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Technics und Sony drehen wieder den Plattenteller

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Technics knüpft schon mit seinem Namen an eine große Tradition an: Der neue Plattenspieler heißt SL-1200.

Die Schallplatte lebt, und jetzt mischen auch große Konzerne wieder mit. Zwei neue Plattenspieler von Technics und Sony befeuern den Retro-Trend. Darunter ist auch der Nachfolger einer Legende.

Alles ist vergänglich. Nur die gute alte Schallplatte aus Vinyl uberlebt offenbar alle Zeiten: Sie rotiert unverdrossen auf den Plattentellern dieser Welt, fast so, als hätte es nie eine digitale Revolution gegeben. Die noch verbliebenen Presswerke fahren Sonderschichten, die Marktforscher beziffern den Absatz der schwarzen Scheiben mit Zuwachsraten uber 25 Prozent. Das spornt auch die Gerätehersteller zu neuen Initiativen an. Kleine Manufakturen hatten ohnehin nie aufgehort, Plattenspieler zu bauen, aber jetzt melden sich auch große Konzerne zuruck.

Dazu gehort auch Panasonic: Das japanische Unternehmen hatte vor zwei Jahren eigens die traditionelle HiFi-Marke Technics wiederbelebt – und unter diesem Label bringt es nun einen Plattenspieler in den Markt, der schon mit seinem Namen an eine große Tradition anknupft: Er heißt SL-1200, genau wie sein legendäres Vorbild aus dem Jahr 1972. Eine ganze Dynastie von Modellvarianten folgte diesem Apparat, um uber Dekaden hinweg eine getreue Fan-Gemeinde zu beglucken. Jetzt also ist er wieder da – zunächst in einer auf 1200 Exemplare limitierten Auflage, die zusätzlich das Kurzel GAE im Typennamen trägt und fur 3500 Euro zu haben ist.

Zum Jahresende soll eine gunstigere Volksausgabe mit dem Namen SL-1200 G folgen. Sony, die andere große Japan-Marke, bringt derzeit ebenfalls einen neuen Plattenspieler in die Läden, der auf den Namen PS-HX500 hort und mit seinem Preis von 500 Euro ein breiteres Publikum anspricht. Das Besondere an diesem Apparat: Er bringt eine eingebaute Vorverstärkerstufe mit, zu der sogar ein Analog-Digital-Wandler gehort: Wer mag, kann den Vinylton digital ausgeben und sogar am PC aufnehmen.

40982985 Sonys neuer Plattenspieler heißt PS-HX500 und kostet auch 500 Euro.

Beide Apparate durften sich durch unsere Vinyl-Archive arbeiten, und wir haben emsig protokolliert, wie sie sich dabei anstellten. Zunächst zum Technics: Unser Exemplar – Tusch – trägt die eingravierte Seriennummer 0000, exklusiver geht es nicht. Aber naturlich lassen wir uns nicht von Etiketten beeindrucken. Eher schon von Schwerkraft: Der SL-1200 bringt 18 Kilogramm auf die Waage – ein Gewicht, an dem ein 10 Millimeter dickes Oberdeck aus Aluminium, ein gewaltiger Antriebsmotor und ein schwerer Plattenteller entscheidenden Anteil haben. Letztere braucht er: Der Neue ist, ebenso wie sein Vorbild aus dem letzten Jahrhundert, auch fur den Einsatz als Diskothekenlaufwerk konzipiert, muss also auf Tastendruck in kurzester Zeit auf die Solldrehzahl beschleunigen und ebenso schnell wieder abbremsen konnen, zudem muss er den Vorgaben des großen Drehzahl-Schiebereglers unverzuglich folgen und die gewunschte Rotation stabil einhalten. Das geht nur mit einem starken Direktantrieb, der auch zu den Erkennungsmerkmalen des großen Vorbilds zählte.

Audiophile sagten dieser Antriebsart stets Pol-Ruckeln nach, also Ungleichmäßigkeiten, die durch den wechselnden Einfluss der im Motor erzeugten Magnetfelder entstehen. Deshalb bevorzugen sie seit Menschengedenken den Antrieb uber einen elastischen Riemen, der motorische Unebenheiten abfängt. Doch Technics hat vorgebaut: Der schwere, uberwiegend aus Messing gefertigte Plattenteller bringt viel ausgleichende Trägheit mit, außerdem haben die Entwickler eine elektronisch geregelte Motorvariante ohne Eisen konstruiert, die den Gleichlauf zusätzlich fordert.

40983021 Der eingebaute Wandler entlässt den Digitalton über einen USB-Anschluss

Damit der Plattenteller nicht klingt wie eine Glocke, hat er auf seiner Unterseite eine dicke Schicht aus dämpfendem Gummi, zusätzlich schluckt die Gummiauflage unerwunschten Schall. Der Teller wird wie ublich auf die Mittelachse gesetzt- zusätzlich greifen drei vom Motor getriebene Zapfen in passende Bohrungen, um die mächtigen Antriebs- und Bremskräfte zu ubertragen. Profis konnen das Maß von Beschleunigung und Verzogerung sogar mit einem kleinen Schraubenzieher von Hand justieren, fur alle anderen gibt es einen Automatik-Modus. Auch mit anderen Details unterstutzt der Plattenspieler den Disco-Betrieb: Eine Stroboskoplampe beleuchtet entsprechende Markierungen am Plattentellerrand, ein versenkbares Lämpchen beleuchtetet die Rillen in der Nähe der Nadel, damit der DJ die Spuren gut erkennt.