Kaum ist das Datenvolumen weg, wird es automatisch wieder nachgebucht. Das wirkt auf den ersten Blick kundenorientiert, ist aber eine böse Falle.
Wie viel Datenvolumen im Mobilfunk darf es denn sein? Neuerdings muss man um Bits und Bytes kämpfen. Denn selbst die als „Flatrate“ fur unbegrenzten Surfgenuss angepriesenen Verträge enthalten meist eine feste Volumengrenze, die nicht uberschritten werden darf. Von einer Flatrate kann also gar keine Rede sein. Ist das Volumen erschopft, wird das Tempo drastisch gedrosselt. Doch manche Mobilfunker greifen zu einem Trick. Man werfe einen Blick etwa auf den Blue-Smart-Tarif von Telefó-nica O2. Fur 18 Euro im Monat erhält man ein Datenvolumen von 500 Megabyte. Viel ist das nicht. Aber nun preist O2 seine Datenautomatik an: Mit ihr gebe es „immer genug Datenvolumen“, weil automatisch bis zu drei Mal im Monat nachgebucht werde. Wie das leere Bierglas in mancher Kolner Kneipe ohne Zutun des Gastes durch ein volles ersetzt wird, erhält der O2-Kunde zu Preisen zwischen zwei und funf Euro ein Extrakontingent von 100 bis 750 Megabyte.
Die Monatsgebuhr steigt demnach um Beträge zwischen sechs und 15 Euro. Den erhohten Datenhunger spuren Smartphone-Nutzer immer ofter. Vor zehn Jahren galt die Faustregel, dass der typische mobile Surfer zwischen 30 und 100 Megabyte im Monat benotigt. Diese Werte kann man heute getrost mit dem Faktor Zehn multiplizieren: 300 Megabyte bis ein Gigabyte sind angesagt. Wer unterwegs oft auf Facebook ist, Twitter nutzt oder gar Fotos mit Instagram hochlädt, schopft sein Volumen schnell aus. Bilder und Videos sind Datenfresser, fur den Live-Stream einer Fußballubertragung rechne man mit 35 Megabyte in der Minute. Nach einer Viertelstunde sind also 500 Megabyte verbraucht. Youtube-Videos sind etwas schlanker, aber 5 Megabyte je Minute in der geringsten Auflosung gelten als Untergrenze.
Hort man Musik im Streaming-Verfahren direkt uber die Mobilfunkverbindung, sollte man beim Einsatz von Spotify oder Apple Music mit einem Megabyte je Minute rechnen. Internettelefonate, zum Beispiel mit Skype oder Apples Facetime, schlagen ebenfalls auf das Datenvolumen durch, abermals mit rund einem Megabyte je Minute- tendenziell weniger, wenn nur gesprochen wird, und mehr, wenn die Kamera dazukommt. Whatsapp und andere Messenger sind von Hause aus bescheiden. Kurze Nachrichten kosten nur wenige Kilobyte, es sei denn, dass man Fotos oder Videos mitsendet. Weitere Fallstricke fur Fotos und Videos suche man in den eingebauten Cloud-Diensten des Smartphones und den nachträglich installierten. Fast alle Apps wie Dropbox oder Onedrive von Microsoft wollen den Benutzer zum automatischen Foto-Upload verleiten.
Ist ungeachtet aller Knausrigkeit das gebuchte Datenvolumen verbraucht, setzte fruher unerbittlich die Drossel ein. Nach dem uberschreiten des Limits wird das Tempo so weit reduziert, dass man sein Smartphone kaum sinnvoll nutzen kann. Die unbeliebte Drossel gibt es noch immer. Aber mit der Nachlieferung weiterer Datenhäppchen beginnt die Surf-Bremse deutlich später. Das hort sich zunächst kundenfreundlich an. Indes geht es den Mobilfunkern naturlich darum, mehr Umsatz zu generieren, obwohl in den Flatrate-Tarifen eigentlich alle Leistungen enthalten sein sollten.
Fortwährend das Smartphone uberwachen
E-Plus und Base hatten im vergangenen Jahr eine eigenmächtige Vertragsänderung dahingehend formuliert, dass sich der Kunde nicht gegen weitere Datenkontingente entscheiden konnte und sogar automatisch nach mehreren Zubuchungen in den nächsthoheren Tarif eingestuft wurde. Wer hochstens so viel bezahlen wollte, wie ursprunglich im Vertrag vorgesehen war, musste fortwährend sein Smartphone uberwachen und darauf achten, nur das erworbene Volumen auszuschopfen. Anschließend waren auf dem Smartphone alle Datenverbindungen bis zum Ende des Abrechnungszeitraums zu kappen. Anders hätte man den Vertrag nicht einhalten konnen.
Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ging gegen diese Datenautomatik vor- sie hatte keinen juristischen Bestand, uber die Kundenbetreuung kann man sie jetzt dauerhaft deaktivieren lassen. ähnlich verfährt O2.
Permanent abschalten lassen
In den Vodafone-Red-Tarifen wird derzeit ein Datenvolumen automatisch nachgebucht, wenn 90 Prozent des Inklusivvolumens verbraucht sind. Der Kunde kann die Nachbuchung des 250-Megabyte-Pakets fur 3 Euro verhindern, wenn er auf die zugesandte Info-SMS antwortet. Reagiert er nicht, erfolgen bis zu drei Bestellungen im Abrechnungszeitraum. Um den moglichen Extra-Kosten dauerhaft aus dem Weg zu gehen, kann man versuchen, uber die Kundenbetreuung die Funktion permanent abschalten zu lassen. Offiziell wird dieser Weg indes nicht angeboten.
Bedenklich erscheint, dass sich der Verbraucher in diesen Fällen nicht bewusst fur eine Automatik entscheiden kann, sondern gegebenenfalls mit Zusatzkosten belastet wird, ohne dass die zugehorigen Vorgänge von ihm veranlasst wurden. Der Datenverbrauch in den Mobilfunknetzen lässt sich vom Laien kaum abschätzen und nur schlecht berechnen. Juristen sprechen von einer „uberraschenden Klausel“ in entsprechenden Verträgen. Der Verbraucher werde unverhältnismäßig benachteiligt, weil er bei Abschluss des Vertrags nicht absehen konne, welche Kosten ihn erwarten und wie er die Kosten kontrollieren konne. Dass er dem Nachladen aktiv widersprechen muss (Opt out), kann man als Kostenfalle verstehen.
Sinnvoll fur den Vielnutzer ist also nur eine Datenautomatik, die vom Kunden bewusst als „Opt in“ gewählt wird. So verfährt beispielsweise die Telekom, wo man nach dem Erreichen des Datenlimits selbst tätig werden muss, um mit einer „Speed on“ genannten Option weiterhin schnell surfen zu konnen. Das Verfahren ist transparent: Nach Verbrauch des Volumens erhält man eine SMS mit dem Hinweis, dass die Geschwindigkeit gedrosselt wurde. In der Kurznachricht befindet sich ein Link, dessen zugehorige Seite unentgeltlich aufrufbar ist. Hier lässt sich dann das Datenvolumen kontrollieren und neues nachkaufen.
