Aktien

Die Woche der Tech-Giganten

• Bookmarks: 17


Ära des Aufstiegs: Tech-Giganten Facebook und Google geht es so gut wie noch nie.

Die Internet-Riesen erleben einen Höhenflug: Facebook, Google & Co. sind so erfolgreich wie nie. Doch fast unbemerkt fällt ein großer Name aus der Reihe.

Es ging eine ära zu Ende in der vergangenen Woche – und niemanden hat es so richtig interessiert. Der Internetkonzern Yahoo war einst die Perle des digitalen Zeitalters, ein Pionier der Internetsuche, sehr beliebt und milliardenschwer. Sein Marktwert betrug zu seinen Glanzzeiten 128 Milliarden Dollar, das ist 16 Jahre her. Vergangene Woche ging das Internetgeschäft an den amerikanischen Telekommunikationskonzern Verizon für schlappe 4,8 Milliarden Dollar (4,3 Millionen Euro).

Das ist für sich genommen schon ernüchternd. Doch die Nachricht kam ausgerechnet in der Woche, in der die Konkurrenten wahre Jubelnachrichten verbreiteten und die Aktienkurse in die Höhe schnellten. Unter den fünf wertvollsten Unternehmen Amerikas sind inzwischen vier Technologieunternehmen, allen voran der iPhone-Hersteller Apple, auch wenn er als Einziger mit seinem stagnierenden iPhone-Absatz etwas enttäuschte. Doch Google (mit der Muttergesellschaft Alphabet auf Platz 2) und Facebook (Platz 5) geht es so gut wie nie zuvor. Sie haben den Online-Werbemarkt unter sich aufgeteilt, drei Viertel des gesamten Umsatzes auf der Welt fließt in diese beiden Konzerne.

Niedergang von Yahoo

Und das, obwohl auch von Facebook schon behauptet wurde, es hätte seine besten Tage bereits hinter sich. Vor allem die Jüngeren interessierten sich nicht mehr dafür, sondern wanderten in andere soziale Netzwerke ab, wurde lamentiert. Doch seine 1,7 Milliarden Nutzer schauen immer mehr Videos und bleiben länger im Netz hängen. Deshalb sind Werbekunden bereit, deutlich mehr für Videoanzeigen zu zahlen.

Infografik / Vergleich Yahoo, Facebook und Google Seit Jahren weit abgeschlagen: der einstige Konzernriese Yahoo.

Der Niedergang von Yahoo hat mehrere Gründe. Als ein wichtiger gilt, dass sich Yahoo letztlich nie wirklich entschieden hat, was es sein möchte: eine Internetsuchmaschine oder ein Medienunternehmen, das auf seiner Suchseite den Nutzer mit allerlei Informationen überschüttet. Meldungen, Wetter, die meistgeklickten Videos: Nichts davon funktionierte wirklich, das bot vor allem Wettbewerbern wie Google die Gelegenheit zur Entfaltung. Dabei gehört der Erzrivale nicht einmal zur nächsten Generation. Yahoo wurde 1995 gegründet, in dem Jahr lernten sich auch die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin an der amerikanischen Eliteuniversität Stanford kennen. Zwei Jahre später wurde google.com als Domain registriert. Schon lange hat Google Yahoo als wichtigste Suchmaschine abgelöst – auch weil sich der Konzern zumindest im Kerngeschäft auf das Wesentliche konzentriert: die besten Suchergebnisse zu generieren.

Die Gefahr, sich zu verzetteln, gibt es allerdings auch bei Google, nur scheint sich das Unternehmen geschickter dabei anzustellen. Erst im vergangenen Jahr hat sich der Konzern neu organisiert. Seitdem bündelt die Muttergesellschaft Alphabet alle unterschiedlichen Geschäftsbereiche. Google selbst ist nur noch Tochtergesellschaft – wenn auch die mit Abstand wichtigste, sie umfasst die Internetsuche mit den gigantischen Werbeeinnahmen und den erfolgreichen Videodienst Youtube. Im entfernteren Alphabet-Konzerngestrüpp lagern auch Unternehmen wie Nest, ein Hersteller vernetzter Haushaltsprodukte, oder das Forschungslabor X, mit Zukunftsprojekten wie selbstfahrenden Autos.

Rund 20 Milliarden Dollar an Werbeeinnahmen kassierte Google im vergangenen Quartal, besonders durch die Suche übers Smartphone. Allerdings musste es davon einiges an Partner-Unternehmen weiterreichen. Doch immerhin blieb noch so viel übrig, dass Alphabet seinen Quartalsgewinn auf 4,2 Milliarden Dollar steigern konnte. Viele der anderen Geschäftsfelder fuhren dagegen kräftige Verluste ein, insgesamt 802 Millionen Dollar. Da kann einem schon mulmig werden – die Kernsparte Google erzielt 90 Prozent ihres gesamten Umsatzes mit Werbung. Dass eine solche Abhängigkeit auf Dauer gefährlich sein kann, weiß das Unternehmen selbst. Schrittweise baut es andere Bereiche auf: Google will damit Geld machen, dass Unternehmen auf der ganzen Welt Software-Dienste zunehmend ins Internet verlagern. Google stellt dafür in seiner „Cloud“ Programme und Speicherplatz zur Verfügung.

Wie man damit Geld verdienen kann, lässt sich an Microsoft und dem Internetkaufhaus Amazon sehen, die sich in die Jubelmeldungen der Woche eingereiht haben, obwohl gerade Amazon lange Jahre nur Verluste gemacht hat. Amazon–Chef Jeff Bezos war berüchtigt dafür, jeden Dollar in eine aggressive Expansionsstrategie zu stecken. Doch im vergangenen Quartal konnte Amazon seinen Gewinn gar auf 857 Millionen Dollar verneunfachen. Die Umsätze in seiner Cloud-Sparte Amazon Web Services legten um 58 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar zu- der Betriebsgewinn verdoppelte sich auf 718 Millionen Dollar.

Das trieb den Aktienkurs in die Höhe, an der Börse ist Amazon inzwischen mehr als 350 Milliarden Dollar wert. Das freut auch Bezos selbst, der 18 Prozent der Aktien hält. Nach Angaben des amerikanischen Magazins „Forbes“ machte ihn der Kurssprung mit einem Vermögen von 66,5 Milliarden Dollar zum drittreichsten Menschen der Welt. Er verdrängte damit den amerikanischen Investor Warren Buffett, der 1,5 Milliarden Dollar weniger hatte.

Yahoo kann da nur staunend an der Seitenlinie stehen. Immerhin geht das Unternehmen nicht unter, sondern soll künftig an der Seite eines anderen verblassten Internet-Pioniers zur neuen Blüte reifen: Gemeinsam mit dem E-Mail-Dienst AOL soll er künftig seinen Wettbewerbern Online-Werbung abjagen, hofft die neue Muttergesellschaft Verizon. Da haben sie einiges vor.