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Kamera mit Familienanschluss

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Weiter Winkel: Logi Circle im Büro, markante Ereignisse mitsamt Uhrzeit sind rechts abrufbar

Die Circle von Logi schaut ins Heim und fasst zusätzlich das Wichtigste des Tages zusammen. Fragt sich, wer das gebrauchen kann.

Man sollte sie eigentlich nicht als uberwachungskamera bezeichnen. Den Job erfullt sie nämlich mehr schlecht als recht, wenngleich Push-Meldungen auf dem Smartphone darauf hinweisen, dass zu Hause etwas gesehen oder gehort wurde. Die Circle der Logitech-Tochter Logi arbeitet zwar wie andere Heimkameras mit App-Unterstutzung, sie ist jedoch eine ganz neue Gerätegattung, nämlich eine Art Ereignisrekorder fur Familien oder Tierhalter. Weniger die Kontrolle steht im Vordergrund, sondern der Spaß, mal eben von unterwegs aus zu sehen, was sich zu Hause gerade tut – und abends schaut sich der Abwesende im Hotelzimmer eine 30-Sekunden-Zusammenfassung des Tages daheim an. Dieses Resumee mit den vermeintlich schonsten Momenten wird automatisch erstellt.

Die Logi Circle fur 200 Euro gehort zu den wenigen Heimkameras mit eingebautem Akku. Das erweitert ihren Aktionsradius ungemein. Man kann sie einfach auf das Regal setzen, das den besten Blick ins Wohnzimmer bietet oder in die Nähe des Hundekorbchens, wenn der dort Dosende das Objekt der Beobachtung ist. Der Akku hält im Energiesparmodus, in dem nicht alle Sensoren aktiv sind, einen halben Tag durch. Mit voller Funktionalität sind es leider nur rund drei Stunden. Die Ladekonstruktion verdient Lob und Kritik.

Einerseits ist das USB-Kabel ungewohnlich lang, drei Meter, andererseits ist die Vorrichtung selbst labil: Zwei Metallstifte an der Unterseite der Kugel mussen zwei Metallbahnen im Ladefußchen treffen. Das geht oft schief, und zum Wackelkontakt gibt es noch eine krächzende Ruckmeldung dazu. Nichtsdestotrotz stellt man immer wieder und erst nach einem Blick ins entsprechende Menu der App fest, dass nicht geladen wird, obwohl die Kamerakugel auf ihrem Fußchen steht.

40222562 Mehr als eine Heimkamera: die Circle von Logi

Davon einmal abgesehen, ist die Einrichtung uberaus einfach: App laden, am Smartphone die Kamera mit dem W-Lan verbinden, das ist schon alles. Die Optik lost ganz hervorragend mit einem extremen Weitwinkel auf, so sieht man wirklich viel von daheim. Auch der Ton wird ubertragen, man kann aus der App heraus sogar gegensprechen in den Raum hinein. Es gibt einen ebenfalls vorzuglichen Nachtsichtmodus, und mit einem Zeitstrahl wählt man innerhalb der App jene Elemente zum Zuruckblättern und zur Wiedergabe aus, welche die Bewegungssensoren detektiert haben.

Diese Ereignisse sind bis zu 24 Stunden lang in einer Art Logi-Cloud abgelegt, man kann nur aus der App darauf zugreifen – und zum Gluck speichern. Zum Beispiel mit dem iPhone uber die Standardfunktionen des Teilens und der Weitergabe, von hier aus gelingt manuell auch ein Export etwa in die Dropbox. Indes: Als uberwachungskamera musste die Circle deutlich mehr bieten, nämlich eine direkte Cloud-Anbindung, längere Speicherzeiten, die Verwendung mit mehr als nur einem einzigen Smartphone, Zugriff uber den Web-Browser und anderes.

Was die Bewegungssensoren als wichtig erachten, scheint sich an der Brauchbarkeit fur die Tageszusammenfassung zu orientieren. Mit dem Blick nach draußen werden die sich im Wind bewegenden äste des Baums ignoriert, aber auch der Postbote und der Zeitungszusteller. Ein Spaziergänger am Ende der Straße lost jedoch plotzlich Alarm aus. Als wir das Auto vom Hof fahren, bleibt die Kamera wiederum stumm. Die Empfindlichkeit der Bewegungssensoren lässt sich nicht einstellen, auch konnen keine Bewegungszonen oder differenzierte Alarmmeldungen konfiguriert werden.

40222570 Die Logi Circle für 200 Euro gehört zu den wenigen Heimkameras mit eingebautem Akku.

Die 30 Sekunden dauernde Tageszusammenfassung dieses Familienrekorders ist jedoch ein spannendes Detail, das die einen begeistert – und bei anderen Bedenken hervorruft: Ist es in Ordnung, wenn der Vater auf Geschäftsreise mit einem längeren Blick sieht, dass die Kinder daheim den Nachmittag uber nur gespielt und sich wahrscheinlich nicht eine Minute lang den Hausaufgaben gewidmet haben? Den Kontrollblick aus der Ferne erlauben indes so gut wie alle anderen uberwachungskameras ebenfalls. Nur dass der neugierige Familienchef etwas mehr Zeit und Aufwand investieren muss, etwa um auf den Cloud-Speicher mit den Bewegungsvideos zuzugreifen oder, wenn es um den Gesamtuberblick eines ganzen Tages geht, einen Zeitstrahl mit Ereignissen manuell „abzufahren“. Einen Zeitraffer aller gespeicherten Videoereignisse bieten andere Kameras ebenfalls an.

Wer Heimuberwachung mit Cloud-Diensten kombiniert, muss sich schließlich die Frage gefallen lassen, wie es um die Sicherheit der dort liegenden Daten bestellt ist. Gelangen Dritte daran, sind rechnergestutzte Auswertungs- und Analysemoglichkeiten weitaus brisanter als die private Neugier. Nicht zuletzt deshalb wollen die Internetgiganten wie Google ins vernetzte, smarte Heim: weil sie zum Beispiel aus einer Videoanalyse einer gemächlich durch die Wohnung schlurfenden Person deren Krankheiten oder drohende Krankheiten ermitteln konnen. Ist die vernetzte Kamera erst einmal im Haus, das gilt fur jedes Modell, verabschiede man sich vom Gedanken der Privatsphäre.