Düfte beschäftigen David Seth Moltz seit seiner Jugend. Für sein kleines New Yorker Parfüm-Label will er mit ihnen Geschichten erzählen – und fragt sich wie wohl Cowboys rochen.
David Seth Moltz kreiert nicht einfach Dufte, er will Geschichten erzählen. Diese Geschichten heißen dann „Bitter Rose, Broken Spear“ oder „Pale Grey Mountain, Small Black Lake“. Sie duften nach herben wilden Rosen und Bergthymian oder Heidekraut und Brombeersträuchern, die entlang der Kuste wachsen. Poesie in Duftakkorden. Diese Duftgeschichten fullt Moltz fur sein Label „D.S.&Durga“ in Glasflaschen mit kantigen Linien. Wenn so viel in der Flasche steckt, dann braucht die Verpackung nicht viele Schnorkel.
Dufte beschäftigen Moltz seit seiner Kindheit, die er im ländlichen New England verbrachte. Vor mehr als zehn Jahren zog er nach New York und begann dort 2007, mit olen und Tinkturen herumzuexperimentieren. „Dabei kamen erst einige ganz grauenhafte Experimente heraus“, erinnert er sich heute. Seine erste gute Kreation sei „Cowboy Grass“ gewesen: Salbei, Präriegras und die Bluten des weißen Thymians. Eine Hommage an die rauen Männer in der amerikanischen Prärie, oder „Das Richtige, um auf dem Rucken eines Pferdes Banken auszurauben“, wie es im Begleitheft zum Parfum heißt. Dazu ist das kolorierte Bild zweier Cowboys abgebildet, die einen Buffel jagen. An solchen Bildern entlang entwickelt Moltz seine Kreationen. „Wenn eine Idee entsteht, recherchiere ich die gesamte Welt des Duftes, lese alte Bucher, Artikel, Reiseliteratur. Ich suche nach Hinweisen auf Aromen, die ich dann in einen Duftakkord fur das Parfum verwandeln kann.“
Poesie in Duftakkorden: Die Hylnds-Kollektion ist wie ein Ausflug nach Schottland
Zuletzt zog es ihn besonders nach Nordeuropa, wo ihn die mythische Welt der Kelten faszinierte. Eine ganze Parfum-Reihe widmete er den Highlands, der schottischen Berglandschaft. Fur „Spirit of the Glen“ beispielsweise schnupperte er sich dort durch einige Whiskey-Distillerien, um auf Herznoten wie „Wilde Kamille und Heu“ oder die Basisnoten „Bourbon- und Sherryfässer“ zu stoßen. „Manchmal braucht es 200 Versionen, bis alle Elemente so gemischt sind, dass sie zusammenpassen“, sagt Moltz. Manchmal genugten aber auch zehn Entwurfe,
bis alles stimmt. Die Parfums stellt Moltz in Handarbeit in seinem Atelier in Brooklyn her, die Zutaten fur seine Nischendufte ordert er in der ganzen Welt.
Der zweite Teil des Teams hinter dem kleinen New Yorker Parfum-Label ist Kavi Moltz. Die geburtige New Yorkerin hat Architektur in Los Angeles und Design in den Niederlanden studiert. Zuruck in ihrer Heimatstadt, lernte sie ihren zukunftigen Mann David Seth Moltz kennen. Ihre Liebe fur Design setzt sie in den klaren Glasquadern der Flaschen um. Außerdem leiht sie der Marke ihren Spitznamen „Durga“, angelehnt an die kämpferische vielarmige Hindu-Gottin. Zuletzt hat sie zusammen mit ihrem Mann versucht, den Duft der Wuste einzufangen. Wie das riecht? Nach Pinien, Kiefern und dem trockenen Sand in Westtexas.
