
Philippe Starck gelingt als Produkt-Designer einfach alles. Im Stil-Fragebogen spricht er über seine Verachtung für Jogginghosen, die er aber selbst trägt. Und warum er nie in den Urlaub fährt.
Er ist der Star unter den Designern, aber er mag es uberhaupt nicht, wenn er im Mittelpunkt steht. Philippe Starck nennt das „Folter“. „Aber ich weiß, es ist Teil meines Jobs.“ Kein anderer Produktdesigner ist so beruhmt. Der Franzose, 1949 in Paris geboren, kann alles: Schuhe, Yachten, Stuhle, Motorräder, Hotels, Champagner und Parfum. Auf der Mobelmesse in Mailand stellte er gleich mehrere Neuheiten vor, darunter den superbequemen Sessel „Cinemascope“ (Driade). „Wenn alle Staatschefs diesen Sessel hätten“, sagt er, „wären sie besser gelaunt – und die Welt wäre ein besserer Ort.“
Was essen Sie zum Fruhstuck?
Eine Scheibe glutenfreies Schwarzbrot mit Honig, Granatapfelkerne, frisch gepressten Granatapfelsaft, zwei Walnusse, zwei Paranusse, drei Haselnusse, drei Mandeln und einen Aufguss, der den Säure-Base-Haushalt unterstutzt. Ich hoffe, Pillen ersetzen das alles irgendwann.
Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
Dafur habe ich nie Zeit. Wenn mir etwas gefällt, kaufe ich gleich 20 Teile. Mein Stil hat etwas von Motorrad- und Lastwagenfahrer zugleich: Bergwanderschuhe von Salomon, graue Levis 501, mein „S+arck with Ballantyne“-Kaschmir-Pullover, Motorrad-Jacke, meine Starck-Brille.
Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?
Nein, aber meine weibliche Seite kauft gerne Kleider fur meine Frau.
Was ist das älteste Kleidungsstuck in Ihrem Schrank?
Meine mit Fell gefutterten Pilotenlederstiefel, die ich von meinem Vater geerbt habe.
Was war Ihre großte Modesunde?
Als ich jung war, war ich meiner Großmutter und Mutter nicht maskulin genug. Sie verpassten mir den Haarschnitt von Warren Beatty, einen schwarzen Rollkragenpullover, eine weiße Seidenhose und weiße Mokassins. Ich kann froh sein, dass ich nicht mit Tomaten beworfen wurde.
Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?
Ich verachte Menschen, die in Flugzeugen Jogginghosen tragen. Das Schlimmste daran ist, dass ich sie heute selbst uberall trage: zu Hause, im Flugzeug, auf der Straße. Ich habe jede Achtung vor mir verloren.
Haben Sie Stil-Vorbilder?
Cary Grant und Fred Astaire. Jeder Versuch meinerseits, ihren Stil zu imitieren, wäre sinnlos.
Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder ein Mobelstuck selbst gemacht?
An vielen, wie der Starck-Kaschmir-Kollektion mit Ballantyne, habe ich mitgearbeitet. Sie war wunderbar. Als die Teile fur 1000 Euro auf den Markt kamen, bot Uniqlo welche fur 39 Euro an. Damit hatte sich das Ganze erledigt.
Besitzen Sie ein komplettes Service?
Ich mische japanische Schalen mit Holztellern, die aus den „Briccole“ gemacht sind, den alten Eichenpfählen, auf denen die Lagunenstadt Venedig steht, und den Gläsern des italienischen Kochs Massimiliano Alajmo.
Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?
Wenn ich koche, dann ein Mahl a l’impromptu in 30 Minuten fur 30 Freunde, mit allem, was der Kuhlschrank hergibt, während ich Champagner trinke. Das hilft.
Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?
Ich lese kaum Zeitungen und Magazine außer „Le Chasse-Mar e“ wegen des Meeresrauschens darin, „Le Tigre“ wegen der Schärfe des Geistes und „Sciences et Avenir“ furs mentale Training.
Welche Websites und Blogs lesen Sie?
„Soon Soon Soon“, „Bio Consom’acteurs“, „TEDBlog“.
Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
Ich habe kein Handy und keinen Computer und daher nicht das Gefuhl, zu wenig mit der Hand zu schreiben.
Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?
Es gab viele Bucher in meinem Leben, „Ubik“ von Philip K. Dick gehort zu den wichtigsten.
Ihre Lieblingsvornamen?
Die Namen meiner Kinder: Ara, Oa, K, Lago und Justice.
Ihr Lieblingsfilm?
„Der Himmel uber Berlin“ von Wim Wenders.
Fuhlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
Ich meide Autos. Wenn ich reise, dann in Flugzeugen und auf Schiffen, auf dem Motorrad und Fahrrad.
Tragen Sie eine Uhr?
Eine 25 Jahre alte Starck-Uhr fur 80 Dollar.
Tragen Sie Schmuck?
Mir fehlt die Software, um Schmuck an mir zu schätzen. Ich hoffe aber, ich habe sie fur meine Frau.
Haben Sie einen Lieblings-Duft?
Mit meiner Frau Jasmine habe ich vier Jahre an drei Duften gearbeitet, die im September als „Starck Paris“ auf den Markt kommen. Dafur haben wir Molekule verwendet, die noch nie zuvor benutzt wurden.
Was ist Ihr großtes Talent?
Selbstkritik.
Was ist Ihre großte Schwäche?
Andere Menschen zu beobachten und daruber nachzudenken, was sie wohl gerade bewegt.
Womit kann man Ihnen eine Freude machen?
Mich einfach zu mogen.
Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
Ich schweige lieber. Der franzosische Philosoph Jacques Lacan sagte: „Le dit tue.“ Damit meinte er: Wer redet, zerstort, was er eigentlich ausdrucken will. Das heißt, ich bin schrecklich langweilig, sogar fur mich selbst.
Sind Sie abergläubisch?
Ich sollte mich schämen, abergläubisch zu sein. Denn der Aberglaube stammt aus einer Zeit, als das Gehirn des Menschen zu klein war, um das Universum zu begreifen.
Wo haben Sie Ihren schonsten Urlaub verbracht?
Ich gehe nie in Urlaub, bin aber fur meine Arbeit jeden Tag auf Reisen, manchmal in drei verschiedenen Ländern an einem Tag. Zum Vergnugen wurde ich mich hochstens eine Stunde in ein Flugzeug oder ein Auto setzen.
Wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?
An meinem Zeichentisch mit Blick aufs Meer.
Was trinken Sie zum Abendessen?
Entweder den Champagner, den ich mit Louis Roederer kreiert habe, den Brut Nature 2006, oder einen ungeschwefelten Rotwein wie den Morgon von Lapierre.
