Google soll sicher werden

Published 22/08/2016 in Computer & Internet, Technik & Motor

Google soll sicher werden
Das Blackberry Dtek 50 ist das zweite Smartphone der Marke, das mit dem Betriebssystem von Android läuft.

Das hauseigene Betriebssystem von Blackberry wird durch Android ersetzt. Mit dem Dtek 50 kommt das zweite Blackberry mit Googles Betriebssystem.

Smartphone-Hersteller Blackberry fokussiert sich auf die Software – die Hardware wird zweitrangig. Das hauseigene Betriebssystem Blackberry 10 war kein Erfolg, es wird langfristig durch Googles Android ersetzt. Das hört sich nach einer Geschichte des Niedergangs an. Doch Blackberry strotzt vor Selbstbewusstsein. Die Kanadier wollen die als unsicher geltende Google-Plattform auf ein Sicherheitsniveau heben, für das der Name Blackberry geradezu ein Synonym ist. Nun wird es interessant, zumal Details kommuniziert werden und der erste Blackberry mit Android namens Priv ergänzt wird durch ein zweites Modell, den Dtek 50.

„Blackberry für Android bedeute Sicherheit auf drei Säulen“, sagt der deutsche Geschäftsführer Klaus Jürgen Müller. Android wird kryptographisch in der Hardware verankert, so dass sich die Geräte weder rooten lassen (der Benutzer erhält Administrator-Rechte und damit vollständige Kontrolle), noch mit anderen Android-Versionen oder Bootloadern bespielt werden können. Jedes einzelne Gerät hat einen individuellen privaten Schlüssel, mit dem während des Hochfahrens geprüft wird, ob das System kompromittiert wurde. Es wird auch nur der von Blackberry signierte mehrstufige Bootloader geladen.

Zweitens sollen bisher nicht bekannte Schwachstellen von Android ihren Schrecken dadurch verlieren, dass sie sich von Schadsoftware schlechter ausnutzen lassen. Blackberry Android führt nur vom Hersteller signierte Systemprogramme aus und nutzt eine Speicherverwürfelung, um das Injizieren von fremdem Code zu erschweren. Bekannte Einsprungadressen funktionieren also mit Blackberry Android nicht. Drittens werden Updates und Sicherheits-Patches früher als bei der Konkurrenz ausgeliefert, dies kann jeder Priv-Besitzer seit dem Herbst vergangenen Jahres unmittelbar bestätigen.

Android-Blackberry so sicher wie hauseigenes Betriebssystem

Ein Blackberry mit Android soll mittlerweile fast so sicher sein wie mit dem hauseigenen Betriebssystem, und wir haben jetzt den Dtek 50 einige Zeit erprobt. Das Gerät für 340 Euro ist ein unspektakuläres Modell der Mittelklasse mit einem Full-HD-Display über einer Diagonale von 5,2 Zoll, das sind 13,2 Zentimeter. Der Dtek 50 hat einen Achtkernprozessor und drei Gigabyte RAM sowie 16 Gigabyte Speicher, erweiterbar mit Micro-SD-Karten. Die Kamera löst mit 13 Megapixeln auf, die Frontkamera für Selfies bringt es auf 8 Megapixel und hat eine starke Weitwinkeloptik. Die Fotoqualität ist gut, auch bei wenig Umgebungslicht.

Der fest eingebaute Akku bringt einen locker über den Tag, mit Quick Charge ist er flink geladen. Anmutung und Verarbeitungsqualität gefallen. Dank geriffelter Rückseite fasst sich das Gerät gut an und liegt rutschfest selbst auf glatter Unterlage. Bezeichnenderweise fehlt ein Blackberry-Schriftzug auf dem Smartphone. Das Android-Betriebssystem 6.0.1 hat der Hersteller nur leicht modifiziert, wofür man dankbar sein kann. Im Unterschied zum Priv und älteren Blackberrys fehlt das Picture Password als Bildschirmsperre, die einem Dritten selbst dann unzugänglich bleibt, wenn er bei der Entsperrung zusieht. Vermisst haben wir ferner einen Fingerabdruck-Scanner mit Biometrie. In dieser Preisklasse sollte er dazugehören.

Der Name Dtek leitet sich ab von einer App, die hier wie auf dem Priv wichtige Hinweise zum Sicherheitsstatus und zur Integrität des Geräts gibt. Zudem erlaubt sie es, Zugriffsrechte, die sich einzelne Apps eingeholt haben, zu prüfen – und wieder zu entziehen. Diese Funktionalität bietet Android 6 ohnehin, nur gelangt man hier gleich zu weiteren Details und in die entsprechenden Menüs.

Nachrichten und Ereignisse in einheitlicher Darstellung

Ferner ist natürlich der Blackberry-Hub an Bord, der aus der alten Betriebssystem-Welt kommt und ein starkes Kaufargument ist. Er bündelt alle Nachrichten und Ereignisse in einer einheitlichen Darstellung, und die Inhalte sind nicht nur E-Mails oder Anrufe, sondern auch Twitter-, Facebook- oder Whatsapp-Neuheiten. Die aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführten Daten lassen sich durchsuchen und nach verschiedenen Kriterien filtern. Wichtiges kann man übergreifend markieren, und mit einer einzigen Wischbewegung landet man vom Hub aus in einer Liste der bevorstehenden Termine des Kalenders. Auch dessen App ist ganz auf den geschäftlichen Vielnutzer zugeschnitten und hat etliche raffinierte Details, etwa die Anzeige freier und belegter Zeiten. Zwar arbeitet der Hub nur als App und nicht wie in den alten Blackberrys als Systemfunktion, aber nach kurzer Gewöhnungszeit möchte man darauf nicht mehr verzichten. Es reicht dann übrigens aus, E-Mail-Konten im Blackberry-Hub einzurichten, das neugierige Gmail von Google bleibt außen vor.

Den Blackberry-Hub gibt es zudem seit Anfang August als App für alle anderen Android-Smartphones, sofern mindestens die Betriebssystem-Version 6 zum Einsatz kommt. Man suche im Play Store von Google nach Blackberry Hub Plus und kann dann Hub, Blackberry-Kalender und Kennwort-Manager laden. Die Nutzung ist für einen Monat gratis, danach kosten die Programme einen Euro im Monat im Abonnement, und es kommen dann das Adressbuch, die Gerätesuche und weitere Blackberry-Anwendungen dazu. Das Software-Keyboard fehlt. Wir haben das Angebot mit dem Huawei P9 Plus ausprobiert und stießen auf etliche kleinere Probleme: Google-Accounts mit Zweifaktor-Authentifizierung ließen sich nicht einrichten, Whatsapp spielte nicht mit, und mehrere zu einem Konto gehörende Kalender überforderten die Software ebenfalls. Wir hätten ihn gern, den Blackberry-Hub für jeden Androiden, aber noch gibt es Verbesserungsbedarf. Das sichere Android ist ein hochgestecktes Ziel. Warten wir ab, zu welcher Plattform die Banken und Großunternehmen wechseln.

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen