
Dem Franzosen Louis Réard kam die Idee für den Bikini am Strand von St. Tropez. Als er seine Kreation aber am 5. Juli 1946 der Öffentlichkeit vorführen wollte, weigerten sich die Pariser Models.
Vor dem Patent kam der Skandal. Als der franzosische Ingenieur Louis R ard seine Neuerung in der Bademode am 5. Juli 1946 der offentlichkeit präsentieren wollte, weigerten sich die Mannequins, den Zweiteiler zu tragen. Vier Dreiecke aus nur 194 Quadratzentimeter Stoff wurden mit einer Schnur so dunn wie Paketband zusammengehalten. Man sah alles und doch nichts, fur die Models aber eben immer noch zu viel. Vor allem der zum ersten Mal entbloßte Bauchnabel rief Wirbel hervor – auch Jahre später noch an konservativen Stränden. An jenem Julitag nun wollte eben kein Modell seinen Bauchnabel und schon gar nicht so viel Haut drumherum zeigen, also engagierte R ard kurzerhand die 19 Jahre alte Micheline Bernardini. Die hatte keine Probleme damit, in dunnen Fähnchen vor die Kamera zu treten, hauptberuflich zeigte sie sich im Casino de Paris sowieso ganz nackt.
Ihr Auftritt im Pariser Schwimmbad Piscine Molitor schlug ein wie eine Bombe, und in diesem Sprachbild hatte sich das wohl auch R ard gedacht, denn nicht umsonst nannte er seinen Badeanzug „Bikini“, nach jenem Pazifikatoll, auf dem zwei Wochen zuvor der erste Atombombentest nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden hatte. Die Zeitungen waren voll mit Nachrichten daruber, und R ard zielte auf eine ähnliche mediale Aufmerksamkeit: Die ersten vier Stoffdreiecke waren mit Schlagzeilen bedruckt.
Immerhin ist der Bauchnabel bedeckt: Schauspielerin Hildegard Knef posiert im Juli 1951 in New York in einem Bikini, der selbst an einem konservativen Strand getragen werden konnte.Bilderstrecke
Vierzehn Tage nach der Präsentation im Schwimmbad meldete R ard seine Erfindung als Patent an, Nummer 19431. Kopiert wurde sie trotzdem schnell und viel. R ard war naturlich nicht der erste, der auf die Idee mit dem Badezweiteiler kam. ähnliche Zweiteiler gab es schon bei den Romern, wie ein Mosaik im sizilianischen Casale zeigt. Damals war das Modell aber wohl eher als Sportleibchen und nicht wegen der geringen Bräunungsstreifen beliebt. Die waren es nämlich, die R ard auf seine Idee mit den Schnuren und Stofffähnchen brachten.
Als Sohn einer Lingerie-Verkäuferin, deren Geschäft er Mitte der vierziger Jahre ubernommen hatte, suchte er nach neuen Ideen und fand sie am Strand von St.Tropez, wo die Frauen ihre langen Badeanzuge hochkrempelten, um sich besser bräunen zu konnen. R ard setzte bei seiner Kreation also auf einen Hauch von Nichts mit viel Platz fur Bräune. Die kleine Box, die Bernardini auf unserem Bild oben so strahlend in die Hohe hält, war die Verpackung des Kleidungsstucks und sollte seine Winzigkeit noch unterstreichen. Später wurde der Erfinder R ard mit dem Werbespruch zitiert, ein „Bikini“ sei nur echt, wenn man ihn durch einen Ring ziehen konne.
In den folgenden Jahren garantierte der Bikini seiner Trägerin auch ohne Schlagzeilen-Print große Aufmerksamkeit in den Medien: Die junge Brigitte Bardot promotete ihren Film „Und ewig lockt das Weib“ mit einem Auftritt im geblumten Bikini am Strand von Cannes, Marilyn Monroe rekelte sich in einem, und als Ursula Andress in „Doktor No“ im weißen Bikini wie Venus aus dem Wasser stieg, war der Mythos des Bond-Girls geboren.
Louis R ard jedenfalls konnte sich auf seiner Erfindung ausruhen. Er eroffnete ein Bikini-Geschäft in Paris und betrieb es 40 Jahre lang.
