
Die Deutschen schauen gerne genau hin bei Inhaltsstoffen. Kein Wunder also, dass der Boden für Naturkosmetik hierzulande so gut ist wie nirgendwo sonst.
Die Marke Dr. Bronner’s mag typisch amerikanisch sein, ihr Ursprung ist trotzdem deutsch. In den funfziger Jahren des 19. Jahrhunderts fand die Familie Heilbronner in Laupheim bei Ulm einen Weg, Flussigseife herzustellen. Bis dahin gab es ausschließlich gewohnliche Stuckseife. Mit der Flussigseife wurde aus den Heilbronners eine Seifendynastie. uber 1000 Mitarbeiter beschäftigten sie zu jener Zeit, das Rezept gab die Familie von Generation zu Generation weiter, bis Emanuel Heilbronner, in der dritten, an der Reihe war. „Das war ein sehr Sensibler, Heller“, erklärt Axel Rungweber, Geschäftsfuhrer von Dr. Bronner’s in Deutschland.
Die Heilbronners waren Juden, die Anfeindungen gegen die Familie habe Emanuel fruher als alle anderen ernst genommen, ab Mitte der zwanziger Jahre. „Er war so konsequent, dass er schon damals sagte, die ganze Familie musse aus Deutschland raus“, erzählt Rungweber. „Die Familie tat das ab. Emanuel solle schon die Unternehmensnachfolge antreten, ihnen konne nichts passieren, sie hätten Einfluss, Geld und die Verantwortung fur ihre Mitarbeiter.“ Emanuel Heilbronner ging trotzdem, versuchte in den folgenden Jahren die Familie aus Deutschland nachzuholen. Seine Schwestern schafften es, die Eltern nicht. „Es gibt noch eine Postkarte aus Auschwitz“, sagt Rungweber. „Von seinem Vater, die war naturlich zensiert, aber ganz unten steht: ,Mein lieber Sohn, du hast recht gehabt, es tut mir leid.‘ Ein großer Teil der Familie ist ausgeloscht worden.“
Naturkosmetik in Deutschland sehr beliebt
Emanuel Heilbronner war mit den Rezepten in die Vereinigten Staaten emigriert, hatte aus Protest gegen die Nationalsozialisten das „Heil“ aus seinem Namen gestrichen und fertigte nun unter dem Label „Dr. Bronner’s“ in Kalifornien seine naturlichen Flussigseifen. Heute ist Dr. Bronner’s die meistverkaufte Naturseifenmarke in Nordamerika. Aber der Ursprung ist eben trotzdem deutsch.
So wie bei vielen Häusern mit naturlichen Beauty-Produkten. Deutschland scheint fur sie ein ausgezeichneter Boden zu sein. Selbstverständlich haben auch andere Länder schone Naturkosmetik-Marken, aber aus Deutschland kommen besonders viele. Da wären – neben Dr. Bronner’s – auch Dr. Hauschka aus Bad Boll oder Weleda aus Schwäbisch Gmund, Lavera und Kneipp, und genug junge Marken sind schon im Anmarsch, zum Beispiel das Naturkosmetik-Label „Und Gretel“ aus Berlin.
Aber ähnlich wie die Franzosen ihre Pflegeprodukte eben am liebsten in der Apotheke kaufen und franzosische Pharmaziemarken wie Vichy oder La Roche-Posay auch uber die Grenzen von Frankreich hinaus Bedeutung haben, so ist das Bewusstsein der Deutschen fur Naturkosmetik zunächst einmal besonders stark. Dafur muss man nicht in x-beliebige deutsche Badezimmerschränke schauen. Dafur gibt es Zahlen. „Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten der zweitgroßte Markt fur zertifizierte Naturkosmetik“, sagt Ramon Stroink, Geschäftsfuhrer von Weleda fur Deutschland, die Schweiz und osterreich.
Im Vergleich zu herkommlicher Kosmetik ist der Anteil von naturlicher vermutlich sogar nirgendwo hoher. „In Deutschland sind wir bei fast zehn Prozent vom Gesamtkosmetikmarkt“, weiß Stroink. „In unseren Nachbarländern Schweiz und osterreich hat zertifizierte Naturkosmetik gerade mal einen Anteil von etwa vier Prozent.“ Auch Axel Rungweber von Dr. Bronner’s sagt, im Hinblick auf Bio-Kosmetik gebe es keinen anderen Markt mit einem vergleichbaren Verbraucherbewusstsein. „Deutschland ist am weitesten entwickelt.“
