Finanzen

JP Morgan zockte Ex-Häftlinge ab

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JP Morgan hat anscheinend etwas zu viel an Gebühren verlangt.

10 Dollar fürs Geldabheben am Schalter, 45 Cent für den Kontoauszug und 1,50 Dollar, wenn die Kreditkarte nicht benutzt wird: So kreativ zog JP Morgan Ex-Häftlingen das Geld aus der Tasche. Nun wird die amerikanische Großbank verklagt.

Eigentlich sollte mit dem Programm in den Vereinigten Staaten Häftlingen geholfen werden, mit etwas Geld und einem Bankkonto wieder in Freiheit Fuß zu fassen. Doch die größte amerikanische Bank JP Morgan hat es geschafft, mit einer Reihe kreativer Gebühren die Starthilfe zu einem Klotz am Bein umzufunktionieren, wie aus einer Sammelklage vor einem Gericht in Philadelphia hervorgeht.

Doch von vorn: Im Jahr 2008 gewann die größte amerikanische Bank eine Ausschreibung. Inhalt dieser Ausschreibung war, dass ehemalige Häftlinge zu ihrer Entlassung eine Kreditkarte bekommen, mit der sie Zugriff auf das Geld bekommen, welches sie im Gefängnis verdient haben oder was ihnen geschickt wurde. Bis hierher klingt es wie ein normales, sinnvolles Geschäftsmodell.

Die ehemaligen Häftlinge sehen das aber ganz anders, wie aus der Klage hervorgeht. „Das war eine Masche, um die am stärksten verletzliche Gruppe auszunutzen“, heißt es in der Anklageschrift. So soll den ehemaligen Insassen nicht möglich gewesen sein, überhaupt die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchzulesen oder gar zu bestätigen. Hätten die Häftlinge die Kreditkarte nicht angenommen, hätten sie keinen Zugriff auf das Geld gehabt. Einer der an der Klage beteiligten Anwälte von Golomb & Honik sprach gegenüber der Financial Times von einem „Friss oder stirb“-Angebot.

JP Morgan Chase war bei Gebühren sehr kreativ

Das war jedoch nicht alles oder gar das kleinste Übel, wie die „Financial Times“ berichtet: So war JP Morgan Chase sehr kreativ, wenn es darum ging, neue Gebühren zu erfinden. Beispiele gefällig? 24,50 Dollar werden für eine neue Karte fällig — normale Nutzer müssen 5 Dollar zahlen. 1,50 Dollar kostete es, wenn man die Kreditkarte einen Monat lang nicht nutzte. 45 Cent waren fällig, wenn man den Kontostand checken wollte. Und ganze 10 Dollar, wenn an einem Schalter das Geld abgeholt wurde — was für normale Kunden ganz kostenlos ist. Dagegen waren die 2 Dollar für die Nutzung eines Geldautomaten, der nicht zu JP Morgan Chase gehört, fast schon günstig. „Die Gebühren stehen in keinerlei Verhältnis zum Aufwand“, so ein Anwalt gegenüber Bloomberg.

Dass das nicht ganz in Ordnung ist, darauf ist JP Morgan wohl schon selbst gekommen, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht: So zahlte die Bank 446.822 Dollar an Tausende ehemalige Häftlinge als Erstattung, weitere 250.000 Dollar wurden an die Kläger zur Erstattung ihrer Ausgaben ausgegeben. Die Sammelklage wurde von Jesse Krimes angestrengt, einem ehemaligen Drogendealer, der mit 157 Gramm Kokain nach dem Abschluss an einer Kunstschule erwischt wurde. Zwischen 2009 und 2015 saß er dafür im Gefängnis. Seine 250 Dollar wurden ebenso auf eine der betroffenen Kreditkarten geladen. Später sei er bestürzt gewesen, weil er eine ganze Reihe von Gebühren auf seinem (kostenpflichtigen) Auszug gesehen habe. Über Gebühren sei er nicht informiert wurden.

„Das ganze Gefängnissystem ist darauf ausgelegt, dich in Hoffnungslosigkeit zu stürzten“, sagte er gegenüber der Financial Times. „Es war für mich einfach unakzeptabel, nach Hause zu kommen und zu versuchen, wieder ein normales Leben zu führen und gleichzeitig eine reiche Bank im Rücken zu haben, die dich jagt“, sagte Krimes.