Medizin

EU-Umfrage, Teil 2: KannTechnologie Krankheit besiegen?

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Chronische Leiden nehmen zu – trotz des teuren medizinischen Fortschritts. Setzt Europa zu stark auf Innovationen, oder etwa doch noch zu wenig? Wie wichtig ist den Bürgern die Hightechmedizin? Machen Sie mit im zweiten Teil der EU-Umfrage.

Was hatte Europa nicht schon für große Pläne, Visionen sogar. Was etwa früher medizinischer Fortschritt hieß und mehr oder weniger unter der Wahrnehmungsschwelle der Bürger ablief, wird seit Jahren unter dem Doppellabel „Healthcare-Innovationen“ großzügig bezuschusst, vermarktet und mit Richtlinien aus Brüssel vorangetrieben – und tatsächlich: Dass das deutsche „E-Health“-Gesetz inzwischen Wirklichkeit und die elektronische Patientenakte mit dem Zugriffsrecht für jeden Bürger zumindest von 2019 an doch noch kommt, ist zu einem gewissen Teil ein europapolitisches Verdienst.

Das offizielle Logo der EU-InitiativeDas offizielle Logo der EU-Initiative

Der Fortschritt selbst freilich wird längst getragen von einem beispiellosen milliardenschweren Forschungs- und Entwicklungswettbewerb, „Translationsforschung“ heißt das oft. Dazu kommt die schlichte Tatsache, dass die Gesundheitssysteme (nicht nur in Europa) wegen der – nicht zuletzt dank des Medizinfortschritts – verwandelten Alterspyramiden und der daraus resultierenden Flut an chronischen „Altersleiden“ immer stärker am Finanztropf hängen. Anders als in der europäischen Grenzdebatte scheint man sich im Gesundheitsdiskurs einig zu sein: auf zu neuen Ufern. Osteuropäer setzen auf den boomenden Medizintourismus, im Westen sucht man Innovation um jeden Preis, technischer wie sozialer Art.

Beispiele wie das der Universität Cambridge werden in Brüssel als ein Versprechen auf die Zukunft gepriesen. Schon mehr als 1400 Hightechunternehmen, die größte Zahl im Biotechnik- und Biomedizinsektor, sind allein aus der englischen Forscherschmiede ausgegründet worden, elf davon besitzen bereits einen Marktwert von über einer Million Euro. Spitzenmedizin aus Spitzenlabors. In die Hände spielt den Ländern des Westens dabei die weltumspannende digitale Transformation: „mHealth“, eine Gesundheitsbewegung, die mit neuen Sensoren und Selbstvermessung – inklusive Selbstkontrolle und autonomes Gesundheitsmanagement – immer gezielter die anschwellende Datenflut zum eigenen Wohl zu nutzen weiß.

Telemedizin 3In einem telemedizinischen Service-Zentrum besprechen Arzt und Assistentin den Verlauf der Messwerte eines Patienten. Inzwischen gibt es viele Modelle wie den TeleArzt, die Versorgungsassistentinnen mobil einsetzen.

Aber tut sie das wirklich? Oder sind Innovationen sowie neue Medikamente nur Kostentreiber? Und schließlich: Wie viel Staat braucht es, aber damit auch: wie viel fremde Macht dulden wir in einem immer teureren System? Sparmodelle und soziale Fortschritte kann man durchaus auch ohne Lenkung entwickeln. Das schwedische „Esther-Netzwerk“ etwa macht es Patienten im Ärzte-, Klinik- und Pflegedschungel leichter, indem man seit 1997 mehr als siebentausend Dienstleister und Leistungserbringer im Gesundheitssystem, vom Patienten bis zur Pflegekraft, über ein „virtuelles Kompetenzzentrum“ vernetzt. Der Patient muss dort seine Geschichte nicht zehnmal, sondern nur einmal vortragen. Das Netz koordiniert die Hilfe.


Teil 2: Kann Technologie Krankheit besiegen?


Hausgemachte Hürden in Europa

Das offizielle Europa liebt solche Exempel, doch mit guten Beispielen allein lassen sich Hemmnisse und – selbstverschuldete – Hürden kaum abbauen. Zu viel Bürokratie, ein fehlendes einheitliches Patentsystem, regulatorische Hürden bei der Zulassung und Erstattung der sogenannten Innovationen sind ebenso Brüsseler wie nationale Defizite. Und schließlich die Innovationsangst: Hightechansätze wie Gentechnik und Stammzellprodukte, regenerative Medizin und Gewebezucht freuen sich über gewaltige Forschungsbudgets, die Akzeptanz aber lässt auf sich warten.

Gibt es dafür bürgerfreundliche Lösungen? Europa will es von Ihnen wissen im zweiten Teil der „REIsearch“-Umfrage, die wir neben neun anderen europäischen Medien im Internet präsentieren. Die Ergebnisse der Erhebung werden anonymisiert ausgewertet und Ende April dem Europäischen Parlament und der EU-Kommission vorgestellt.