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Und nun zu den Stickoxiden

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Eine globale Aerosol-Situation, zusammengestellt vom atmosphärischen Dienst des europäischen Copernicus-Programms: Gezeigt sind Seesalz (blau), Wüstenstaub (rot), Sulfate (weiß) sowie Rauch aus der Verbrennung von Biomasse (grün).

Kürzlich startete schon wieder ein Satellit zur Erdbeobachtung. Was sollen die denn alle dort oben? Forschen? Nein, helfen.

Schwerter werden mitunter tatsächlich zu Pflugscharen. So erhob sich an einem kalten Dienstagabend Mitte Februar eine Rakete vom Typ Rockot vom Kosmodrom Plessezk in Nordwestrussland in die arktische Dunkelheit. Ihre ersten zwei Stufen entstammen einer SS-19, einer Interkontinentalrakete, die zu Sowjetzeiten mit bis zu sechs nuklearen Sprengkopfen an der Spitze in einem Silo auf ihren Einsatz wartete. Die Rockot verfugte noch uber eine dritte Stufe, und auf ihr ritt vor zweieinhalb Wochen der Satellit Sentinel-3A ins All. Sentinel bedeutet so viel wie „Wachtposten“. Und während er nun auf seiner polaren Umlaufbahn in 811 Kilometern Hohe alle 101 Minuten die Erde umrundet, schaut er mit hochgezuchteten Instrumenten unablässig auf unseren Planeten herab.

38987136 Algen und Sedimente (hellblau) vor der Meerenge von Gibraltar, aufgenommen am vergangenen Dienstag von Sentinel-3A.

Sentinel-3A ist jedoch kein Spionagesatellit. Wenn er in einigen Monaten fertig durchgetestet ist, wird das Gros seiner Daten jedem Staat und jeder interessierten Organisation uberall auf der Welt zur Verfugung stehen: die Messwerte seines Temperatur-Radiometers, die Spektren seiner Farbkamera, die Hohendaten seines Radar-Altimeters. Es sind Geräte, wie sie so ähnlich auch an jenen Sonden hängen, die Planetologen auf jahre- und jahrzehntelange Reisen schicken, um damit den Mars, den Jupiter oder zuletzt den Pluto zu erkunden.

Der vielfältigste der Planeten

Dass man sie auch auf die Erde richtet, ist kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass unsere Heimat schon chemisch und geologisch die mit Abstand vielfältigste Welt zumindest in diesem Sternsystem ist. Nirgendwo sonst gibt es schließlich Oberflächenwasser dauerhaft in allen drei Aggregatzuständen, nirgendwo sonst eine Atmosphäre, die zum Teil aus dem uberaus reaktionsfreudigen Gas Sauerstoff besteht – und nirgendwo sonst eine Biosphäre. Diese wirkt denn auch auf die anorganische Natur der Erde zuruck: Schätzungsweise zwei Drittel der etwa 4300 bekannten Minerale sind unter Beteiligung von Lebewesen entstanden und kommen daher nur auf dem Blauen Planeten vor.

38987147 Die erodierten Gesteine der Flinders Ranges in Südaustralien im Blick des japanischen Erderkundungssatelliten Alos.

Allerdings ist Sentinel-3A auch kein wissenschaftlicher Satellit, keine „Erdsonde“. Davon hatte die Europäische Raumfahrtorganisation Esa tatsächlich schon mehrere ins All geschickt, bevor sie 2014 den ersten Sentinel startete. Dazu zählte zum Beispiel der großte jemals gestartete Erdbeobachtungssatellit, der acht Tonnen schwere Envisat. Diese Instrumentenplattform mit den Abmessungen eines Omnibusses war von 2002 bis 2012 im Einsatz. Zuvor hatte Europa ab den neunziger Jahren unseren Planeten mit den beiden Satelliten ERS-1 und ERS-2 (fur „European Remote Sensing Satellites“) aus dem All beäugen lassen.

Vorbild „Landsat“

Bis dahin dominierten die Vereinigten Staaten das Feld. Mit dem Start des ersten Landsat-Satelliten im Jahr 1972 eroffnete die amerikanische Raumfahrtbehorde Nasa das Zeitalter der allgemeinen zivilen Erdbeobachtung. Spionage aus dem Orbit gab es naturlich bereits vorher und mit den kunstlichen Trabanten der Serien Tiros seit 1960 und „Nimbus“ seit 1964 auch spezielle Wettersatelliten. Mit dem bis heute fortgefuhrten Landsat-Programm aber – ihr jungster Protagonist, Landsat-8, startete 2013 – begann das systematische Ablichten der Erde zu Zwecken der Kartographie, der geologischen Forschung und der Beobachtung okologischer Veränderungen.