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Klein und fein

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Vorfahrt im Netz: Opel Corsa.

Den Opel Corsa gibt es jetzt mit einem Kommunikationssystem, das vor allem die Herzen jugendlicher Fahrer höher schlagen lassen wird. Doch die Integration von Google und Apple in den Stadtflitzer wird zum Spiel zwischen zwei Welten.

Kein Navi, aber ein neues Intellilink: Fur Opels Kleinwagen Corsa ist ein Navigationssystem in der Werksausstattung nur auf Umwegen erhältlich, als Aufsteck-Losung von Tomtom. Der kleine Knubbel muss aufs Armaturenbrett gesetzt werden, wie uncool. Aber fur sehr moderate Preise – von 350 Euro an – bekommt der Stadtflitzer eine Kommunikationslosung, die vor allem das Herz jugendlicher Fahrer hoher schlagen lässt, nämlich jenes Fahrzeugangebot, das Google und Apple bereithalten. Beide Losungen basieren auf derselben Idee: Das Bordsystem des Fahrzeugherstellers mitsamt seiner Bedien- und Tastenlandschaft tritt zuruck und wird in dem Moment vom Smartphone ubernommen, in dem dieses per USB-Kabel angedockt ist. Anschließend baut sich das jeweilige Bediensystem aus Amerika auf dem Bildschirm auf, und man arbeitet primär mit dem Finger auf dem Display sowie der Sprachbedienung.

Das alles kann nun Opels Intellilink in einer neuen Version Radio R4, die ohne Smartphone nur den beruhrungsempfindlichen Bildschirm (7 Zoll, 18 Zentimeter), einige Bedientasten sowie Radio, Bluetooth-Freisprecher plus Medien-Musikwiedergabe bietet. Der Kniff sind dann Android Auto und Carplay. Beide Systeme erfordern ein passendes Smartphone, sind auf das Wesentliche reduziert, sollen den Fahrer moglichst wenig ablenken und bieten neben der hauseigenen Routenfuhrung den Zugriff auf die Telefonie, das ebenfalls hauseigene Musikangebot, SMS-Nachrichten und wenige ausgewählte Apps.

Man spielt stets in zwei unterschiedlichen Welten

Geht es um den Empfang des terrestrischen Radioprogramms, mussen die Amerikaner passen. Auch die elektronischen Helfer wie etwa die Verkehrszeichenerkennung, Ruckfahrkamera oder Spurverlassenswarnung sind nicht in Android Auto und Carplay integriert. Man spielt also stets in zwei unterschiedlichen Welten: in der Opel-Sphäre mitsamt herkommlicher Tastenlandschaft und in der Smartphone-Welt. Das kann kuriose Folgen haben, wenn etwa die Außentemperatur im Corsa nur dann ablesbar ist, wenn Android Auto und Carplay gerade ruhen oder wenn sich der justament stummgeschaltete Opel-Radioempfänger wieder von allein einschaltet, weil Android den Audiokanal fur eine Navi-Ansage geoffnet hat. Dass man mal herkommliche Bedientasten nutzt und dann wieder die Spracherkennung, ist ebenfalls gewohnungsbedurftig.

40458849 Versteht beides: Intellilink hier mit Apples Carplay, Google funktioniert ebenfalls.

Doch nun das große Lob: Googles tendenziell kränkelndes Android Auto, das bislang im Praxiseinsatz der Redaktion nie richtig fehlerfrei fuhr, erledigte in beiden Fahrzeugen einen guten Job und spielte von Anfang an bestens mit dem Huawei-Androiden P9 zusammen. Geht doch. Dass Apples Carplay sofort problemlos lief, uberraschte uns wiederum nicht. Denn auch in anderen Fahrzeugen hatte sich das Angebot aus Cupertino bislang als äußerst robust und zuverlässig erwiesen.

Aber, wir hatten es bereits mehrfach angesprochen: Die Auto-Losungen der beiden Internetgiganten sind nicht besonders leistungsfähig und ersetzen, zumindest fur den Vielfahrer, kein großes Bordsystem. Wer lange Strecken plant, viel ubersicht auf dem Display benotigt, alternative Routen prufen will und vor allem mehr Details mit einem Blick erfassen will, liegt hier falsch. Jedoch ist Intellilink 4 genau die richtige Losung fur den Kleinwagen, hier hat Opel alles richtig gemacht.