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Amazon im Sog der Apple-FBI-Debatte

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Die Tablets und das Fire TV von Amazon können mit dem neuen Betriebssystem nicht mehr verschlüsselt werden. Warum macht Amazon so etwas?

Amazon hat die sogenannte „On-Device-Encryption“ aus seinem Betriebssystem entfernt. Wer also Fire OS 5 nutzt, hat nicht mehr die Möglichkeit, seine Daten auf dem Gerät zu verschlüsseln. Diese Information löst erst einmal Kopfschütteln aus und führt bei vielen Tech-Portalen zu Überschriften wie etwa „Amazon löscht die Verschlüsselungsoption“. Wie kann ein Riesenkonzern wie Amazon im Kontext der Debatte, ob Apple mit dem FBI zusammenarbeiten muss, um die Verschlüsselung von iPhones für Behörden zugänglich zu machen, eine solche Entscheidung treffen? Gerade jetzt, wo andere IT-Unternehmen wie Google, Microsoft, Facebook und Amazon selbst dem Mitbewerber Apple zur Seite springen und ihre Solidarität erklären?

Für die Antwort muss man eigentlich gar nicht Amazon selbst befragen. Sie ergibt sich größtenteils durch weitere Informationen, die diese Entscheidung ebenfalls in einen Kontext setzen. Denn die Verschlüsselungsoption fehlt seit dem 17. September 2015. An jenem Tag hat Amazon nicht nur die 2. Generation von Fire TV sowie die neuen Fire- und Fire-HD-Tablets eingeführt, sondern eben auch das neue Betriebssystem Fire OS 5. Wer also eines dieser Geräte besitzt, hat sowieso seit mehr als einem halben Jahr keine Wahl mehr. Und wer Produkte der siebten Generation wie etwa das Fire HD6 und HD7 oder sein Fire Phone updaten will auf Fire OS 5, muss von nun an darauf verzichten.

Die Verschlüsselungsoption hatten allerdings laut Amazon sehr, sehr wenige Kunden genutzt. Das sei auch der Grund, warum sich die Entwickler dazu entschieden hätten, ganz auf diese Software-Option zu verzichten. Die „On-Device-Encryption“ sei ursprünglich auch eher für Business-Kunden gedacht gewesen, damit diese ihre Daten verschlüsseln könnten. So war zum Beispiel möglich, dass Nutzer ihre Mails mit einem Passwort schützen konnten, sodass im Falle eines Verlusts oder Diebstahls für einen Fremden die Texte nicht lesbar waren. Ähnliches galt für Dokumente und andere schützenswerte Daten. Da Fire OS auf Android aufsetzt, wäre es für die Software-Entwickler auch möglich, eine „Full-Disc-Encryption“ anzubieten, sodass die komplette Festplatte verschlüsselt wäre.

Nur Wired weist darauf hin

Nun ist die Aufregung in der Tech-Gemeinde über Amazons Entscheidung sehr groß. Allzu oft wird in den Artikeln das Release-Datum von Fire OS 5 unterschlagen, sodass der Kontext Apple-FBI gar nicht gegeben ist. Lediglich Tech-Portale wie Wired weisen daraufhin, dass das Weglassen der „On-Device-Encryption“ nichts mit Apple zu tun habe. Das sehen wir ebenso. Amazon sieht es offiziell so: „Im Zuge der Einführung von Fire OS 5 im Herbst 2015 haben wir einige Business-Anwendungen entfernt, die von unseren Kunden nicht genutzt wurden. Der Datenaustausch zwischen jedem Fire-Tablet und der Amazon-Cloud entspricht immer unseren hohen Ansprüchen an Datenschutz und Sicherheit, einschließlich angemessener Verschlüsselung.“

Dennoch könnte man Amazons Entscheidung insofern in Kontext mit der Apple-FBI-Debatte sehen, dass die Entwickler das Ganze zum Anlass nehmen sollten, beim nächsten Update die Verschlüsselungsoption wieder einzuführen. Möglicherweise nutzen diese nun viel mehr Kunden als vorher. Dass Geräte wie Smartphones sehr sicher sein können, ist zumindest für den Nutzer kein Nachteil. Es sollte also eigentlich Standard sein, dass die Daten auf Geräten verschlüsselt sind. Und dass dies nun auf Fire OS 5 nicht mehr möglich ist, hätte man Amazon schon im September vorwerfen müssen.