
Schlangen werden erst durch ihren Waschbrettbauch zu gefährlichen Invasoren: Mit ihren Kletterkünsten räumen manche Reptilien sogar Wälder und Inseln leer.
Manche Schlangen tummeln sich gern auf Bäumen. Gänzlich ohne Gliedmaßen ausgestattet, klettern sie elegant durchs Geäst. Dabei sind Schlangen mit kantigen Konturen offenkundig besonders flink und gewandt, wie Wissenschaftler von der University of Cincinnati (Ohio) herausgefunden haben. Bruce C. Jayne und seine Kollegen studierten zwei Schlangenarten. Zum einen die im tropischen Amerika heimische Abgottschlange Boa constrictor, auch Konigsboa genannt, und zum anderen die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis), heimisch in Australien und auf sudostasiatischen Inseln. Die tierischen Probanden sollten jeweils eine funf Zentimeter dicke und fast drei Meter lange Stange erklimmen. Als Kletterhilfe dienten den Reptilien Schrauben, die in Abständen von zehn Zentimetern mehr oder weniger weit aus der Stange hervorragten.
Die Stange hinauf kamen beide Schlangenarten, auch wenn man sie senkrecht hingestellt hatte. Die recht beleibte Konigsboa benutzte allerdings stets einen umständlichen Klammergriff zum Klettern. Selbst wenn die Neigung der Stange gering war, wurde diese häufig ganz umschlungen und fest im Griff gehalten, ähnlich einer zupackenden Hand. Den Vorderkorper auf diese Weise verankert, zog die Schlange ihren Hinterleib nach. Sobald dieser sich ebenfalls festgeklammert hatte, reckte sich der Vorderkorper weiter nach oben. So schoben sich die Konigsboas Stuck fur Stuck in die Hohe.
Senkrecht die Stange hoch
Schlängelnd kommen Schlangen weitaus schneller voran. Um einer Konigsboa fur diese Fortbewegungsart ausreichend seitlichen Widerstand zu bieten, mussten die Forscher die Schrauben mindestens zehn Millimeter aus der Stange herausragen lassen. Bei steilen Anstiegen mussten es sogar 40 Millimeter sein. Braune Nachtbaumnattern kamen dagegen mit Vorsprungen von nur einem Millimeter zurecht. Besonders tuchtige Reptilien fanden an derart gering vorstehenden Schrauben sogar ausreichend Halt, um sich an einer senkrecht aufgestellten Stange elegant emporzuschlängeln,
Die Natter hält die Stange fest umschlungen.Bilderstrecke
Nach einer uppigen Mahlzeit ist eine Braune Nachtbaumnatter rundlicher als gewohnlich, und sie kommt entsprechend langsamer voran. Schlank und hungrig bewegt sie sich jedoch erstaunlich flott durchs Geäst. Auf ihren nächtlichen Streifzugen schnappt sie sich andere Reptilien und plundert mit Vorliebe Vogelnester. Fur die Vogel von Guam, der Hauptinsel der Marianen, war das fatal. Mit einem Militärflugzeug als blinder Passagier eingereist, hat die Braune Nachtbaumnatter sich auf Guam stark verbreitet und dort eine einzigartige Vogelfauna fast vollständig vernichtet. Mittlerweile wurde die Schlange auch andernorts eingeschleppt. Unter anderem nach Hawaii, wo die Biologen nun ebenfalls um die einheimische Vogelwelt bangen. In Guams Wäldern haben die Nachtbaumnattern mittlerweile Muhe, die bereits rar gewordenen Eidechsen und Geckos aufzuspuren. In Siedlungen stellen sie Huhnern, Tauben und Ratten nach. Wenn sie dort auf der Suche nach Beute in Häuser eindringen, beißen sie mitunter sogar schlafende Babys.
