Aktien

„Flash-Crash“-Händler darf nach Amerika ausgeliefert werden

• Bookmarks: 16


Navinder Singh Sarao

Vor sechs Jahren stürzte der amerikanische Dow-Jones-Aktienindex in wenigen Minuten um 600 Punkte ab. Vor einem Jahr wurde deswegen ein Mann in London verhaftet. In Amerika droht ihm eine lange Haftstrafe.

Ein Gericht in London hat die Auslieferung eines britischen Borsenhändlers erlaubt, der fur den spektakulären Absturz des amerikanischen Aktienindex’ Dow Jones im Mai 2010 mit verantwortlich gemacht wird. Navinder Singh Sarao ist in den Vereinigten Staaten wegen Marktmanipulation und Betrugs angeklagt. Die britische Innenministerin Theresa May muss seiner Auslieferung zustimmen- fur den Fall, dass dies geschieht, hat Saraos Anwalt Berufung angekundigt.

Sarao war vor knapp einem Jahr im Haus seiner Eltern in einem Londoner Vorort festgenommen worden. Er soll mit einem computergesteuerten Handelsprogramm zum Absturz des Aktienmarktes im Mai 2010 beigetragen haben. Damals verlor der Aktienindex Dow Jones binnen weniger Minuten 600 Punkte und damit fast zehn Prozent – ein sogenannter Flash Crash.

Der Angeklagte: Habe lediglich „gute Arbeit“ geleistet

Der heute 37-jährige Sarao soll binnen funf Jahren insgesamt 40 Millionen Dollar (36 Millionen Euro) verdient haben. Der amerikanischen Anklage zufolge begann er mit seinen Geschäften Anfang 2009.

Demnach konnte er mit seinem Handelsprogramm in schneller Folge Kauf- und Verkaufsaufträge fur bestimmte Wertpapiere erteilen und widerrufen und so die Kurse in eine von ihm gewunschte Richtung drucken. Laut Anklage konzentrierte sich Sarao unter anderem auf bestimmte an der Chicagoer Borse gehandelte Papiere.

Insgesamt wurde Sarao in den Vereinigten Staaten in 22 Punkten angeklagt – jeder einzelne kann ihm eine Haftstrafe zwischen zehn und 25 Jahren einbringen. Sarao hatte nach seiner Festnahme in Großbritannien gesagt, er habe sich nichts vorzuwerfen. Er habe lediglich „gute Arbeit“ geleistet.Mitte August war er auf Kaution freigelassen worden.