
Die österreichische Fotografin Elfie Semotan ist bekannt für ihre Porträts und Modestrecken – und dafür, selbst nicht so gern im Mittelpunkt zu stehen. Warum sie trotzdem eine Autobiographie veröffentlicht hat.
Sie sind eine bekannte Fotografin, aber ich hatte den Eindruck, zumindest in Deutschland konnen die Leute mit Ihrem Namen erst dann etwas anfangen, wenn man Sie uber Ihre Männer erklärt. Also: war mit dem Kunstler Martin Kippenberger verheiratet, hat eng mit dem Modemacher Helmut Lang zusammengearbeitet. Stort Sie das?
Nein, das stort mich nicht. Das wäre schlecht, wenn mich das storen wurde. In osterreich konnten die Leute lange erst etwas mit meinem Namen anfangen, wenn ich Palmers, Romerquelle und noch irgendwas dazu gesagt habe, also Kampagnen, die bekannt waren, wo ich die Fotos gemacht hatte. Das hat sich inzwischen ein bisschen geändert, aber es stort mich auch nicht.
Dabei haben Sie so einen wahnsinnig schonen Namen. Woher kommt Semotan?
Mein Vater kam mit seiner Mutter noch aus der Tschechoslowakei, und ich nehme an, er kommt von dort. Wie viele von den osterreichischen Namen, aber die heißen dann Postpischil oder so, da hatte ich dann eben Gluck.
Kurz vor Ihrem 75. Geburtstag veroffentlichen Sie jetzt Ihre Autobiographie. Dabei wirken Sie wie eine sehr private Person. Wie hat man Sie dazu uberredet?
Ich hab’ immer gesagt, ich mach’ keine Biographie. Das finde ich, also, absurd. Ich bin Fotografin – ich mach’ Fotos. Und dann hab’ ich’s doch gemacht. Ich kenne den Verleger seit vielen Jahren, er hat mit meinem ersten Mann gearbeitet. Aber wenn Sie mich so fragen, warum hab’ ich eigentlich nicht nein gesagt? Vielleicht interessiert es ja manche, die sich fur meine Arbeit interessieren.
Sie sind auf dem Land aufgewachsen. Ihre Mutter hielt es dort nicht aus und verließ die Familie, als Sie zwei Jahre alt waren, Ihre Schwester war vier. Ich fand es verbluffend, dass Sie ihr das nicht nachzutragen scheinen.
Da haben Sie recht, das tue ich nicht. Dabei war es damals noch unerhorter als heute. So was hat man nicht gemacht. Und uns hat auch niemand erklärt, warum sie weggegangen ist. Aber ich hab’ irgendwie verstanden, schon als Kind, dass sie weg musste. Dass das nur mit ihr selber zu tun hatte. Sie wollte mich nachholen, aber ich wollte erst nicht. In Wien war alles voller Pflastersteine, ich fand es trostlos und grau. Ich hab’ keine Wiese gesehen und war total verzweifelt. Ich bin am Land geblieben, weil das fur mich wichtiger war.
Ihre Großmutter beschreiben Sie als wilde Personlichkeit. Nach dem Tod Ihres Mannes heiratete sie einen 14Jahre jungeren Mann, mit dem sie noch mal drei Sohne bekam. Klingt, als entstammten Sie einer Ahnenreihe von sehr unabhängigen, frei denkenden Frauen.
Ja. Stimmt. Interessant, nicht? Der letzte Mann meiner Mutter war auch junger als sie.
Mit elf Jahren zogen Sie dann doch zu Ihrer Mutter nach Wien. Und zwar stiegen Sie einfach in der Skikleidung, die Sie gerade anhatten, in einen Zug, ohne Tasche, ohne alles. Klingt wie aus einem Erich-Kästner-Roman.
