
Bei den Treffen mit Kaiser Akihito und Regierungschef Abe spricht Bundespräsident Gauck auch über den neuen amerikanischen Präsidenten Trump. Gauck warnt vor Populisten: Sie würden nationalistisches Gedankengut verbreiten.
Bundespräsident Joachim Gauck ist zu einem fünftägigen Besuch Japans in Tokio eingetroffen. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt besucht er von Montag bis Freitag neben der Hauptstadt auch die Kaiserstadt Kyoto und Nagasaki, das 1945 durch eine Atombombe zerstört worden war.
Thema der Gespräche mit Kaiser Akihito, Kronprinz Naruhito und Ministerpräsident Shinzo Abe dürfte unter anderem die internationale Lage nach dem Wahlsieg von Donald Trump in den Vereinigten Staaten sein. Auch die Spannungen mit China und Nordkorea sollen zur Sprache kommen.
In einem Interview der japanischen Tageszeitung „Yomiuri Shimbun“ warnte Gauck vor einem Erstarken europakritischer und populistischer Strömungen. „Diese Bewegungen schüren Ressentiments, bedienen nationalistisches Gedankengut und geben vor, die Probleme unserer Zeit ließen sich auf einfache Weise lösen“, sagte Gauck.
Gauck: Trump soll sich „Verantwortung mit Umsicht stellen“
Den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten, der zum Sieg des Republikaners Trump geführt hatte, nannte er „äußerst irritierend“. Fakten und Wahrheiten hätten dabei oft keine Rolle gespielt. Er setze aber darauf, dass das Wahlergebnis von der tief verankerten Demokratie in den Vereinigten Staaten verkraftet werden könne. Amerika bliebe aufgrund seiner politischen, wirtschaftlichen und militärischen Stärke die Führungsnation in der Welt. „Sich dieser Verantwortung mit Umsicht zu stellen, das wünsche ich Herrn Trump.“
Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt am Flughafen Berlin-Tegel auf dem Weg nach Japan
Gauck ist zum ersten Mal in Japan. Zuletzt hatte Christian Wulff im Oktober 2011 das Land besucht. Die engen Beziehungen zwischen beiden Ländern werden auch dadurch unterstrichen, dass bisher jeder Bundespräsident in Japan war. Die wichtigste Rede der Reise hält Gauck am Mittwoch in der Waseda Universität von Tokio.
