
Die Deutschen lieben ihren Kaffee. Trotz zahlreicher Studien ist unklar, wie der Bohnensud auf den Körper wirkt. Über den Versuch, herauszufinden, ob Kaffee schädlich oder gesund ist.
Wenn ein Lebensmittel auf den Markt kommt, muss es getestet werden. Dafur ist seit jeher die Obrigkeit zuständig, und so gab der schwedische Konig Gustav III. (1746 bis 1792) eine Art klinische Studie in Auftrag, die erste in seinem Land: Um die Wirkung des seit dem siebzehnten Jahrhundert in Westeuropa immer beliebter gewordenen Kaffeekonsums auf den menschlichen Korper zu ergrunden, begnadigte er zum Tode verurteilte eineiige Zwillinge, die sich dafur der Forschung zur Verfugung stellen mussten: Einer von ihnen trank von nun an täglich Kaffee, der andere Tee – observiert von einer Gruppe von Medizinern.
Inzwischen sind die Versuchsanordnungen zwar andere, aber die große Frage nach dem Nutzen oder Schaden des Kaffees scheint die biomedizinische Forschung zu beschäftigen wie nur wenige andere: Allein seit dem Jahr 2000 erschienen mehr als 1,7 Millionen wissenschaftliche Publikationen zum Stichwort Kaffee. Sein bekanntester Inhaltsstoff, das Koffein, hat es sogar zu einer eigenen Fachzeitschrift gebracht, dem Journal of Caffeine Research. Trotzdem ranken sich noch immer zahlreiche Mythen um das Heißgetränk. Gibt man der Suchmaschine Google den Satzanfang „Kaffee macht“ vor, werden zur Vervollständigung wahlweise „mude“, „wach“, „krank“ oder „schon“ vorgeschlagen. Ein widerspruchliches Bild wird da geboten, das sich beim Blick auf die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien noch verstärkt: kaum ein Befund, der nicht andernorts angezweifelt wurde.
Koffein geht nicht nur durch den Magen
Einigkeit besteht immerhin daruber, welchen Weg das Koffein durch den Korper nimmt. Es wird, vom Magen-Darm-Trakt ausgehend, schnell ins Blut aufgenommen, wobei ihm seine fettloslichen Eigenschaften helfen. Als lipophiles („fettliebendes“) Molekul kann es biologische Membranen recht einfach uberwinden. So gelangt das Koffein auch durch die Blut-Hirn-Schranke. Die Fettloslichkeit des Koffeins fuhrt auch dazu, dass es nur zu einem geringen Anteil in unveränderter Form ausgeschieden wird. Denn was mit dem Urin aus dem Korper gespult werden soll, muss im Gegenteil moglichst wasserloslich sein. Deshalb modifizieren Enzyme in der Leber das Koffein zunächst in mehreren Schritten, um seine Wasserloslichkeit zu erhohen. Dann kann es uber die Nieren ausgeschieden werden.
Wie das Koffein auf diesem Weg das menschliche Befinden beeinflusst, ist schon nicht mehr so einfach zu klären. Koffein ist mittlerweile Bestandteil zahlreicher Medikamente. Das Kopfschmerzmittel Thomapyrin zum Beispiel enthält zusätzlich zu zwei schmerzstillenden Wirkstoffen auch noch Koffein. Das soll die Wirksamkeit des Medikaments nach Angaben der Hersteller um bis zu 70 Prozent steigern. Und in Kinderkliniken wird Fruhchen vor Operationen mit Vollnarkose Koffein verabreicht, um die Schlagkraft des Herzens zu erhohen und die Sauerstoffversorgung zu verbessern. Heißt das also, Koffein – und damit schließlich auch Kaffee – ist gesund?
