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Weg mit dem Kabel am Kopf

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Der Libratone Q Adapt auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin im Einsatz. An diesem Freitag öffnet sie für Besucher.

Diesen Trend haben nicht die Hersteller bestimmt, sondern die Kunden. Kopfhörer sollen kabellos sein. Auf der IFA findet man einige neue Exemplare, die zudem auch Außengeräusche unterdrücken.

Es kommt nicht nur im Audiobereich häufiger vor, dass die Hersteller versuchen, einen Trend zu setzen, der von den Kunden nicht angenommen wird. Dann ist das Thema auf einmal gestorben, die Geräte verschwinden und eine neue Sau wird durchs Dorf getrieben. Nun gibt es gerade ein angesagtes Thema, bei dem es umgekehrt war: Bluetooth. Bei den Händlern wurde immer häufiger nachgefragt, ob der Kopfhörer auch kabellos betrieben werden könne und ob das Quellgerät auch die Signale ohne Strippe übertragen kann.

Wer den Markt beobachtet weiß, dass es schon seit vielen Jahren Bluetooth-Geräte gibt. Doch die Hersteller sprechen von einer exponentiell wachsenden Nachfrage und reagieren entsprechend. Die Hälfte aller Kopfhörer wird momentan kabellos verkauft.

Sony geht in Stellung

Gerade bei Kopfhörern mit Noise-Canceling geht der Trend unübersehbar zur kabellosen Übertragung. Bose hat sein neuestes Modell QC 35 mit Bluetooth ausgestattet, kurz danach brachte Sennheiser seinen PXC 550 auf den Markt. Und nun feiert Sony auf der IFA seinen MDR-1000X. Er passt perfekt in die Reihe: Der neue Sony kostet 400 Euro, ist geschlossen und ohrumschließend, kommt mit passender App, hat einen 40-Millimeter-Treiber, schafft 20 Stunden im Betrieb und hat fast die gleichen Funktionen wie der Sennheiser. Bose fällt im Preis, aber auch in der Funktionalität etwas ab.

Wer als Pendler oder Vielreisender einen Kopfhörer mit Noise-Cancelling und Bluetooth sucht, hat die Qual der Wahl. Da sie allerdings klanglich etwas unterschiedlich abgestimmt sind, fällt die Entscheidung vielleicht doch nicht so schwer.

Libratone klingt gut

400 Euro will nicht jeder ausgeben. Für all jene hat Libratone eine Alternative mit zur IFA gebracht. Der Q Adapt kostet 250 Euro und unterscheidet sich nicht nur im Preis. Er fällt weniger auf, weil es ein On-Ear-Modell ist. Man muss aber nicht auf Funktionen wie bei den Großen von Sennheiser und Sony verzichten. Der Q Adapt sieht sehr schick aus. Auch bei ihm lässt sich durch eine Berührung der Muschel die Geräuschunterdrückung unterbrechen – etwa für eine Durchsage im Zug oder Flugzeug. Ebenso ist der Grad des Noise Cancelling dosierbar.

Wir durften den Kopfhörer auf der IFA für ein paar Minuten testen und waren erstaunt, wie gut er als On-Ear-Modell klingt. Der Q Adapt kann mit den Modellen von Bose und Sony klanglich fast mithalten, weil er ähnlich gefällig abgestimmt ist. Sennheisers Sound ist etwas differenzierter und so für mehr Musikgenres einsetzbar.

Beyerdynamic probiert aus

Wo Sennheiser und andere Audiohersteller ihren Stand haben, ist natürlich Beyerdynamic nicht weit. Der deutsche Hersteller geht mit Bluetooth einen anderen Weg. Die Heilbronner haben nach Berlin einen Prototypen mitgebracht, der nach Aussagen so nie aussehen wird, wie er am Stand gezeigt wird. Es geht momentan nur um das technisch machbare: Hochauflösende Dateien mit Bluetooth übertragen. Bisher reicht die Qualität nur bis zur CD, und das auch nur, wenn der Apt-x-Codec im Spiel ist. Prozessorhersteller Qualcomm hat auf der diesjährigen CES in Las Vegas einen Chip vorgestellt, der nun auch höherwertige Files übertragen kann. Und zwar mit dem Codec Bluetooth Apt-X HD. Da es bisher nur ein Smartphone gibt, in dem dieser Chip eingebaut ist, liegt am Stand von Beyerdynamic das G5 von LG.

42160001 Der Q Adapt von Libatrone ist ein On-Ear-Modell. Bilderstrecke

Um auf Seite des Kopfhörers die Technik umsetzen zu können, hat Beyerdynamic mit Astell & Kern zusammenarbeitet. Das Unternehmen hat Erfahrung mit der Wiedergabe von hochauslösenden Dateien, da es einige Digital Audio Player anbietet, von denen mindestens einer als Referenz in der Audiowelt gilt. In der Muschel von Beyerdynamics Kopfhörer steckt also ein Digital-Analog-Wandler, ein Verstärker und ein Bluetooth-HD-Empfänger. Der Klang? Sehr, sehr gut. Wann kommt er auf den Markt? Noch unbekannt. Und der Preis? Ebenso.

Teac geht mit der Jugend

Wenn schon viele Kopfhörer und Lautsprecher mit Bluetooth-Schnittstelle ausgestattet sind, darf das Quellgerät nicht fehlen. Gefühlt hat man mittlerweile mit jedem Audioprodukt die Möglichkeit: sei es Smartphone, Digital Audio Player, Computer oder Verstärker. Auf der IFA haben wir nun einen Zuspieler gesehen, der für uns immer in der analogen Welt verankert war: der Plattenspieler. Okay, es gibt ihn mittlerweile mit USB-Ausgang, also mit Analog-Digital-Wandler, damit die Lieder von der Platte in digitale Dateien umgewandelt werden können.

Aber was Teac mit dem TN-400 zeigt, ist schon gewöhnungsbedürftig. Der Plattenspieler hat auch ein Bluetooth-Modul. Er kommuniziert direkt mit einem kabellosen Kopfhörer oder Lautsprecher. Das heißt: Platte auflegen, mit Kopfhörer per Bluetooth verbinden und los geht’s. Das sei für allen Dingen für die junge Generation gedacht, sagt Teac. Nun ja.