
Von der teils raffinierten Verpackung, über pfiffige Details, bis zu laxen technischen Angaben: die Lomo Instant Wide und Fuji Instax 300 im Vergleich.
Zu den treuesten, das heißt den fleißig Filmmaterial verbrauchenden Stutzen des Sofortbildsystems Instax von Fujifilm gehort die Lomographische Gesellschaft. Zu verschiedenen ihrer Kameras gibt es Sofortbild-Ruckwände, und Anfang des Jahres war hier ein Verriss der Lomo Instant zu lesen: Die war der noch dazu preisgunstigeren Mini Instax 90 Neo Classic von Fuji derart massiv unterlegen, dass nur eindringlich vor ihr gewarnt werden konnte. Da rechtzeitig zu diesem Weihnachtsgeschäft mit der Lomo Instant Wide eine Kameraserie fur das großere Format von Fujis Sofortbildsystem herauskam, liegt es nahe, eine dieser Kameras mit der Fujifilm Instax 300 zu vergleichen. Die Wahl fiel auf das schicke Kit Central Park.
Um mit Fujis Instax 300 zu beginnen: Eine schone Kamera ist sie wahrhaftig nicht, mit ihrem warzenartig aus dem Gehäuse herausstehenden Sucher und dem rechteckigen Basedow-Auge des Blitzes. Aber auch wenn das seltsam knubbelige und zugleich klobig wirkende Design befremdet, muss man beim Ergreifen der immerhin rund 770 Gramm eines der Instax Wide 300 lassen:
Sie lässt sich gut halten und muhelos bedienen. Beim Einschalten wird schnarrend das Objektiv (1:14/95 mm) geoffnet und motorisch in Arbeitsposition gebracht. Es gibt zwei Fokussier-Bereiche, einen fur die Nähe (0,9 bis 3 Meter) und einen jenseits von 3 Meter- gewechselt wird zwischen ihnen mit einem kurzen Drehen am Objektivtubus.
Narrensichere Bedienung & raffinierte Verpackung
Die zwei Bedientasten sind auf ein funktionales Minimum reduziert: Man kann die Belichtungsautomatik hellere oder dunklere Bilder machen lassen sowie den Blitz zu- und abschalten, und das war es auch schon. Abgesehen davon wird einem – durch ein winziges Guckloch – gezeigt, dass ein Film (Kostenpunkt: knapp 20 Euro fur zwanzig Aufnahmen) eingelegt ist. Wie viele Bilder noch im Film-Magazin stecken, zeigt beim Einschalten mit der Wippe am Ausloser ein kleines LCD. Die Filmkassette einzulegen wurde mit einer Farbmarkierung narrensicher gemacht- Fehlgriffe reduzieren sich auf einen: Man darf beim Einlegen nicht allzu fest auf das Material im Filmpack drucken.
Zielen und den programmgesteuerten Verschluss (1/64 bis 1/200 Sekunde) auslosen, das ist alles, was dem Benutzer zu tun bleibt. Und schon fährt mit einem schnarrenden Schmatzer das von der schwarz aussehenden Ruckseite her belichtete 6,2 – 9,9 Zentimeter große Sofortbild oben aus der Kamera heraus, um sich außerhalb der Kamera zu entwickeln. Der chemische Vorgang ist temperaturabhängig und kann sich je nachdem uber einige Minuten hinziehen. Die Bilder sind von einer charakteristischen eher kuhlen Farbigkeit. Zum Lieferumfang der fur etwa 110 Euro gehandelten Instax Wide 300 gehort noch eine vor das Objektiv zu klemmende Nahlinse.
Zur Lomo Instant Wide lässt sich nicht oft genug sagen: Die Kameras der Lomographischen Gesellschaft sind die am raffiniertesten und poppigsten verpackten Apparate uberhaupt. Man offnet den Präsentationskarton mit einem Anflug von Wehmut. Nie wieder wird man diese origamiartige Verschachtelung so zusammenbekommen, wie die flinken Hände der chinesischen Arbeiterinnen das Gesamtkunstwerk zusammengefugt haben.
Was ist einem der Spaß wert?
Verglichen mit der Fuji, macht speziell das braun belederte Modell Central Park der Lomo Instant Wide deutlich mehr her. Auch ihr – fur die Verwendung der weitwinkligen Vorsatzlinse auswechselbarer – Sucher steht aus dem Korpus des Gehäuses heraus. Aber da das Design an dieser Stelle wie generell den rechten Winkel triumphieren lässt, wirkt das nicht so irritierend. Der Sucher sitzt (von vorn betrachtet) nicht rechts, sondern links. Was einem Benutzer, der mit dem linken Auge durchgucken will (oder muss) gefällt, weil er nicht immer mit der Nase an die Ruckwand stoßt wie bei der Fuji.
Unterhalb des Suchers befinden sich die Bedienlemente der Lomo Instant: eine Taste fur den Blitz, ein Schieber fur hellere oder dunklere Belichtung, ein Hauptschalter fur An/Aus, Programmautomatik, Bulb und eine feste 1/30 Sekunde. Und dann gibt es noch die MX-Taste, mit der sich beliebig viele Mehrfachbelichtungen einschalten lassen. Dazu gibt es ein Vorsatzobjektiv, eine Nahlinse, eine drehbare Segmentabdeckung des Objektivs und Farbfolien fur den Blitz. Diese betriebsbereit knapp 800 Gramm wiegende Kamera ist also wesentlich auf mehr lomographischen Spaß und unbekummertes Experimentieren ausgerichtet als die von Fujifilm. Ein wirklich pfiffiges Detail ist der Objektivdeckel, der einen Infrarotsender als Fernausloser enthält, wahlweise fur eine Momentaufnahme oder Bulb.
Was technische Angaben angeht, leisten sich die Lomographen eine gewisse Laxheit: Das Objektiv ist graviert mit „35 mm/1:8“, was wohl nicht stimmen kann, die technischen Daten im Begleitbuch nennen die offnung „f/8,f/22“ und die Brennweite 99 mm, auf dem Sucher steht „Standard 90 mm“. Der Bildwinkel ist in der Tat ein wenig großer als der der Fuji. Und die Abbildungsleistung der Lomo Instant ist – auch vom Laien sofort zu erkennen – deutlich schwächer. Während die Farbwiedergabe praktisch gleich ist, belichtet die Lomo weniger ausgeglichen. Die Fujifilm liefert schärfere und kontrastreichere Bilder. Auch muss einem der Lomospielspaß etwas wert sein: 199 Euro kostet die Kamera nackt, das erprobte Kit kostet knapp 260 Euro.
