
Wer sich schnell gestresst fühlt, ist stärker gefährdet an Bluthochdruck zu leiden – und pflegt öfter einen ungesunden Lebensstil. Wege aus der Stressfalle.
Psychische Belastungen konnen den Blutdruck nicht nur akut, sondern auch dauerhaft in die Hohe treiben. Besonders groß ist diese Gefahr offenbar bei Personen, denen Stress ubermäßig unter die Haut geht. Recht uberzeugende Hinweise auf einen solchen Zusammenhang liefern jedenfalls die Ergebnisse einer neuen Erhebung, der die Daten von eineinhalb Millionen schwedischen Männern zugrunde liegen.
Diese waren im Alter von 18 Jahren auf ihre Militärdiensttauglichkeit untersucht worden und hatten sich in dem Zusammenhang sowohl einem umfassenden Gesundheitscheck als auch verschiedenen psychischen Tests unterzogen. Da Schweden uber nahezu luckenlose Gesundheitsregister verfugt, konnten die Autoren der Studie das gesundheitliche Schicksal der mittlerweile bis zu 62 Jahre alten Männer langfristig weiterverfolgen.
Wie Kristina Sundquist vom Center for Primary Health der Lund University in Malmo und ihre Kollegen in der aktuellen Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Heart“ (doi: 10.1136/heartjnl- 2015-308597) berichten, diagnostizierten die ärzte im Verlauf von durchschnittlich 26 Jahren bei rund 93.000 Probanden einen Bluthochdruck, eine Hypertonie. Unter diesen befanden sich auffallend viele Personen, denen die Psychologen vormals eine geringe Widerstandsfähigkeit gegenuber Stress bescheinigt hatten.
Gefahr von Bluthochdruck und Essstorung
Am hochsten war das Risiko fur eine Hypertonie dabei, wenn sich zu der geringen psychischen Belastbarkeit eine ubermäßige Korperfulle gesellte. Solche Personen erkrankten rund dreieinhalbmal häufiger an Bluthochdruck als psychisch belastbare Männer mit normalem Gewicht. Bei Probanden, die zwar zu viele Pfunde auf die Waage brachten aber unempfindlich auf Stress reagierten, war dieses Risiko hingegen „nur“ zweieinhalbmal so hoch.
Auf welche Weise eine geringe Widerstandsfähigkeit gegenuber psychischen Strapazen, insbesondere in Kombination mit ubergewicht, die Ausbildung von hohem Blutdruck begunstigt, geht aus der Erhebung zwar nicht hervor. Die Ergebnisse vieler anderer Studien legen gleichwohl den Schluss nahe, dass hierzu sowohl direkte als auch indirekte Faktoren beitragen durften. Demnach beschleunigt der in stressreichen Situationen auftretende, akute Blutdruckanstieg die Gefäßversteifung und damit anhaltend erhohte Werte auf der Messskala.
Und andererseits tendieren Personen, die leicht aus der Ruhe geraten, häufig zu einem ungesunden Lebensstil: Tabakkonsum, wenig korperliche Bewegung und eine fettreiche Ernährung zählen aber zu den wichtigsten Risikofaktoren fur die Ausbildung einer Hypertonie und weiteren Gesundheitsstorungen. Maßnahmen, die zu einer Verringerung der Stressempfindlichkeit fuhren, haben daher das Potential, gleich mehreren Krankheiten entgegenzuwirken.
