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Gutes Bild, Loewe

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Schlichte Schönheit mit simplem Namen: „Bild 7“, der erste Oled-Fernseher von Loewe

Loewe setzt ab sofort auf die Bildschirm-Technik Oled und macht einen weiteren Schritt in die Zukunft. Pünktlich zur Messe IFA präsentiert das Unternehmen zwei Modelle. Das größere haben wir vorab getestet.

Als die elektronischen Bilder laufen lernten, war Loewe schon dabei, und lange bevor die Fernseher smart wurden, experimentierte der Hersteller schon mit der Fusion von Computertechnik und Dampffernsehen. Heute wagt das fränkische Unternehmen einen weiteren Schritt in die Zukunft, allerdings nicht mehr ganz allein: LG, die große Korea-Marke, liefert dazu ein Schlüsselelement. Oled ist das Stichwort, jene Bildschirm-Technik, die jedes einzelne Pixel mit einem selbstleuchtenden Winzig-Halbleiter aus organischem Material erzeugt. Die wichtigsten Vorteile im Vergleich zum marktgängigen LCD: Oled-Schirme können tiefste Schwarzwerte fein abgestuft bis hin zur vollständigen Finsternis darstellen, und sie bieten aus jeder Blickrichtung unverfälschte, leuchtende Farben.

Oled gilt immer noch als heikel und schwer in konstanter Qualität zu fertigen- ob es sich um eine Technik mit Zukunft oder eher eine exotische Interimslösung handelt, schien lange nicht ausgemacht. LG aber hat die Serienfertigung selbst großer Bildschirme nun so weit im Griff, dass auch andere Marken davon profitieren – Panasonic beispielsweise, demnächst also Loewe und sogar Metz, die andere noch verbliebene TV-Marke aus deutschen Landen.

Technik in fünf Zentimeter tiefes Gehäuse gepackt

Wir haben uns das größere Modell von zwei Loewe-Neulingen in den Testraum geholt, ein 65-Zoll-Kaliber zum stolzen, aber Oled-typischen Preis von 6990 Euro. Eine 55-Zoll-Variante wird es für 4990 geben. Loewe hat für seine jüngste Modellreihe eigens eine neue Nomenklatur ersonnen: „Bild 7“ lautet der prosaische Name unseres Testmusters. Wir finden ihn schön, wenn man denn einen denkbar schlichten Flachbau so nennen darf. Denn eigentlich besteht er, von vorn betrachtet, nur aus einer dünnen, randlosen Scheibe. Der eigentliche Bildschirm ist gerade einmal fünf Millimeter stark. Die Elektronik trägt er huckepack in einem kleineren, fünf Zentimeter tiefen Gehäuse. Finesse liegt im Detail: Ein kleines Bullauge am unteren Bildschirmrand signalisiert mit farbigen Balken den Betriebszustand.

Die textilverkleidete Lautsprecherzeile verschwindet, sobald das Gerät ausgeschaltet wird: Der Bildschirm bewegt sich dann ein Stück abwärts und verdeckt, was nicht gebraucht wird. Der separat lieferbare Standfuß aus Aluminium, Kostenpunkt um 1000 Euro, dreht den Bildschirm auf Wunsch mit Motorkraft zum Zuschauer, der die Bewegung mit der Fernbedienung kontrolliert. Ein weiteres schmückendes Detail: Beim Abschalten zieht der Bildschirm schwarze Flächen von den Seiten bis in die Mitte, wie einen imaginären Vorhang.

Der „Bild 7“ empfängt die Fernsehprogramme mit Doppeltunern für die üblichen Übertragungswege- auch das neue DVB-T2 HD gehört zum Repertoire. So kann ein Tuner stets den Bildschirm bespielen, ein anderer gleichzeitig eine andere Sendung mit der eingebauten Festplatte aufzeichnen. Auch Streaming-Funktionen übers Heimnetz unterstützt der Apparat: Ein zweiter Loewe-Fernseher kann zeigen, was „Bild 7“ empfängt oder auf seiner Festplatte mitgeschnitten hat. Die „Follow Me“-Funktion erlaubt sogar, das laufende Programm zu unterbrechen und auf einem Fernseher im Nachbarraum weiterzugucken. Über vier HDMI-Schnittstellen können sich digitale Zuspieler mit dem Gerät verbinden. Alle vier kommen mit Ultra-HD-Auflösungen zurecht, die ersten drei Anschlüsse allerdings nur mit Bildfolgen bis 24 Hertz. Nur der vierte HDMI-Eingang entspricht der jüngsten Spezifikation HDMI 2.0a, die Ultra HD mit bis zu 60 Vollbildern je Sekunde entgegennimmt und obendrein noch Metadaten für HDR-Produkionen, also solche mit extremem Kontrastumfang, weiterleitet.

Überzeugendes Bedienkonzept

Das Bedienkonzept des neuen Fernsehers überzeugt: Alle Menüs folgen einem bewusst schlichten Grafik-Konzept, die Optionen für die Bild-Optimierung erlauben sogar subtile Anpassungen an menschliche Hauttöne. Internetquellen wie Amazon Video oder die Mediatheken der Sender sind mühelos zugänglich. Nur Netflix haben wir vermisst. Wer diesen Dienst anzapfen will, braucht ein Stück Extra-Hardware.

Die Bildqualität des Loewe-Boliden ist schlicht überwältigend: Das Oled-Display spielt seine ganze Pracht aus, satte, nuancenreiche Farben leuchten vor rabenschwarzen Hintergründen. In HDR produzierte Ultra-HD-Videoclips, die wir über ein USB-Medium zuspielten, inszenierten ihren Kontrastumfang eindrucksvoll. Allerdings musste der Loewe vorerst passen, als wir versuchten, ihm die in HDR produzierten Bluray-Filme „The Martian“ und „Mad Max: Fury Road“ über den Ultra-HD-Player von Samsung zuzuspielen: Über den HDR-tüchtigen HDMI-Eingang 4 produzierte der Loewe Fehlfarben- über die anderen Eingänge zeigten sich die Filme zwar mit schönen Bildern, aber nicht im vollen HDR-Kontrast. Der Grund: Unser Testgerät, ein Vorserienmodell, das in finaler Form erst nach der Fachmesse IFA im September in die Läden kommt, genügt noch nicht in allen Details den HDR-Standards Dolby Vision und HDR 10- mit dem nächsten Software-Update soll dieses Problem in wenigen Wochen beseitigt sein. Dann wird voraussichtlich auch der Marsianer auf dem Oled-Schirm gleißendes Sonnenlicht in blendender Kraft erleben.