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E-Mail zum Wegwerfen

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Der virtuelle Briefkasten: voller E-Mails und Spam.

Wer seine E-Mail-Adresse preisgibt, muss mit Werbung rechnen. Abhilfe schaffen Adressen, die nur einmal benutzt werden. Danach sind sie für die Datenmafia wertlos.

Daten sind die neue Währung, und wir alle werden immer ofter gezwungen, damit zu bezahlen. Manche Seite im Internet kann man nur dann lesen, wenn man sie mit der eigenen E-Mail-Adresse freischaltet, und neuerdings fragt sogar der Lebensmittelladen nach der elektronischen Anschrift. Was geschieht mit unseren Daten? Im Fall der E-Mail ist die Sache klar: Man erhält oft ungefragt Werbung, obwohl in Deutschland die ausdruckliche vorherige Zustimmung des Empfängers erforderlich ist. Sich uber Recht und Gesetz hinwegzusetzen wird jedoch zur Normalität. Vor allem kleine Start-ups ignorieren die Vorschriften, schließlich sind ja auch manche Netzgiganten erst mit gezielten Rechtsverstoßen groß geworden. Ohne ladungsfähige Anschrift in Deutschland kann man hierzulande unbekummert schalten und walten. Es dauert Jahre, bis sich, wenn uberhaupt, die Justiz darum kummert.

Unlängst haben wir ein Hotelzimmer uber den Anbieter Booking.com gebucht. Die von uns angegebene E-Mail-Adresse wurde prompt zugemullt mit Angeboten und Reisedetails. Auf die Abstellen-Links zu klicken hilft nichts. Das Unternehmen sitzt in den Niederlanden. Nur Booking.com im E-Mail-Postfach zu filtern wäre problemlos moglich. Indes: Ist die Adresse erst einmal „verbrannt“, also einem Unternehmen in die Hände gefallen, das sich nicht an die gängigen Datenschutzregeln hält, kann man getrost davon ausgehen, demnächst Spam aus etlichen weiteren Quellen zu erhalten, weil personliche Angaben an Dritte verkauft werden.

Wenn die jahrelang verwendete Adresse unbenutzbar wird

Wer solche Erfahrungen einmal gemacht hat, ärgert sich nicht nur uber den Spam, sondern auch daruber, dass eine jahrelang verwendete Adresse unbenutzbar wird. Solange indes die Empfänger der elektronischen Werbung ihre Post offnen und auf die darin enthaltenen Links klicken, wird sich an diesem Missstand nichts ändern.

Vorbeugen schutzt wie immer am besten. Wo man genotigt wird, seine E-Mail-Adresse anzugeben, nehme man bei allen verdächtig erscheinenden Gelegenheiten eine Wegwerfadresse. Der Name sagt schon alles: Die Wegwerfadresse nimmt Post an, sie ist also tatsächlich vorhanden und erreichbar, aber nur fur eine begrenzte Zeit. Man kann auf diese Weise zum Beispiel einen Aktivierungs-Link anklicken, wenn man dazu fur eine Registrierung genotigt wird, und anschließend die entsprechenden Dienste starten.

Was jedoch fortan (nach Stunden oder Tagen) weiterhin und zusätzlich, meist unerwunscht, in der E-Mail landet, kann einem bei Verwendung einer Wegwerfadresse egal sein. Denn man nutzt sie nur fur kurze Zeit, typischerweise fur eine einzige Aktion. Die Wegwerfadresse hat also wichtige Pluspunkte: Man bleibt mitsamt seinen personlichen Daten anonym. Zwar nicht gegenuber den Strafverfolgungsbehorden, aber zumindest gegenuber Außenstehenden. Das eigene Postfach wird verschont und geschont.

Wichtiges besser nicht an die Wegwerfadresse

Am einfachsten erhält man eine Wegwerfadresse von entsprechenden Anbietern auf ihrer Web-Site. Eine E-Mail-Software ist also nicht erforderlich, man verwendet den Browser. Das Gebotene ist in der Regel kostenlos und beinhaltet, dass man eingehende Post 30 Minuten oder gar mehrere Stunden empfangen kann. Gegebenenfalls lässt sich die Zeitspanne verlängern und nicht nur der Posteingang lesen, sondern auch darauf antworten. Typische Anlaufstellen sind zum Beispiel instant-mail.de, trashmail.de oder emailgo.de. Weitere lassen sich unschwer finden. Man kann meist den Nutzernamen vor dem Klammeraffen frei wählen und zum Beispiel fur begrenzte Zeit als michael.spehr@emailgo.de seine Post empfangen. Klar ist: Jeder kann sie empfangen, es gibt kein Kennwort und keinen Schutz, dass eingegangene oder versandte Nachrichten nur von Befugten gelesen oder verschickt werden. Wichtiges sollte man also nicht an eine Wegwerfadresse schicken.