Mode & Design

In Midtown und Metzingen

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Damenmode von Hugo Boss für Frühjahr und Sommer 2017, gezeichnet vom Designer Jason Wu

Jason Wu pendelt zwischen den Welten. In Manhattan hat der Michelle-Obama-Designer seine eigene Modemarke, in Schwaben entwirft er für Boss. Ein Besuch vor der Schau am Mittwoch.

Heute ist Dienstag, oder?“ Nein, da müssen wir Jason Wu enttäuschen. Heute ist schon Mittwoch. „Waaaas“, ruft er am 7. September in der Halle der Hugo-Boss-Zentrale an der Rudolf-Diesel-Straße in Metzingen. „Nein! Das gibt’s doch nicht.“ Doch, das gibt’s. Aber kein Wunder, dass er das nicht weiß. Denn dieser Modemacher arbeitet in mehreren Zeitzonen gleichzeitig: Ostküstenzeit, Mitteleuropäische Zeit, Frühjahr und Sommer 2017, Herbst und Winter 2017. Da kann man schon mal durcheinanderkommen. Am besten, er bestellt sich gleich mal einen Kaffee: „Americano, bitte.“

Das scheint die einzige Droge des Modemachers Jason Wu zu sein. Und der Ehrgeiz. Und die Arbeit. Und natürlich, logisch, der Erfolg.

Wenn viele Designer in Paris glauben, dass Arbeitsbelastung und Erfolgsdruck heute so schrecklich sind – dann sollten sie mal eine Woche mit ihrem nimmermüden und dennoch stets wohltemperierten Kollegen tauschen, der in New York seit neun Jahren seine Marke für teure Damenmode aufbaut und parallel dazu seit drei Jahren eine Linie in die Damen-Kollektionen der schwäbischen Herrenmodemarke Boss bringt.

Er arbeitet täglich von 8.30 bis 21 Uhr

„Ich muss dauernd was machen“, sagt Wu. „Ich bin sehr ungeduldig, sehr, sehr ungeduldig. Und ich bin auch ehrgeizig, ja. Aber ich denke nicht daran, sondern ich mache einfach. Es ist schon anstrengend, es ist nicht einfach, es ist viel. Aber ich beschwere mich nicht.“

Am Sonntagabend ist Jason Wu in New York losgeflogen, am Montagmorgen ist er in Stuttgart gelandet. Von dort ging’s rasch vorbei an Bonlanden, Neckartailfingen, Neckartenzlingen und Bempfingen ins Outlet-Paradies am Fuß der Schwäbischen Alb. Jeden Tag arbeitet er hier in der Boss-Zentrale von 8.30 bis 21 Uhr.

42329292 Jason Wu am 9. September auf der Modewoche in New York

Danach, im Hotel „Schwanen“, ist er in Dauerkontakt mit seiner Marke in New York, wo gerade Nachmittag ist. Wenn dort Feierabend ist, nach Mitternacht schwäbischer Zeit, knipst er endlich seinen Laptop aus. Am Ende der Woche fliegt er zurück, um drei Wochen später wieder für fünf Tage von Midtown nach Metzingen zu kommen.

Karl Lagerfeld ist sein Idol

Auch in New York übt er die göttliche Fähigkeit der Omnipräsenz. Frühmorgens geht er ins Hugo-Boss-Atelier an der 38. Straße, in dem sich die Mitarbeiter vor allem ums celebrity dressing und um die Schauenvorbereitung kümmern. Dort arbeitet er bis Mittag, wenn in Schwaben der Feierabend naht. Dann geht’s hinüber ins Jason-Wu-Studio an der 35. Straße. „Ich bin immer für beide Marken da.“ Besonders in diesen Tagen. Am Freitag brachte er seine Jason-Wu-Kollektion für Frühjahr und Sommer 2017 auf der gerade begonnenen New York Fashion Week über die Bühne. Und am Mittwochnachmittag ist an der Washington Street die große Boss-Schau.

Zwei Modenschauen in wenigen Tagen: Das bringt normalerweise nur Karl Lagerfeld fertig, mit Chanel und Fendi. Zu dem Vergleich sagt Wu denn auch sofort: „Er ist mein großes Idol.“

Niemand wäre besser darauf vorbereitet, Mode für alle Zeitzonen und jede Gelegenheit zu machen. Denn Wu, der in zwei Wochen 34 Jahre alt wird, wuchs in verschiedenen Kulturen auf. Geboren wurde er in Taipeh. Als er neun Jahre alt war, zog die Familie nach Vancouver. In Massachusetts und Connecticut ging er auf Internate. Und sein letztes High-School-Jahr verbrachte der Sechzehnjährige in Rennes, wo er seine Mode-Leidenschaft mit Wochenend-Ausflügen nach Paris anfachte.