
Er war für die Nato abgeordnet und tauchte unter, als er festgenommen werden sollte: Erstmals nach Beginn von Erdogans Säuberungen will ein türkischer Offizier offenbar Asyl in Amerika. Das könnte Probleme bringen.
Ein türkischer Offizier, der auf einem Nato-Stützpunkt im amerikanischen Bundesstaat Virginia stationiert war, soll in den Vereinigten Staaten Asyl beantragt haben. Das Reuters unter Berufung auf zwei ungenannte amerikanische Beamte. Es sei der erste derartige Fall, nachdem die türkische Regierung als Reaktion auf den gescheiterten Putsch im Juli eine Säuberungswelle im Militär startete.
Während die türkische Botschaft in Washington das angebliche Asylgesuch nicht kommentierte, bestätigte sie Reuters, dass ein ranghoher Marineoffizier, der zu der Nato-Basis in Norfolk abkommandiert war, seit dem 22. Juli verschwunden sei. Zuvor habe die Türkei ihn in Haft nehmen lassen wollen.
Ein Asylersuchen dürfte die Beziehungen zwischen den beiden Nato-Partnern mit den größten Streitkräften weiter belasten. Die türkische Regierung verlangt von Amerika die Auslieferung des muslimischen Predigers Fetullah Gülen, dessen Bewegung sie für den Umsturzversuch verantwortlich macht. Gülen bestreitet eine Beteiligung.
Das Pentagon wollte Reuters zu dem Vorgang keinen Kommentar abgeben. Ein Beamter teilte vertraulich mit, derzeit befänden sich etwa 160 türkische Militärangehörige in den Vereinigten Staaten.
Nach Angaben der türkischen Regierung wurden als Folge des Putschversuchs mehr als 60.000 Staatsbedienstete suspendiert oder entlassen, darunter viele Militärangehörige. Mehr als 13.000 Verdächtige seien in Untersuchungshaft.
