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Spiegellose Vollformat-Systemkamera Leica SL 601 im Test

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Leica startet mit der SL (Typ 601) ein weiteres teures Vollformat-System. Ohne Spiegel, ohne Messsucher und mit Fernsteuer-App. Sucher, Geschwindigkeit und Serienbildfrequenz setzen Maßstäbe – einen kleinen Nachteil hat sie allerdings.

Ach du lieber Himmel! Um ein Haar wären die 11.200 Euro auf den Tisch geknallt, kaum dass sie zur Hand genommen waren. Denn an der zerrten ungefähr zwei Kilogramm Glas und gefrästes Aluminium in Gestalt der Leica SL (Typ 601) mit dem ersten lieferbaren Objektiv des neuen Systems, dem Vario-Elmarit-SL 1:2,8-4/24-90mm ASPH. Der Gesamtpreis verteilt sich so auf Kamera und Objektiv: 6900 Euro das Gehäuse, 4300 die Optik. Die ist eins von 145 Objektiven, die aus Wetzlar als an die SL passend gemeldet werden. Das heißt, sie werden es sein, wenn die Adapter fur 21 Cine-Objektive, 51 Leica-R-, 16 Leica-S- und 48 Leica-M-Optiken lieferbar sein werden.

Da fehlen noch neun? Richtig, sechs Objektive mit dem Bajonettanschluss der Leica T passen ohne Adapter, sobald alle sechs bis Jahresende verfugbar sind. SL-Objektive sollen es bis dahin im Laufe dieses Jahres drei werden. Kronender Abschluss wird dann das Normalobjektiv nur heißende Summilux-SL 1:1,4/5omm ASPH sein. Mit Adaptern von Novoflex lassen sich außer Leica-R- und M-Objektiven auch Nikon-, Minolta- oder Canon-FD-Objektive an der SL nutzen.

Wie schon das Gehäuse der Leica T ist auch das der SL buchstäblich aus dem Vollen gefräst, aus einem Block Aluminium. uberall, wo sich Gehäuse und Objektiv offnen mussen, sitzen Dichtungen gegen Staub und Spritzwasser. Das Design ist typisch Leica und wird bestimmt von geraden Linien, klaren Kanten und Krummungen sowie vom Verzicht auf nahezu alle Beschriftung. Die so genannte Belederung ist fein diamantiert, und das ist bei dem Gewicht auch bitter notig.

38054345Tradition der Moderne: Kantig gerade Linien bestimmen die Erscheinung der Leica SL.

Oben auf dem Gehäuse gibt es einen erfreulich ubersichtlichen Datenmonitor, der einen nicht mit kryptischer Symbolik behelligt, sondern in Klartext das Notigste mitteilt. Allerdings ist er nicht beleuchtbar. An der Ruckseite findet sich links – wie zur ständigen Mahnung, diese Kamera immer hubsch mit beiden Händen zu bedienen – der Hauptschalter und unter der voluminosen Gummiarmierung des Sucherokulars ein beruhrungsempfindlicher 2,95-Zoll-Monitor (1 Million Bildpunkte), der fest verbaut ist.

Dieser elektronische Sucher!

An seinen vier Ecken sitzen vier unbeschriftete Tasten, die nach Benutzerwunsch belegbar sind. Mit denen und einem Knubbel von Joystick rechts neben dem Sucher sowie einem „Clickwheel“ hangeln sich die Daumen durch die Menus, die Leica-typisch sehr nuchtern gestaltet sind. uber eine den vier, mit „Favoriten“ belegte Taste, hat man einen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Aufnahme-Parameter.

Ach, dieser elektronische Sucher! Er ist sozusagen die Kirsche auf der Sahne. Wer das erste Mal hindurchblickt und einen Schwenk mit der Kamera macht, kann vermeinen, es handele sich um einen Durchsicht-Sucher. Und man ist versucht nach dem Umschaltknopf eines Hybridsuchers zu suchen, wie ihn Fujifilm etwa in der gerade neu vorgestellten X-Pro2 wieder verbaut. Aber die Leica SL hat lediglich einen elektronischen Sucher, allerdings einen stattliche 2/3 Zoll großen mit 4,4 Megapixel und einer so geringen Latenzzeit, dass das Bild zwar vom Sensor stammt, aber vollig naturlich wirkt. Diesem Sucher muss man attestieren: Das Beste, was es in seiner Art derzeit gibt.

Rasche Scharfstellung

Der 24-Megapixel-CMOS-Sensor von der Große eines Kleinbildnegativs (24-36 Millimeter) hat keinen Tiefpassfilter, und die Empfindlichkeit lässt sich zwischen ISO 50 und 50.000 einstellen. Der Pufferspeicher fur den Bildprozessor der Maestro-II-Serie ist 2 Gigabyte groß: Wenn man nur Rohdaten im dng-Format speichert, passen 33 Aufnahmen hinein- und mit dng- und jpeg-Speicherung sind es immer noch 30. Die SL kann 4k-Videos drehen (4096-2160 Bildpunkte bei 24 Bildern je Sekunde). Aber das wurde bei der ersten Begegnung nicht ausprobiert.

Im Gebrauch fiel die Raschheit auf, mit der die SL scharfstellte, was auch a conto des innen fokussierenden Vario-Elmarit-SL ging. Das beeindruckte am meisten mit schnellen Serienbilder. Bis zu elf Bilder je Sekunde schafft die SL bei voller Auflosung. Der akustisch diskrete Schlitzverschluss schafft 1/8ooo Sekunde als kurzeste Zeit. Zwei Jahre oder maximal 200.000 Auslosungen beträgt die Garantie auf ihn.

App fur die Fernsteuerung

Mit an Bord sind in der SL Wi-Fi und GPS, das automatisch fur das richtige Datum und die Zeit in den Metadaten sorgt – sofern man nicht, wie es prompt passierte, in Innenräumen mit dem Fotografieren anfängt. Es gibt eine Leica-SL-App zur Fernsteuerung der Kamera und zum Verbreiten von Bildern- außerdem lässt sich die SL uber eine USB-3.0-Schnittstelle steuern.

Apropos: Diese liegt unter einer Gummilasche an der linken Seite, ein nach aller Erfahrung mit der Gefahr des Ausleierns behaftetes Detail, das an der im ubrigen untadelig verarbeiteten Kamera etwas storte. Rechts uber den zwei Schächten fur SD-Karten (einer mit UHS II, einer mit UHS I) hat es ja auch zu einer ordentlichen Klappe gelangt.

Alles andere als ein Ziergegenstand

Die Leica SL ist alles andere als ein bloßer Ziergegenstand. Sie macht leise und schnell Bilder von technisch hervorragender Qualität. Der Sucher, die Geschwindigkeit des Autofokus und die Serienbildfrequenz setzen Maßstäbe. Wenn nur nicht beim Arbeiten mit dieser Kamera der Arm so bald lahm wurde!

Die Leica Akademie veranstaltet in Wetzlar am 25. Januar, 19. und 20. Februar und 21. Oktober eintägige Workshops unter dem Titel „Die Leica SL erleben“. Die Teilnehmerzahl ist auf maximal zehn begrenzt, der Workshop kostet 210 Euro.