
Traditionell stellt Samsung am Vorabend des Mobile World Congress seine neuen Produkte vor. Wie zu erwarten war das neue Flaggschiff Galaxy S7 dabei. Aber auch eine Überraschung.
Alle Welt hat an diesem Sonntag Abend, kurz vor der morgigen Eröffnung des Mobile World Congress in Barcelona, auf die neuen Smartphone-Flaggschiffe von Samsung gewartet. Wie zu erwarten wurden eben auf der Bühne das Galaxy S7 und S7 Edge groß gefeiert. Doch die Überraschung des Abends ist ein Gadget für die Virtual Reality: die Gear 360.
Es ist – der Name deutet es schon an – eine Kamera, mit der man Bilder und Videos in einem Winkel von 360 Grad aufnehmen kann. Sie besteht aus einer Kugel mit zwei Linsen, die auf einem dreibeinigen Mini-Stativ steht, das sich zusammenklappen lässt, so dass es wie ein Griff funktioniert. Beide „Augen“ schauen jeweils in die andere Richtung, um in einem Winkel von 195 Grad (das Sichtfeld überlappt sich also) das Geschehen zu beobachten. Die Gear 360 sieht also alles, was um sie herum geschieht. Nur Smartphones der S6– und S7-Reihe können über eine App gekoppelt werden und dienen als Fernbedienung mit Monitoranzeige. Mit dem Finger auf dem Bildschirm bewegt man sich durch den Raum. Die Kamera nimmt sowohl Bilder als auch Videos auf einer SD-Karte bis zu 200 Gigabyte mit maximal 30 Megapixel auf.
Das S7 (links) hat eine Bildschirmgröße von 5,1 Zoll und das Edge 5,5 ZollBilderstrecke
Um die zwei Aufnahmen als eine 360-Grad-Darstellung zu sehen, müssen die Daten erst noch über Wifi-Direct-Verbindung zum Smartphone transferiert werden, wo sie umgerechnet werden. Das geht erstaunlich schnell. Dann lässt sich das Video so anschauen, dass man beliebig nach links, rechts, oben oder unten auf dem kleinen Bildschirm schauen kann. Das ist aber nur die halbe Faszination. Vollendet wird das Erlebnis erst, wenn eine Virtual-Reality-Brille zur Hand ist. Denn dann sieht es so aus, als sei man wirklich in dem Raum, der aufgenommen wurde.
Samsung hat mit der Gear VR so eine Brille seit einiger Zeit im Angebot. Dadurch bietet das Unternehmen ein schmuckes Gesamtpaket. Die Gear 360 nimmt etwas auf, das S6 oder S7 rechnet die Daten um, und die Gear VR gibt die virtuelle Realität wieder. Und weil das keine Ein-Mann-Show werden soll, lassen sich Bilder oder Filme direkt teilen: in einer Mail, in der Cloud, über Bluetooth oder auf Youtube. Das könnte die Selfie-Generation in die nächste Dimension heben.
Die neuen Flaggschiffe Galaxy S7 und S7 Edge
Nun kommen wir zum aktuellen Modell der Galaxy-Reihe, die bei Version 7 angelangt ist. Das S7 gibt es abermals auch in einer Edge-Variante. Die Unterschiede des Galaxy S7 und S7 Edge gegenüber seinen Vorgängern sind beim Ausprobieren auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen. Das Design hat sich kaum geändert, Maße und Gewicht entsprechen in etwa den bisherigen Geräten. Das ist auch gut so.
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Samsung Gear 360: Das Doppelauge
Samsung hat bei seinen neuen Galaxy-S-Modellen fast alles richtig gemacht, weil das Unternehmen dort verbessert hat, wo Schwächen zu erkennen waren oder Stammkäufer brüskiert wurden. Der Akku des S6 ging bei einigen Nutzern schon in die Knie, bevor sie ihre Smartphones auf dem Nachttisch ans Ladegerät stöpselten. In der heutigen Zeit – trotz ständiger Verfügbarkeit von Steckdosen – eine Unmöglichkeit. Zwar hatte Samsung die Schnellladezeit eingeführt, so dass man innerhalb einer halben Stunde fünfzig Prozent des Akkus wieder gefüllt hatte. Doch ein Akku muss mindestens einen Tag unter Dauerbelastung halten. Fertig. Huawei und andere machen vor, wie das geht. Also hat Samsung einen größeren Akku eingebaut, der im S7 auf 3000 Milliamperestunden und im S7 Edge auf 3600 kommt. Damit dürfte sich die Akkuschwäche erledigt haben.
Akkuvergrößerung und Micro-SD-Slot
Auch bei einem anderen Detail hat Samsung offensichtlich auf die Kunden gehört. Als der Micro-SD-Slot beim S6, S6 Edge und Note 5 verschwand, gab es einen kleinen Aufstand unter den langjährigen Freunden der Marke. Die Preisgabe der Speichererweiterung empfanden viele als Affront. Samsungs Entschuldigung ist eindeutig: S7 und S7 Edge können wieder mit bis zu 128 Gigabyte erweitert werden. Akkuvergrößerung und Micro-SD-Slot sind recht markante Änderungen. Ansonsten erwartet den potentiellen Kunden Feinschliff. Der Arbeitsspeicher hat nun vier Gigabyte, leider hat der interne aber weiterhin mageren 32 Gigabyte. Die Kamera fängt mit einer 1,7-Blende noch mehr und schneller Licht mit „nur“ 12 Megapixel, die dafür aber größer sind. Der Autofokus ist sehr schnell, was sich beim Ausprobieren bestätigte. Gute Neuigkeiten für Wasserratten und Wüstenläufer: S7 und S7 Edge sind nach Norm IP 68 „wasser- und staubdicht“.
An der Software hat Samsung ebenfalls gespielt. Mit der AOD-Technik (Always on Display) gewinnen die Entwickler keinen Innovationspreis, weil es das schon bei anderen Smartphones gibt. Aber die Uhrzeit- oder Kalenderanzeige und Ähnliches auf dem Bildschirm zu sehen, wenn er im Standby schlummert, kann praktisch sein. Ebenso die erweiterte Edge-Funktionalität. Wenn man auf dem Bildschirm des gleichnamigen Modells vom rechten Rand zur Mitte wischt, öffnet sich eine zweite Mini-Oberfläche, die sich über den Hauptbildschirm legt, der unscharf dargestellt wird. Dieser Rand ist nun breiter angelegt, zudem lässt er sich für verschiedene Zwecke personalisieren, indem der Nutzer Aufgaben, Kontakte, Nachrichtenseiten oder Anwendungen zuweist.
