
Deutlich heller und höhere Kontraste: Die nächste TV-Generation setzt auf ein besseres Bild mit HDR-Technik. Zudem steht Ultra HD vor der Tür. Mehr Pixel zeigen feine Details.
Verfolgungsjagd im TV-Krimi: Pechschwarze Nacht, Bosewicht haut mit Vollgas ab, die Guten mit Blaulicht und Sirene hinterher. Scharfe Kurve, Gegenverkehr, blendende Scheinwerfer, Hupen und Getose. Delinquent tritt mit voller Wucht aufs Bremspedal, rote Bremslichter in Großaufnahme. Während den Verfolgern der Atem stockt, kommt der Zuschauer vor dem Bildschirm kaum uber den Ruhepuls, denn eine Mattscheibe ist eben nur eine Mattscheibe. Das soll nun alles anders werden – mit einer neuen Fernsehergeneration, die mehr vom wirklich wahren Leben in die Wohnstuben bringt. Die Formel dafur heißt High Dynamic Range, kurz HDR. Gemeint ist ein Kontrastumfang, der weit uber das gewohnte Maß hinausgeht. Scheinwerfer sollen dann richtig blenden – und nicht bloß als helle Flecken auf der Bildfläche erscheinen. Und beim Bremslicht soll dem Betrachter der Schrecken ins Gebein fahren, weil die Strahlkraft des roten Warnsignals basale Emotionen anspricht, ganz so, wie es auf der Straße passiert.
Als Versprechen fur die Zukunft geistert das Kurzel HDR schon seit einer Weile durch die Diskussionen rund um die Fernsehtechnik. Doch jetzt ist es Teil einer neuen Norm. Die ersten Geräte nach diesen Vorgaben kommen im Fruhjahr auf den Markt. Zu erkennen sind sie an einem Logo mit dem Schriftzug „Ultra HD Premium“. HDR-Bildschirme in LCD-Technik mussen nach diesen Spezifikationen Spitzenhelligkeiten von mindestens 1000 Nits erreichen – das ist die internationale Einheit fur die Leuchtdichte, die in Datenblättern oft auch etwas umständlicher Candela je Quadratmeter (cd/m2) genannt wird. Wie hell sind 1000 Nits? Gemessen an der Wahrnehmungsfähigkeit des menschlichen Auges, erscheint der Wert eher moderat: Blicken wir ungeschutzt in einen strahlend blauen Himmel, haben wir es mit bis zu 100 Millionen Nits zu tun. In pechschwarzer Nacht konnen wir noch winzige Lichtmengen erkennen, die gerade einmal ein Millionstel Nit ausmachen.
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Doch im Vergleich zu den Moglichkeiten technischer Reproduktion sind 1000 Nits eine Menge. Bildschirm-Helligkeiten von 400 Nits sind heute immer noch ubliche Werte. Vor zwolf Monaten wurden erste Geräte mit 700 Nits bereits als HDR-tauglich beworben. Diese Apparate wirkten in Wohnzimmern enorm hell. Doch die jungste Bildschirm-Generation legt noch eine Schippe drauf: Ihre Strahlkraft ist eindrucksvoll. Sie wird derzeit nur noch deutlich ubertroffen von sundhaft teuren professionellen Studiomonitoren, die bis zu 4000 Nits erreichen konnen.
Fur Bildschirme in Oled-Technik erlauben die Ultra-HD-Premium-Spezifikationen niedrige Helligkeitswerte, weil sie prinzipbedingt nicht so viel Licht abstrahlen konnen wie ihre Artgenossen auf LCD-Basis. Sie erreichen aber deutlich tiefere Schwarzwerte, und sie konnen selbst finstere Szenen noch fein differenzieren, erzielen somit also einen durchaus vergleichbaren Kontrastumfang. Das neue Logo signalisiert noch eine Reihe weiterer anspruchsvoller Parameter. So steht es fur eine Signalverarbeitung mit 10 Bits fur jeden Bildpunkt- bisher sind 8 Bits das ubliche Maß. Der Sinn liegt auf der Hand: Erweiterter Kontrastumfang erfordert feinere Differenzierung, mithin eine Kodierung, die sie hinreichend genau beschreiben kann. Dies ist auch notig, wenn die Geräte die Vorgaben fur mehr Farben erfullen sollen. Nach den Spezifikationen des Premium-Logos sollen die Fernseher einen Farbraum abbilden, den die internationale Standardisierungsorganisation ITU unter dem Kurzel Rec 2020 fur die Ultra-HD-Zukunft empfiehlt. Die Gerätehersteller arbeiten schon seit Jahren auf dieses Ziel hin – unter anderem mit Farbfiltern, in denen Nano-Kristalle mehr Rot- und Gruntone durchlassen. Quantum Dot oder Triluminos sind populäre Marketing-Vokabeln fur diese Eigenschaft.
