Leib & Seele

Eine Ahnung von Insel

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Die Familie der „Narciso“-Düfte wächst weiter.

Narciso Rodriguez bringt zwei neue Parfums heraus, mit denen sich der Modemacher auch auf seine kubanische Herkunft beruft. Dem Wandel in der Heimat seiner Eltern sieht er gespannt entgegen.

Dieser historische Zufall verblufft ihn. Narciso Rodriguez ist gekommen, um seine neuen Parfums vorzustellen. Nun sitzt er im Soho House Berlin, und in der Luft liegen plotzlich Vergangenheit und Zukunft. Denn in dem Riesengebäude an der Ecke von Torstraße und Prenzlauer Allee residierte zu DDR-Zeiten erst das Zentralkomitee der SED und später das Institut fur Marxismus-Leninismus. Heute ist es eine Zentrale des Kapitalismus, der ganz zeitgemäß in Form von Movern, Shakern und Posern auftritt.

Vom siechen Kommunismus zum dynamischen freien Markt: Das ist die Wende, die seine alte Heimat im Zeichen der offnung auch langsam bewältigen wird. Die Eltern von Rodriguez stammen aus Kuba. Mitte der Funfziger kamen sie mit einem Großteil der Familie in die Vereinigten Staaten. Rodriguez, der 1961 in New Jersey geboren wurde und seit langem in New York lebt, hat den Besuch Barack Obamas in Kuba vor einem Monat gespannt verfolgt. Mit seinen Eltern und Tanten und Onkeln redet er viel uber den Wandel – in ihrer Muttersprache Spanisch, versteht sich. Dass Chanel dieser Tage auf Kuba eine riesige Modenschau veranstaltet, sieht er als weiteres Vorzeichen großer Veränderungen.

Narciso Rodriguez Lights The Empire State Building - New York Der 55 Jahre alte Narciso Rodriguez wuchs in New Jersey auf.

„Ich habe heute morgen hier in Berlin einen Spaziergang gemacht“, erzählt er. „Und ich konnte kaum glauben, wie toll das fruhere Ost-Berlin nun aussieht, wie schon die alten Häuser restauriert wurden.“ Die Parallelen zu Kuba rufen zuversichtliche Neugier hervor: „Ich hoffe, dass es sich da so verändert, wie es sich hier verändert hat.“

Dufte karibischer Prägung

Die kubanische Vergangenheit fließt bei Rodriguez auch in seine Dufte ein, die er hier in Berlin vorstellt – und in den nächsten Tagen in Mailand, Madrid und Paris. „Narciso Rodriguez – for him bleu noir“ ist der neue Herrenduft, mit der Herznote Moschus, die fur ihn so typisch ist, und mit Kopfnoten wie Kardamom und Muskat, die Wurze hineinbringen- von August an ist es in Deutschland erhältlich. In „Narciso – Eau de Parfum Poudr e“, dem neuen Frauenduft, der von Mai an zu kaufen ist, wird der Moschus-Ton pudrig abgemildert.

Offenbar war der intensive Duftstoff in den Siebzigern auf amerikanischen Schulhofen so verbreitet wie auf deutschen. Damals wirkte der Geruch schrecklich aufdringlich. Seit seinem ersten Duft, der 2003 herauskam, steckt er in jeder Flasche. „Es kommt auf die Dosis und die Qualität an“, meint Rodriguez. Andere Noten reichen noch weiter zuruck. „Meine Tanten erzählten mir, als ich ein Kind war, von Kuba und den Duften ihrer Jugend.“

Diese Geruche waren also mehr eine vage Ahnung als eine konkrete Gewissheit. In der Karibik waren Dufte jedenfalls wichtiger als in Newark, wo Rodriguez aufwuchs – der ausdruckslosen Stadt, die, von Manhattan aus gesehen, sogar noch hinter Jersey City liegt. ubrigens verbittet er sich, uber New Jersey Witze zu machen: „Da haben sie schon genug schlechte Presse.“ Also lassen wir das besser mal.

Schon seit 15 Jahren arbeitet Rodriguez mit Nathalie Helloin-Kamel zusammen, der Markenchefin bei Beaut Prestige International, die auch mit Modemachern wie Elie Saab und Issey Miyake Parfums herausgibt. Der Managerin skizzierte der Designer einige Eindrucke aus seinem Duftgedächtnis. Helloin-Kamel ließ in der Osmotheque in Versailles suchen, dem großten Duftarchiv der Welt, und konnte ihm dann einige olfaktorische Erinnerungen wieder auffrischen.