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Hinweise auf Rückzug der Deutschen Bank aus Amerika mehren sich

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Deutsche Bank in Bedrängnis: Ändert sie ihr Geschäftsmodell in Amerika?

Gibt die Deutsche Bank Teile ihres Amerika-Geschäfts auf? Sogar im Aufsichtsrat soll schon darüber gesprochen worden sein. Der Schritt könnte Bestandteil eines Deals sein, um die drohende Strafzahlung in Amerika zu drücken.

Die Deutsche Bank erwägt Insidern zufolge, sich aus dem Investmentbanking in den Vereinigten Staaten stärker zurückzuziehen. Die größte deutsche Bank rechne gerade durch, ob sich das Geschäft dort – wie in anderen Auslandsmärkten – unter dem Strich noch lohne, sagten zwei mit den Überlegungen vertraute Personen am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Denkbar sei etwa, dass das Geldhaus deutsche Unternehmen weiter an den Kapitalmärkten in den Vereinigten Staaten begleite, nicht aber amerikanische, erklärte einer von ihnen. Darüber sei grundsätzlich auch im Aufsichtsrat schon gesprochen worden, entschieden sei aber nichts, sagte ein anderer. Das Geschäft in den Vereinigten Staaten gänzlich aufzugeben, stehe allerdings nicht zur Debatte, hieß es in einem Bericht der „New York Times“. Amerika sei noch immer der wichtigste Markt des Geldhauses. Doch die Aktivitäten dort herunterzufahren gelte als eine mögliche Option.

Kurz zuvor hatte die Zeitung „Welt am Sonntag“ vorab berichtet, dass ein Rückzug aus Teilen ihres hochspekulativen Investmentbanking-Geschäfts in Amerika Teil eines möglichen Deals der Deutschen Bank mit dem amerikanischen Justizministerium sei. Mit dem Ministerium verhandelt die Bank gerade über eine Milliarden-Strafzahlung und versucht diese in der Höhe erheblich zu drücken. Eine Kombination aus Geldstrafe und änderungen im Geschäftsmodell sei in solchen Fällen in den Vereinigten Staaten durchaus üblich, so berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen Insider.

14 Milliarden Dollar Geldstrafe gefordert

Derzeit verhandelt die Bank im Streit um den Verkauf fauler Hypothekenpapiere (RMBS) mit den amerikanischen Behörden über eine Forderung von 14 Milliarden Dollar Geldstrafe (12,5 Milliarden Euro). Die Deutsche Bank strebt Finanzkreisen zufolge eine Einigung noch vor der Präsidentenwahl am 8. November an. Bisher hat sie laut Insiderschätzungen rund 3,5 Milliarden Euro für diese Strafzahlung zurückgestellt, insgesamt sind es 5,5 Milliarden Euro. Die deutlich höhere Forderung aus den Vereinigten Staaten hatte die Anleger alarmiert. Sie fürchteten, dass die Deutsche Bank frisches Kapital bräuchte, wenn die Strafen hoch ausfallen sollten.

Wenn die Überlegungen für einen Teilrückzug aus Amerika konkreter würden, wäre das eine radikale Abkehr von den Ambitionen, die die Deutsche Bank einst mit dem Einstieg ins globale Kapitalmarktgeschäft mit der Übernahme von Bankers Trust verbunden hatte. Sie wollte stets im Konzert der großen amerikanischen Investmentbanken wie JP Morgan und Goldman Sachs mitspielen, die mehr denn je das Geschäft dominieren. Doch seit den Reformen nach der Finanzkrise müssen Banken für riskante Geschäfte deutlich mehr Kapital zurücklegen, was das Geschäft weniger lukrativ macht.

Regierungsvertreter: Staatshilfe „undenkbar“

Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ könnte die Deutsche Bank bei einer Kapitalerhöhung nicht auf die Unterstützung der Bundesregierung zählen. Ein Regierungsvertreter habe vergangene Woche gegenüber Abgeordneten erklärt, dass der Staat sich daran nicht beteiligen werde, berichtete die Wirtschaftszeitung unter Berufung auf einen Teilnehmer des Treffens. „Die Regeln für die Bankenabwicklung haben sich seit 2009 geändert“, und daran müsse sich auch Deutschland halten, habe der Regierungsvertreter gesagt. Es sei „undenkbar“, dass der Staat sich wie 2009 bei der Commerzbank an der Deutschen Bank beteilige. Die Bank und das Bundesfinanzministerium wollten das nicht kommentieren.

Offiziell hat die Regierung wiederholt erklärt, Staatshilfe für die Deutsche Bank sei kein Thema. Insider berichten, hinter den Kulissen mache sie sich aber Gedanken über die Zukunft von Deutschlands größtem Geldhaus. Es gäbe eine Möglichkeit, den Staat schon vor einer drohenden Pleite ins Boot zu holen: Die Regierung kann bei einer gesunden Bank einsteigen, wenn auch private Investoren mitmachen und der Staat den Anteil zu marktüblichen Konditionen kauft. Überprüfen würde das die EU-Kommission nach den Beihilferegeln. Stünde eine Bank tatsächlich vor der Pleite, käme der „einheitliche Abwicklungsmechanismus“ in Gang. Dann müsste das Haus zunächst die Anteilseigner und Gläubiger zur Kasse bitten.

Die Bank versucht jedenfalls schon jetzt an vielen Enden zu sparen. Am Donnerstag machten Gerüchte über einen globalen Einstellungsstopp des Hauses die Runde. Bis auf Weiteres dürften ab sofort keine Beschäftigten von außerhalb angeworben werden, hieß es am Donnerstag in Finanzkreisen. Ausnahme sei die Compliance-Abteilung – hier dürfen weiter Mitarbeiter angeheuert werden, damit die Bank lernt, Regeln zu befolgen und interne Kontrollen zu etablieren.