
Der Kurs der Deutschen Bank ist so stark unter Druck, dass Bankchef Cryan einen Beruhigungs-Brief an die Mitarbeiter schreibt. Auch Analysten mahnen zur Besonnenheit. Manche allerdings finden gerade die Notwendigkeit zur Beruhigung besorgniserregend.
Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat seine Mitarbeiter dazu aufgerufen, trotz der Citigroup liegt bei 121 Prozent).
Berichte, dass einige Hedgefonds-Kunden das Institut verlassen hätten, sorgten zu Unrecht für Unruhe, behauptet nun Bankchef Cryan. Insgesamt habe die Deutsche Bank mehr als 20 Millionen Kunden. „Auch die Ungewissheit über den Ausgang unseres Rechtsverfahrens in den Vereinigten Staaten ist kein Grund für diesen Druck auf unseren Aktienkurs, wenn wir die Vergleiche direkter Wettbewerber als Grundlage nehmen“, schrieb Cryan. Das amerikanische Justizministerium hat für die Deutsche Bank wegen Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt eine Strafe von 14 Milliarden Dollar aufgerufen.
„Gebetsmühlenartige Beruhigungsversuche“
Finanzmarktexperten mahnten am Freitag zu Besonnenheit, konnten aber gleichzeitig keine echte Entwarnung geben. Eine Analyse der LBBW fasst die Stimmung treffend in Worte: „Die gebetsmühlenartigen Beruhigungsversuche von Regierung, Aufsicht und der Deutschen Bank selbst werden von den Investoren fast schon als Kontraindikator gewertet“, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Papier.
Gleichwohl mahnen Analysten vorsichtig zur Besonnenheit: Der jüngste Verfall der Deutsche-Bank-Aktie ist etwa nach Einschätzung der Credit Suisse ungeachtet der vielen Probleme des Dax-Konzerns nicht gerechtfertigt. Der Kursrutsch nach dem Bekanntwerden des ersten Vergleichsangebots des amerikanischen Justizministeriums im Hypothekenrechtsstreit sei übertrieben, schrieb Credit-Suisse-Analyst Jon Peace in einer am Freitag verbreiteten Studie. Peace geht davon aus, dass die Kosten für den Vergleich in den Vereinigten Staaten deutlich unter den umgerechnet 12,5 Milliarden Euro liegen dürften. Er rechnet mit rund 4 Milliarden Euro. Er beließ daher sein Kursziel bei 13 Euro und damit 30 Prozent über dem aktuellen Niveau. Wegen der schwierigen Lage der Bank und der Branchenkrise hielt er jedoch auch an seiner Einschätzung „Underperform“ fest.
