Mode & Design

Die Mode für Männer ist wirklich beweglich

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Männermode: Commander in Schief

Die Mode verkauft Träume. Auch für Herren. Warum Paris die Männermode neu denkt und warum sich diese Modestrecke so verbiegt.

In der Mode wird immer ein Traum verkauft. Erfolgreiche Designer bauen ein konkretes Image mit ihren Kleidern auf. Der Käufer wird dazu eingeladen, etwas zu sein, was er nicht ist, aber was er sein konnte. Der Grundbaustein der Männermode ist trotzdem der Anzug.

Aber es kommt darauf an, welcher Markenname in die Brustinnentasche eingenäht ist. Damit verbindet man dann einen erfolgreichen Geschäftsmann (Berluti, Hermes, Dior Homme, Boss), einen Intellektuellen (Comme des Garcons, Yohji Yamamoto, Lemaire), einen Mann, der junger aussehen will (Givenchy, Balmain), oder einen kunstlerisch veranlagten Mann, der sich um sein Aussehen viele Gedanken macht (Dries Van Noten, Burberry, Rick Owens).

Und weil Designer auch normale Menschen sind, die manchmal selbst Träume haben, kommen wir hier zunächst einmal auf Dries Van Noten, einen der konsequentesten Modemacher. Seit Jahren zählen seine Kollektionen zum Besten, was es in der Mode bei Damen und Herren gibt. Mit wunderbarer Kunststickerei, dem Zeitgeist immer nahe, auch verkäuflich und immer mit einem Traum des romantischen Lebens.

Nichts Halbes, sondern nur Ganzes

Man unterschätze aber nicht die Durchsetzungskraft. Er hat sich nie von einem Konzern aufkaufen lassen, er entwirft nicht fur andere Marken, er gibt keine Zweitlinie heraus, er macht also nichts Halbes, sondern nur Ganzes – und kocht sogar fur seine Angestellten. Rein modisch gesehen, fuhrt er den Trend der Individualisierung der Männergarderobe an, mit Pailletten, die er schon lange im Programm hat, oder auch mit Hosen, die er mit besonders weitem Schlag versieht.

Eine weitere Neuentwicklung unter Männern ist die Flexibilität der Garderobe. Und damit sind wir schon beim zweiten Thema neben der Individualisierung, das von den Fotografen Meinke Klein in der Modestrecke fur dieses Magazin ins Bild gesetzt wird. Man kann in der aktuellen Männermode gehen, laufen, klettern, sogar U-Bahn fahren in Paris. Und man sieht trotzdem nach einem Mann mit Stil aus, auch weil sich nun naturlich die David-Bowie-Referenzen in all die guten Stucke einweben.

Fur die Freiheit der Mode wiederum steht Rick Owens, der es vom Außenseiter aus Los Angeles in die Hohen des Pariser Schauenkalenders geschafft hat. Er hat die Silhouette des Mannes der einer Frau am stärksten angenähert. Rocke, Shorts und gut sitzende Zweireiher in Rostfarben sind dabei. Wer hätte das gedacht: Auch bei Rick Owens kann man einen Anzug finden!

Auch der Männermarkt wird von großen Konzernen dominiert

Sicher, die Männermode muss uberbordend sein, wie man es an Valentino sieht oder an Prada oder Dolce & Gabbana. Militärische Tarnflecken, feminine Einsprengsel oder cowboyhafte Selbstinszenierung sind aber naturlich nur Vorschläge. In Deutschland wird das Dekor in kleiner Munze ausgezahlt. Wenn die beiden Valentino-Designer, die auch in der Männermode mitbestimmen, Straßenkultur-Einflusse unter den Händen der Schneider ihres romischen Ateliers zu Haute Couture machen, also zu Alta Sartoria – dann bedeutet das aber auch fur den Massenmarkt, dass es schoner, dekorierter, teurer sein darf.

Bestimmt wird der Männermarkt inzwischen auch von den großen Konzernen. LVMH mischt mit: Louis Vuitton, Givenchy, Berluti und Dior Homme. Kim Jones betet fur Vuitton das Archiv des Hauses herunter: Der Stempel eines der ersten Vuitton-Läden erscheint als Druck. Riccardo Tisci von Givenchy verbringt viel Zeit in Berlin, seine Kollektion ist von den Clubs der Stadt inspiriert. Dennoch steckt er seine Energie in klassische Schneiderei und verziert seine Mäntel und Bomberjacken mit Kupferknopfen fur eine coole Urbanität.

Klassischer Anzug mit Turnschuhen

Alessandro Sartori macht zum Schluss bei Berluti seine beste Kollektion uberhaupt – jetzt zieht es ihn wieder zuruck zu Zegna. Kris Van Assche macht bei Dior Homme einfach weiter, obwohl die Damen verwaist sind. Mit seinem neuen Chef Serge Brunschwig will er Dior Homme einen weiteren Kick geben – zum Beispiel wurde gerade in Dusseldorf der erste eigenständige Dior-Homme-Laden aufgemacht.

Bei Kris Van Assche trägt der Mann einen klassischen Anzug mit Turnschuhen. Da ähnelt er wiederum V ronique Nichanian, der legendären Herren-Designerin bei Hermes, die das klassische Vokabular der Modemarke immer wieder neu durchdekliniert – von Trenchcoats uber Blousons bis zu Anzugen. Manchmal kombiniert sie die Anzuge zu Turnschuhen im typischen Hermes-Orange. Das verleiht der Kollektion Frische. Aber wie man an der Modestrecke in diesem Heft sieht, muss das auch gar nicht sein: Wenn sich die Männer so verbiegen, geht auch ein Paar klassischer Herrenschuhe.