
Mama joggt mit ihrer Smartwatch, Papa schwingt sich nicht ohne seine Gopro am Helm aufs Bike – da sollen die Kids etwa ohne Wearable draußen spielen gehen?
Schon für die Altersgruppe von fünf bis zwölf – das ist die Einstufung des Anbieters – gibt es Outdoor-Elektronika, die speziell für die Kleinen konzipiert sind. Vtech – operatives Hauptquartier: Hongkong, formaler Unternehmenssitz: Bermudas, führend bei sogenannten Spiel- und Lerncomputern für Kinder – hat entsprechende Ausrüstung im Programm. Wobei sofort anzumerken ist: Der zwölfjährige Sprössling müsste schon ein rechter Spätzünder sein, wenn er beim Anblick der Kidizoom Action Cam oder der Kidizoom Smart Watch 2 einem nicht den Vogel zeigen würde. Opas und Omas also gut aufgepasst beim Geschenkekauf: Spätestens von zehn Jahren an darf es beim digitalen Outdoor-Equipment vielleicht gerade noch ein abgelegtes älteres Modell von Papa oder eine neue, aber günstigere Einsteigerversion sein, auf alle Fälle jedoch kein solcher Vtech-Kinderkram mehr.
Beide Geräte sind poppig bunt, und als Gegenstand wie auch mit ihren Bedienungsoberflächen eher asiatisch verniedlichend als pubertär europäisch gestaltet. Sie kosten beide nicht die Welt, jeweils knapp unter fünfzig Euro im Internet. Schon die Art, wie die Smartwatch 2 in der Verpackung präsentiert wird, macht Anleihen bei den Geräten für die Großen. Und die Action Cam bringt in ihrem Karton alles Klobige mit zum Anschrauben am Lenker und Bekleben des Helms, was eben die Gopro zur Gopro macht. (Die Hersteller aller anderen Actionkameras mögen verzeihen, aber Gopro ist längst so ein Gattungsbegriff wie Tempo oder Jeep geworden.)
Es gibt nur zwei Tasten
So smart wie Mamas GPS-Uhr mit Pulsmessung und Bewegungssensor ist die Kidizoom Smartwatch natürlich nicht. Doch stecken auch in ihr eine Menge Funktionen: Die Kinderuhr zeigt nicht nur die Zeit oder sagt sie laut und deutlich an, sie ist auch eine Stoppuhr, ein herunter zählender Timer und ein Wecker, ein Taschenrechner und ein Kalender. Sie kann Schritte zählen, Digitalfotos und Videos machen, Stimmen aufzeichnen und enthält einfache Spiele wie etwa Tic-Tac-Toe sowie ein Lernprogramm, das dem Kind das Ablesen der Uhr beibringen soll. Es gibt nur zwei Tasten, den Einschaltknopf und den Auslöser der Kamera. Zwischen den Anwendungen wird mit einem Fingerwischen auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm gewechselt.
Bei der Action Cam ist der Monitor nicht berührungsempfindlich, sie hat dafür sechs Bedienungstasten. Während die Uhr über 256 MB internen Speicher für geschätzte mehr als 1600 Fotos oder elf Minuten Video (320 × 240) verfügt, lässt sich der Action Cam eine Micro-SDHC-Speicherkarte verfüttern. Beide Geräte haben eine Micro-USB-Buchse, über die ihr nicht auswechselbarer Akku geladen wird und mittels derer zur Datensicherung eine Verbindung zum PC hergestellt werden kann.
Die Bedienungsanleitungen sind umfänglich, rund 30 Seiten für die Uhr, rund 40 für die Kamera. Hin und wieder ist der Hinweis eingestreut, dass Hilfe oder Aufsicht eines Erwachsenen vonnöten sei. So wird deutlich, dass diese Spielzeuge auch ein enormes Potential an Elternbeschäftigung haben. Einer der besonders häufig auftauchenden Begriffe ist das Wort lustig. Eine Kostprobe aus der Anleitung der Uhr: „Die Bewegungsspiele sind eine lustige und aktive Möglichkeit, sich selbst herauszufordern. Enthalten sind 3 Aktivitäten, die Ihre Bewegungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums zählen: Rennspaß, Verrückter Tanz und Seilspringen.“ Interessant, die Anleitungen siezen ihre Leser, und das werden wohl in der Tat auch nicht die lieben Kleinen sein.
Dass die Bildqualität beider Kameras nicht besonders toll (erstaunlicherweise aber im Nahbereich weniger schlecht) ist und dass Videoaufnahmen ein greuliches Nebengeräusch haben, gut, das stand zu erwarten. Die Kinder werden aber von diesem Spielzeug zwei deutlich erkennbaren Gefahren ausgesetzt: Das Erste ist eine gründliche Geschmacksverbiegung. Die Grafiken zur Bildverschönerung oder die Uhrenzifferblätter sind grottenhässlich. Noch schlimmer aber ist der unverhohlene Drill, mit dem schon die Jüngsten auf eine Welt vorbereitet werden, die nichts anderes mehr als Touchen, Wischen und Ok-Button-Drücken zu kennen scheint: „Wählen Sie einen von 10 verschiedenen Soundeffekten aus und schütteln Sie dann Ihre Hand mit der Kidizoom Smart Watch 2, um sie abzuspielen.“
