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Was Pokémon und Shinzo Abe gemein haben

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Pokémon – nicht nur japanische Kinder stehen auf die Figur.

Zwei japanische Berühmtheiten treiben die Aktienkurse: Nintendos Pokémon-Figuren und Ministerpräsident Shinzo Abe. Im Nachwahljapan gibt es weitere Parallelen.

Der japanische Computerspielhersteller Nintendo macht Schlagzeilen. Um mehr als 50 Prozent hat die Aktie von Nintendo seit der vergangenen Woche zugelegt. Am Dienstag lag das Plus an der Borse in Tokio schon wieder bei mehr als 8 Prozent. Der Grund ist der uberragende Erfolg des Handyspiels Pok mon Go, das in den Vereinigten Staaten, in Australien und Neuseeland auf den Markt kam. Auch in Japan durfte das Spiel ein großer Erfolg werden, wenn es wohl in Kurze zu haben sein wird.

Shinzo Abe. Seit dem glatten Sieg der Regierungskoalition bei der Oberhauswahl am Sonntag die Kurse an der Borse in Tokio. Am Dienstag ubersprang der Leitindex Nikkei am Morgen die Marke von 16000 Punkten- seit Ende vergangener Woche hat der Index mehr als 7 Prozent gewonnen und nähert sich dem Hochstand vor dem Brexit-Votum der Briten an. Es ist freilich schwer zu sagen, welcher Faktor beim Auf des Nikkei in dieser Woche schwerer wiegt: die zuletzt besseren Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten oder Abes Wahlsieg.

Die Aussicht auf das von Abe angekundigte Konjunkturprogramm im Umfang von mehr als 10 Billionen Yen (90 Milliarden Euro) und Spekulationen uber eine Lockerung der Geldpolitik Ende dieses Monats jedenfalls drucken den Yen und treiben die Kurse, glaubt man den Marktanalysten. Die schlechte Nachricht kommt dabei nach der Wahl und ist am Markt doch positiv als Indiz fur eine noch großere fiskalische Expansion. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung Nikkei wird die Regierung am Mittwoch ihre eigene Wachstumsprognose fur das laufende Fiskaljahr drastisch von 1,7 auf 0,9 Prozent nahezu halbieren.

Aus den Vereinigten Staaten kommen Meldungen, dass begeisterte Pok mon-Go-Spieler sturzten und sich verletzten, weil sie zu intensiv auf ihr Handy starrten. Auch dazu gibt es im Nachwahl-Japan eine Parallele und sie wird deutlich in den Warnungen der Wirtschaftsverbände. Die Sorge geht um, dass Abe nach dem Wahlsieg zu stark mogliche Verfassungsänderungen fixiert und daruber die wachstumsfordernden Wirtschaftsreformen aus dem Blick verliert.

Der Vorsitzende des mächtigen Wirtschaftsverbands Keidanren, Sadayuki Sakakibara, erklärte, die allerhochste Priorität musse die wirtschaftliche Revitalisierung haben. „Wir hoffen, dass die Regierung daran voll und ganz arbeitet.“ Sonst droht Abe und dem Nikkei-Index ein Absturz wie einem begeisterten Pokemon-Fan.