzen, würden für die Amerikaner Produkte, die in den entsprechenden Ländern hergestellt werden, erheblich teurer. Inwiefern sich das dann in der Folge auf die Nachfrage und später vielleicht auch auf Produktionsentscheidungen auswirkt, ist allerdings völlig offen. Als sicher gilt hingegen, dass ein solcher Schritt für die Fabriken in Mexiko nicht zwangsläufig das Aus bedeuten würde. Denn Autos ließen sich in andere Zielländer umlenken, vor allem nach Asien, ist in der Autobranche für diesen „worst case“ zu hören. Erleben möchte das allerdings niemand.
