
Huawei ist längst ein etablierter Smartphone-Hersteller. Deshalb ist das MateBook auch ein ernst zu nehmender Notebook-Ersatz. Wäre da nicht diese Ähnlichkeit mit zwei anderen Geräten.
Es war wie immer eine beeindruckende Show, die Huawei auf dem Mobile World Congress (MWC) veranstaltet hat. Eine schone Location in der Nähe des Placa Espanya, laute Musik mit kraftvollen Subwoofern und wie immer eine attraktive Moderatorin, die etwas zu selbstbewusst vorstellt, von dem sie sehr wahrscheinlich wenig versteht.
Sobald dann CEO Richard Yu ubernimmt, wirkt es nicht mehr aufgetragen, es geht ins Technische, nur das Englisch ist manchmal etwas unverständlich. Auf der Buhne ging es um genau ein neues Produkt, weil Huawei schon ziemlich viel Pulver auf dem CES in Las Vegas verschossen hatte. Im Mittelpunkt stand das MateBook. Es sei ein 2-in-1-Gerät, ein Notebook und ein Tablet. Also irgendwie ein Gerät fur alle und alles.
Notebooks mit vielen Makeln
Warum man so etwas gebrauchen konnte und diese Gerätegattung unter den Herstellern immer beliebter wird, hat Richard Yu gut, aber auch zu ubertrieben dargestellt. Notebooks hätten keine lange Akkudauer. Gilt nicht fur alle. Sie hätten keine gutes Display. Gilt auch nicht fur alle. Und sie seien nicht widerstandsfähig. Gilt auch nicht fur alle. Aber es gilt in der Tat fur viele Notebooks, dass sie etwas klobig sind und der mobile Einsatz nicht immer so komfortabel ist.
Doch die Hersteller konnen sich nicht so ganz einigen, was die Alternative ist. Mal stellen sie ein Convertible, mal ein Detachable oder – wie jetzt Huawei – ein Tablet vor, an das man eine Tastatur klemmt, es in eine Hulle steckt, die zugleich auch Ständer ist und einen Stift dazu legt, mit dem nicht nur Notizen machen, sondern auch kreativ tätig werden kann. Gab es da nicht dieses…? Ja, richtig, das iPad Pro von Apple. Und dieses Surface Pro 4 von Microsoft? Auch richtig. Ist das TabPro S, das Samsung auf der CES vorgestellt hat, auch irgendwie ähnlich? Ja, auch das. Und wie unterscheidet sich das MateBook von den anderen? In der Idee und Umsetzung wenig.
Metallhulle mit gebursteter Oberfläche
Das MateBook hat ist aus Metall mit gebursteter Oberfläche. Sein Bildschirm ist 12 Zoll groß, dessen Auflosung 2160 x 1440 Pixel beträgt. Der abgebildete Farbraum ist angeblich großer als bei den Konkurrenzprodukten von Apple und Microsoft. Ebenfalls effizienter sei das Verhältnis von Bildschirm zu Gehäuse, der auf 84 Prozent kommt, weil der Rand nur 10 Millimeter breit ist. Das MateBook ist 6,9 Millimeter dunn und 640 Gramm leicht. Es kommt in zwei Farben: schwarz-grau und weiß-golden. Der Akku ist mit 4430 Milliamperestunden recht uppig. Er soll zirka 10 Stunden bei normaler Nutzung halten. Schnell und leistungsstark durfte es auch sein, im Innern steckt der Intel-Prozessor „Core m“ der 6. Generation. Windows 10 wird als Betriebssystem laufen.
Sowohl der MatePen als auch MateDock sind separat erhältlich. Der Stift ist druckempfindlich, lässt sich innerhalb einer Stunde fur einen Monat Einsatz aufladen. Die elastische Spitze erkennt laut Huawei 2048 unterschiedliche Druckstufen. Das ist insofern ubertrieben, als dass die Software dies wohl nicht umsetzen kann. Das MateDock ist praktisch, weil ihn ihm in einem kleinen Kistchen alle Schnittstellen vereint sind, die man so braucht: USB 2.0, HDMI, VGA und Lan.
Verarbeitung auf iPad-Niveau
Wir sind heute Morgen gleich zum Stand von Huawei und haben uns das Gerät genauer angeschaut. Es macht wie auch die Smartphones von Huawei einen sehr hochwertigen Eindruck. Aussehen, Haptik und Verarbeitung erinnert an das iPad. Auf der Tastatur schreibt es sich ganz gut, allerdings konnte sie noch besser sein. Sie erinnert ein bisschen an die ersten Surface-Tastaturen von Microsoft. Mit dem Bildschirm zu arbeiten, macht Spaß. Ebenso mit dem MatePen. Im Vergleich zum Pencil von Apple liegt er nicht so gut in der Hand, wirkt zudem etwas weniger wertig. Er ist zugleich auch ein Laserpointer.
Wer diese Art von Gerät mag, hat mit dem MateBook eine attraktive Alternative zum iPad Pro von Apple, Surface Pro 4 von Microsoft oder TabPro S von Samsung. Alle vier Geräte sind letztlich ein ausbaufähiges Tablet. iPad Pro und MateBook sind sich sehr ähnlich, was die Funktionalität der Tastatur angeht, die zugleich auch Schutzhulle ist. Auch der Einsatz des Stiftes als Mal- und Zeicheninstrument wird bei Apple und Huawei hervorgehoben. Insofern ist die – nennen wir es mal vorsichtig – „Orientierung“ an Apple am offensichtlichsten. Das Surface Pro 4 geht da schon eher Richtung Notebook.
Wie die Konkurrenz auch, hat sich Huawei – im Unterschied zu den gunstigen Preisen bei ihren Smartphones – nicht zuruckgehalten. In der kleinsten Ausstattung mit einem Intel Core m3, 4 Gigabyte Arbeitsspeicher und 128 Gigabyte internem Speicher kostet das MateBook 799 Euro. Wer sich die volle Prozessor- und Speicherausstattung gibt, kommt auf 1799 Euro. ubrigens kommen dann noch Tastatur mit 149 Euro, Stift mit 69 Euro und das MateDock mit 99 Euro dazu. Bundles seien denkbar, sagt Huawei, aber wieviel man dann spart, wissen wir nicht.

