Die Computerzeitschrift „Chip“ hat in einem groß angelegten Test die Mobilfunknetze in Deutschland untersucht. Auch hier gibt es so etwas wie den FC Bayern in der Anbieter-Tabelle.
Die Frage, was fur ein Smartphone man sich kaufen soll, ist leichter zu beantworten, als die Frage, welcher Mobilfunkanbieter es sein soll. Denn die Preismodelle sind sehr abhängig von dem individuellen Telefonier- und Surfverhalten. Selbst wenn man dieses gut kennt, konnte das gunstigste Angebot dennoch unattraktiv sein, wenn das Netz des Providers weniger taugt. Deshalb konnen aufwendige Netztests, wie sie etwa die Computerzeitschrift „Chip“ einmal im Jahr macht, bei der Kaufentscheidung helfen.
Es wurden die vier Netze von Telekom, Vodafone, E-Plus und O2 untersucht. Die verteilen sich mittlerweile nur noch auf drei Mobilfunkanbieter, da Telefonica den Konkurrenten E-Plus aufgekauft hat und dessen Netz mit dem von O2 zusammengelegt werden soll. Dies ist allerdings noch in vollem Gange und durfte fur GSM, UMTS und LTE erst im Laufe der nächsten Jahre vollendet werden, sodass die Kunden immer noch uber das jeweils eigene Netz bedient werden. Es gibt allerdings erste Synergien im UMTS-Bereich. Wer im eigenen Netz ein schwaches Signal hat, wechselt automatisch ins andere.
7.500 Kilometer in Auto und Zug gemessen
„Chip“ hat zusammen mit dem Partner Net Check ausgewählte Strecken in Deutschland bei der Fahrt im Auto und mit dem Zug gemessen. Es wurde die Verbindungsqualität beim Telefonieren von Smartphone zu Smartphone ebenso untersucht wie das Surfen, Streamen und Downloaden. Die Sprachqualität ist generell besser geworden, weil alle Provider auf HD-Voice umgestellt haben. Das ist eine Technik, in der ein erweitertes Frequenzspektrum ubertragen wird und sich somit Stimmen besser anhoren.
Das klappt normalerweise nur, wenn die Smartphones beider Gesprächsteilnehmer per UMTS verbunden sind, jedoch „mit einer Ausnahme: Die Telekom hat sich auch den Ausbau fur GSM gegonnt. Das zeigt sich in den Messungen, denn hier hatten wir praktisch durchgehend HD-Voice, während die anderen Provider es nur teilweise lieferten“, wie Chip schreibt.
Telekom noch besser geworden
Die Telekom liegt bei der Sprachtelefonie vorne. 2 Prozent der Gespräche hatten einen Verbindungsfehler, lediglich 0,6 Prozent wurden abgebrochen. Dafur dauert der Rufaufbau bei der Telekom mit 9,8 Sekunden etwas länger als bei der Konkurrenz. Bei Vodafone sind es 2,8 Prozent Verbindungsfehler und 1,5 Prozent abgebrochene Gespräche. E-Plus ist das Schlusslicht mit knapp 5 Prozent fehlerhafter Verbindungen und 2,3 Prozent der Gespräche gehen verloren. uber die Telekom schreibt Chip: „Das traditionell beste Netz ist noch ein bisschen besser geworden. Der Abstand zur Konkurrenz hat sich vergroßert.“
Noch interessanter als die Sprachqualität durfte fur viele Smartphone-Nutzer ihre Internetverbindung sein. Bezuglich der Datenrate werden Telekom und Vodafone gelobt. „In diesem Jahr erreicht die Telekom ein durchschnittliches Download-Tempo von 43 MBit/s gefolgt von Vodafone mit 25 MBit/s – beides signifikant bessere Werte als 2014“, kam bei dem Test heraus. Fur alle Anbieter gilt, dass die Erfolgsquote bei den Datentransfers gut war, dass also dieser startet und meist durchläuft.
Was der Test noch gezeigt hat: Die Verfugbarkeit auf den Fahrtstrecken von LTE war besser als die des Vorgängers UMTS. Der Ausbau des LTE-Netzes wird wohl erfolgreich betrieben. Telekom und O2 hätten die Große ihrer LTE-Netze gesteigert, doch Vodafone liege weiterhin vorne, der der Abstand schrumpfe jedoch.
Was die meisten Zugfahrer selbst schon schmerzhaft erfahren durften, bestätigt auch der Test. „ähnlich schlecht wie im Mittelgebirge ist die Netzqualität bei Zugfahrten.“ Wenn man sich ein Youtube-Video im O2-Netz anschauen will, kann man auch vorher eine Munze werfen. Die Erfolgsrate sinkt unter 50 Prozent.
Das Fazit der Tester: Insgesamt betrachtet habe sich im Vergleich zu 2014 wenig verändert. Und weiter: „Die Telekom liegt bei Telefonie und Surfen vorn und kann als einziger die Endnote verbessern. Der Abstand zu Vodafone ist großer geworden.“


