
Die WHO hat wieder mal den Notstand ausgerufen. Der Grund ist das grassierende Zika-Virus. Doch anders als bei Ebola besteht dieses Mal die berechtigte Hoffnung, dass bald ein Impfstoff gefunden wird.
Karneval in Rio: Ein Fest für die Menschen und ein Gelage für die Moskitos.“ So fasste die portugiesische Zeitung „Público“ den Sachverhalt zusammen. Doch viele Brasilianer wollten sich die Feierlaune in der vergangenen Woche nicht verderben lassen. Auch dadurch nicht, dass die Weltgesundheitsorganisation gerade erst den globalen Notstand ausgerufen hatte. Selbst die Meldung, dass Zika-Viren nicht nur durch Mücken, sondern vermutlich auch durch ungeschützten Sex verbreitet werden, konnte die Stimmung in Rio kaum vermiesen. Ein entsprechender Verdacht war schon 2008 aufgekommen, als ein amerikanischer Wissenschaftler seine Frau zu Hause in Colorado angesteckt hatte, nachdem er aus Senegal zurückgekehrt war, wo er und ein Kollege sich durch Mückenstiche infiziert hatten. Diese Fallstudie wurde 2011 veröffentlicht. Doch damals interessierte sich noch kaum jemand dafür.
Heute ist das anders. Zika sei nach wie vor auf dem Vormarsch, warnte Anthony Fauci kürzlich im New England Journal of Medicine. Der amerikanische Mediziner steht dem National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) vor und ist derzeit ein gefragter Mann. Denn viele Fragen sind noch offen. Wie konnte ein Erreger aus der Gattung der Flaviviren, den man erstmals 1947 in Uganda in einem Versuchstier entdeckt hatte und der über Jahrzehnte hinweg kaum von sich reden machte, von Afrika nach Asien gelangen und urplötzlich zur Plage werden? Stutzig wurden Fachleute erstmals 2007, als ein ungewöhnlicher Ausbruch in Mikronesien für Aufsehen sorgte. 2013 meldete dann Französisch-Polynesien hohe Fallzahlen. Und im Mai 2015 war Zika schließlich in Brasilien angekommen.
Zika-Studien für jedermann frei zugänglich
Seitdem breitet es sich über den südamerikanischen Kontinent aus. Das Virus trifft hier auf eine Bevölkerung, die bisher keinen Kontakt mit dem Erreger hatte und deshalb keinerlei Immunität besitzt. Zum Glück verlaufen die meisten Infektionen unauffällig oder mild. Zika ist eine vergleichsweise junge Plage- genetische Analysen lassen vermuten, dass der Erreger, der normalerweise in Affen und Mücken der Gattung Aedes kursiert, irgendwann zwischen 1892 und 1943 den Sprung auf den Menschen als Wirt geschafft hat.
Wobei noch lange nicht verstanden ist, welche Faktoren ausgerechnet jetzt seine starke Ausbreitung fördern. Oder wie eng der Zusammenhang zwischen einer Infektion und dem Auftreten von Mikrozephalie bei Neugeborenen ist. Eine aktuell in „JAMA Ophthalmology“ veröffentlichte Studie legt außerdem den Verdacht nahe, dass Blindheit ein zusätzliches Risiko darstellen könnte: Am Roberto Santos General Hospital in Salvador waren immerhin zehn von 29 betroffenen Säuglingen mit deutlichen Schäden an Netzhaut und Augennerven zur Welt gekommen.
Diese Studie ist online frei zugänglich, wie praktisch alle wissenschaftlichen Publikationen zu Zika. Dazu haben sich inzwischen elf Herausgeber wichtiger Fachmagazine verpflichtet. Denn noch liegen nicht allzu viele Daten und klinisch relevante Ergebnisse vor. Durch „open access“ sollen sie aber möglichst rasch verbreitet werden. Auch verschiedene Stiftungen wollen den internationalen Austausch unter Wissenschaftlern fördern und beschleunigen.
Fieberhafte Suche nach einem Zika-Impfstoff
Das ist eine Lehre, die man aus der Ebola-Seuche gezogen hat. Nach den dramatischen Geschehnissen in Westafrika will sich niemand mehr dem Vorwurf aussetzen, er habe zu spät reagiert. So hat zum Beispiel die europäische Zulassungsbehörde EMA eine Task-Force zusammengestellt, die Firmen beraten soll, die Medikamente oder Impfstoffe gegen Zika entwickeln wollen. Zurzeit ist nichts davon ist auf dem Markt oder wenigstens klinisch erprobt.
