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Devialet Phantom im Test: Der Spuk ist vorbei

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Der Lautsprecher Phantom von Devialet überrascht mit außergewöhnlichem Design. Doch klingt der Phantom auch so besonders? Wir haben im Test genau hingehört.

„Was ist das für ein Ding?“ Das ist die erste Frage, wenn jemand dem Phantom von Devialet begegnet. Es folgen Einordnungen wie Staubsauger, Thermomix oder R2D2. Dass es ein Lautsprecher ist, erkennen wenige. Ist das ein Trick der Designabteilung oder misslungene Gestaltung? Devialet macht jedenfalls erfolgreich auf sich aufmerksam. Apple hat zugeschnappt. Bald ist der Phantom in amerikanischen Apple Stores gelistet.

Die Inbetriebnahme ohne Anleitung ist gar nicht so einfach. Auf der Rückseite oberhalb des auffälligen Kabels ist ein Knopf zum Anschalten. Den drückt man zunächst einmal, dann drei Mal hintereinander, um den Lautsprecher ansprechbar zu machen. Die einfachste Verbindung ist über Bluetooth. Etwas komplexer wird es mit der App „Spark“, mit deren Hilfe der Phantom ins heimische Netz integriert wird. Da die App auch Dienste wie Tidal, Deezer oder Qobuz streamen kann, muss man sich nur anmelden und kann direkt aus der App heraus Musik abspielen.

Doch genau dies funktioniert leider nicht, solange man sich nicht noch ein weiteres Gerät anschafft. Devialet erlaubt die Einbindung der Streaming-Dienste nur mit Hilfe des „Dialog“ für 300 Euro. Das ist eine an den Router anzubindende Station, die diese Dienste verwaltet, gegebenenfalls einen weiteren Phantom einbindet, so dass aus beiden ein Stereopaar wird.

37712181Das ist die „günstige“ Variante des Phantom von Devialet für knapp 1700 Euro, zu erkennen an den weißen Tieftönern mit „nur“ 750 Watt.

Der Phantom von Devialet ist somit nicht nur ein aktiver Lautsprecher, sondern kann zu einem Multiroom-System erweitert werden. Von denen gibt es mittlerweile jede Menge, allen voran Marktführer Sonos. Um sich von jenen Produkten abzusetzen, hat Devialet den High-End-Weg eingeschlagen. Das bedeutet hochwertigste Technik, aber auch hohe Preise. Knapp 2000 Euro kostet ein Phantom in der Ausstattung mit 3000 Watt. Dafür überrascht das eiförmige Ding mit dem glänzend weißen Kunststoff ein zweites Mal, wenn man es zum Tönen bringt. Sobald Lautstärke und Bassgehalt zunehmen, hüpfen die beiden runden silbernen Elemente parallel im Takt aus dem Gehäuse und wieder zurück. Es ist eine Bassmembran aus Aluminium, die hier links und rechts ihre Sprünge macht.

Jetzt wird allmählich klar, warum der Phantom mit 10,5 Kilogramm so ein Schwergewicht sein muss. Die Chassisaufhängung ist so filigran und der Schalldruck im Inneren des geschlossenen Gehäuses so hoch, dass jede Vibration die Membran aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Legt man die Hand auf das Gehäuse, spürt man keine Bewegung. Die restlichen Frequenzen erledigen ein Mittel- und Hochtöner, die in koaxialer Anordnung an der Front sitzen. Die Kalotte steckt hinter einem verzierten Gitter, um sie herum arbeitet der Mitteltöner nach ein ähnlichen Prinzip wie der Tieftöner. Die Anordnung der drei Chassis entspricht im Wesentlichen dem Prinzip einer Punktschallquelle, wie wir es etwa an der Blade von Kef vorfinden.

37712262Sieht in Wirklichkeit nicht ganz so gelungen aus wie etwa auf diesem Bild

Angetrieben wird das Drei-Wege-System von einer Verstärkertechnik, die für Devialet typisch ist. Das französische Unternehmen hat sich in der High-End-Szene mit seinen Verstärkern einen Namen gemacht, deren Ansatz eine Kombination aus Class-A- und Class-D-Schaltelementen ist. Dabei versuchen die Entwickler recht trickreich, die klanglichen Vorzüge der Class-A-Technik mit der Effizienz der Class-D-Schaltverstärker zu kombinieren. Was beim ersten Hören sofort spürbar ist, sind die Leistungsreserven des Systems. Laut ist für den Phantom kein Problem, eher für den Hörer beim Ausreizen der Lautstärke, denn man verlässt als Erster den Raum, bevor die Box an ihre Grenzen stößt.

Laut ohne Verzerrung kann also der Phantom, das ist keine Frage. Nur kann er auch sehr gut? Ehrlich gesagt: nein. Wenn man es ihm leichtmachen will, füttert man ihn mit einem Hip-Hop-Lied. Dann kann er den tiefen Frequenzgang, den er angeblich bis 16 Hertz abbilden kann, mit Kraft ausspielen. Auch bei Techno scheppert es ordentlich. Zieht der Hörer nun ein Stufe an, indem er komplexere Rock- und Popnummern auswählt, kommen die ersten Zweifel. Stimmen, sowohl männliche als auch weibliche, klingen meist noch sehr klar und angenehm, verlassen allerdings ihren vorgesehenen Platz und treten stets ein paar Meter zu weit vor den Rest der Band, um diese in den Hintergrund zu drängen.

Dort auf der Bühne macht sich Unsicherheit breit. Gitarren fallen schon mal hinten runter oder verlieren an Kontur, Bassläufe verstummen, keiner weiß so recht, wo er hin soll. Der Phantom hält manchmal die Band mit ihren Instrumenten nicht zusammen. Dann zerfällt sie. Und manchmal herrscht so ein Gedränge, als säßen die Musiker eingeengt im Gehäuse. Wenn der Phantom die Instrumente auf seine Art sortiert, dann klingt er eigen und gewöhnungsbedürftig. Nun könnte man noch behaupten, dass er in den Höhen gelegentlich Spitzen hat und leicht blechern klingt. Lassen wir das.

Das alles kann man verbessern mit einem zweiten Phantom, um dann beide über den Dialog als Stereopaar zu definieren. Dann steigt der Klang deutlich um eine Stufe höher, aber ebenso der Preis. Der liegt dann bei etwa 4300 Euro. Das ist viel, viel Geld für ein paar aktive Boxen mit Streaming-Anschluss. Dann doch lieber Boxen wie die Nupro A-300 von Nubert aus dem HiFi-Bereich. Die kosten 1050 Euro das Paar. Oder man legt noch ein paar Hundert Euro mehr drauf, dann bekommt man schon hervorragende Lautsprecher aus dem Studio-Bereich. Die Entscheidung, welche wir kaufen würden, ist eindeutig. Wir jagen keinem Phantom nach.