
Der klassische Kopfhörerausgang am iPhone könnte bald ausgedient haben. Hersteller nutzen die Aufladebuchse als Schnittstelle. Audeze zeigt mit dem EL-8 Titanium, welche Vorteile diese Technik hat.
Das Gerucht hält sich hartnäckig.
Technisch gesehen bringt die geschlossene Form eigentlich eher Nachteile mit sichBilderstrecke
Wir haben uns fur den Test hauptsächlich den EL-8 Titanium aufgesetzt. High-End-Klänge fur die Ohren sind auch hier eine hohe Belastung fur den Geldbeutel. Mit 945 Euro unterläuft er nur knapp die 1000-Euro-Grenze, an der sich Top-Modelle wie der Beyerdynamic T1 oder der Hifiman HE-560 aufhalten. Deshalb unser Anspruch an Audeze: Mit dem iPhone in der Hosentasche und dem EL-8 auf dem Kopf wollen wir eine Klangqualität erreichen, die mit anderen High-End-Modellen mithalten kann.
Dann wären die 1000 Euro gar nicht so viel, da Besitzer eines iPhones den anspruchsvollen Klang in kompakter Form uberall mit hinnehmen konnten. Fur die Mobilität bringt der EL-8 nämlich mit seiner geschlossenen Bauweise die geeignete Form mit. Man hort selbst keine Außengeräusche, und die anderen bekommen nicht mit, was gerade auf dem iPhone läuft.
Keine Romantik und Gefuhlsduselei
Diese Bauform macht es Toningenieuren nicht leichter. Normalerweise sind geschlossene Kopfhorer in den unteren Frequenzen häufiger gehemmt, weil die Membran wegen des fehlenden Druckausgleichs nicht so frei schwingen kann. Doch der EL-8 zeigt gerade bei tiefen Frequenzen seine Stärke. Der Bass ist äußerst konturiert, voll und drohnt trotz ordentlichem Drucks uberhaupt nicht. Dabei kokettiert er nicht mit der Beats-Generation, sondern zeigt vielmehr, dass man mit einem reifen und disziplinierten Wesen durch Clubs ziehen kann. Diese Haltung bewahrt der EL-8 auch in anderen Genres, was ihn mitunter etwas kuhl und analytisch auftreten lässt. Wer Romantik und Gefuhlsduselei sucht, wird kein Freund des neuen Audeze werden. Dazu ist er bei der Wiedergabe des Audiosignals viel zu korrekt und pedantisch.
Die breite und tief gestaffelte Buhne ist fur einen geschlossenen Kopfhorer enorm. Lediglich die leicht spurbare Zuruckhaltung in den Mitten trieb uns gelegentlich dazu, die Equalizer-App zu bedienen, um gerade von den männlichen Stimmen etwas mehr Dominanz zu fordern. Von dieser Klangbeeinflussung sollte man sich allerdings nicht zu viel versprechen. Dazu musste Audeze in der App kleinere Frequenzbereiche anbieten, was kein Problem sein sollte.
Das Design ähnelt dem Klang. Es ist schnorkel- und zeitlos, dennoch elegant und ausgewogen. Während wir uns stundenlang quer durch unsere Testlieder gehort haben, saß der EL-8 bequem und dicht auf unseren Ohren. Wie bei allen geschlossenen Kopfhorern sollte man den Ohren ab und zu eine Frischluftzufuhr gonnen. Das zweite Modell von Audeze ist von allem ein bisschen weniger. Der Sine klingt nicht ganz so komplex, sieht weniger elegant aus, hat als On-Ear-Modell weniger Volumen, baut eine kleinere Buhne auf und kostet 600 Euro. Zusammen mit dem iPhone ist der Sine ein attraktives Klangpaket, das aber zu Hause nicht den High-End-Horer ersetzen kann.
Nun bringt der Anschluss eines Kopfhorers an die Lightning-Schnittstelle nicht nur Vorteile mit sich. Wandler-Chip, digitaler Signalprozessor und Verstärker benotigen Energie. Die beziehen sie vom Akku des iPhone, der im 6s-Modell ohnehin schon recht schwach ist. Lädt man ihn auf, ist die Lightning-Buchse belegt und der Zugang fur den Audeze verwehrt. Es sei denn, man wechselt das Cipher-Kabel gegen ein herkommliches Klinkenkabel aus, das dem EL-8 Titanium beiliegt. So konnte man den Kopfhorer ubrigens auch an Android-Smartphones betreiben. Das wäre dann nicht im Sinne von Apple.
