
Selbst das Smartphone kann der Beliebtheit der Lomos nichts anhaben. Jetzt gibt es auch eine Lomo mit Rollfilm fürs Mittelformat. Die LCA hat aber kleine Macken.
Schnappschüsse aus dem Handgelenk, heute mit dem Smartphone gang und gäbe, waren noch vor einigen Jahren die Domäne der Lomographen. Das analoge Lomographieren, sprich aus der Hüfte heraus immer und überall Fotos von manchmal überraschender ästhetik zu schießen, hat eine ganze Fotografengeneration beflügelt.
Die Lomo, eine kleine, der deutschen Minox 35 deutlich nachempfundene Kompaktkamera für Kleinbildfilm, stammt aus der ehemaligen Sowjetunion. Nach deren Niedergang von Wiener Kunststudenten entdeckt, wurde der Name der Kamera – ein Akronym, das die Herkunft aus dem damaligen Leningrad signalisierte – zum Synonym für spontane Spaßfotografie. Die wird heute nun längst mit Handy und Smartphone in inflationärer Menge digital realisiert.
Frankfurt, mit der Lomo fotografiert: Auslage in der GoethestraßeBilderstrecke
Doch der Beliebtheit der kleinen Analogkamera hat die neue Digitalwelt nichts anhaben können: Tapfer wurde von der Lomographischen Gesellschaft auf einer Photokina, als schon das Smartphone am Horizont erschien, behauptet, „The Future is analogue“. Und zur klassischen Lomo mit dem 32-mm-Objektiv gesellte sich eine Lomo-Wide mit 17-mm-Linse. Lomographisches Mittelformat, also Rollfilm und 6 mal 6 Zentimeter große Negative, das waren lange die recht primitiven Apparate Diana und Holga.
Nun aber gibt es auch eine Lomo für Rollfilm. Die ist insofern ungewöhnlich, als die Brennweite der Lomo LCA 120 ein extremes Weitwinkelobjektiv darstellt: 38 Millimeter für das Format 6×6 entspricht einem 21-mm-Weitwinkel für das Kleinbildformat. Eine Mittelformat-kamera mit derartig großem Bildwinkel gab es bis dato nur von Hasselblad: die SWC mit dem 38-mm-Biogon von Zeiss. Preislich liegen Welten zwischen beiden Kameras, die Lomo LCA 120 kostet mit rund 400 Euro nur ein Zehntel dessen, was für eine Hassi SWC zu berappen ist.
Laden der Kamera gestaltet sich hakelig
Die Verpackung ist, lomotypisch, aufwendig, und die Kamera kommt mit allen wichtigen Accessoires: Batterien für die automatische Belichtungsmessung, Kamerariemen zum Umhängen, Drahtauslöser in professioneller Länge, Bedienungsanleitung und ein hübsches, quadratisches Buch mit Beispielfotos.
Das Laden der Kamera mit dem Rollfilm gestaltet sich hakelig, gelingt aber nach einigem Gefummel dann doch. Das funktioniert bei der Lomo LCA 120 genauso gut oder schlecht wie bei allen anderen Rollfilmkameras, ob die nun Hasselblad oder Rollei heißen.
Das Gewürge mit dem Film in der Papierrolle war höchstwahrscheinlich auch der Grund, warum Leica-Erfinder Oskar Barnack vor rund hundert Jahren das Kleinbildsystem mit Filmpatronen aus der Taufe hob. Allerdings stellten wir fest, dass die Mechanik der LCA 120 doch offenbar sehr filigran gearbeitet ist und beim Filmwechsel des vierten und fünften Filmes schon streikte.
Belichtungsautomatik ist zufriedenstellend
Die entwickelten Filme zeigten außerdem, dass der Transportvorschub nicht sauber arbeitet. Die Abstände zwischen den belichteten Negativen waren unterschiedlich und teilweise auch sehr groß. In der Konsequenz bedeutet es, die Filmbelichtung für Bild zwölf ist ganz knapp am Filmende und droht deshalb beschnitten zu werden. Allerdings arbeitet die Belichtungsautomatik zufriedenstellend.
Sicherheitshalber war aber die Filmempfindlichkeit eine Blende reichlicher eingestellt worden, als der Film tatsächlich war. Die Schärfe der Linse ist ordentlich und kann auch nicht über eine Blendenvorwahl beeinflusst werden. Die Kamera-Automatik stellt selbsttätig die richtige Kombination ein. Eine Vignettierung ist sichtbar, aber auch erwartbar bei diesem großen Bildwinkel.
Alles in allem eine sehr kompakte, einfach zu bedienende Weitwinkelkamera zu einem anständigen Preis, die locker in eine Jackentasche passt. Bei der Aufnahme darf man nicht die richtige Entfernungseinstellung vergessen. Ein kleiner Schiebehebel am Objektiv stellt die Schärfe in drei Positionen ein: nah, mittel, ferne. Einige unscharfe Fotos waren der falschen Entfernungseinstellung geschuldet, ansonsten waren wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden.
