Die elektronische Analyse des Golfspiels wie im Profisport ist auch den Amateuren möglich. Die dazu verwendeten Apps und Sensoren werden immer besser.
Geht das wirklich? Konnen 14 kleine Sensoren und ein Smartphone genauso viele und ebenso exakte Daten liefern wie ShotLink, ein System, das auf der amerikanischen PGA Tour die Längen jedes Schlages und die wichtigsten Statistiken im Golf liefert, wie Längen des Abschlags, Anzahl der getroffenen Fairways (Fairways hit), Gruns (Greens in Regulation) und Putts? Auf der großten Turnierserie im Golf sorgen auf jeder Anlage 350 Freiwillige, viele davon mit Lasergeräten ausgerustet, wie sie Landvermesser nutzen, 14 Computertechniker und ein mit Servern und High-Tech-Geräten vollgestopfter Truck der amerikanischen Computerfirma CDW dafur, dass Zuschauer und Fans auf dem Platz und im Fernsehen mit einer wahren Datenflut versorgt werden.
Wer will, kann im Internet jeden Schlag verfolgen, sieht fast in Echtzeit, wie weit der Schlag ging und wo er landete. ShotLink war ursprunglich dazu gedacht, den stastistikverliebten amerikanischen Sportfreunden und Fernsehsendern moglichst viele Daten zu liefern, aber mittlerweile haben die Profis der PGA Tour das System fur sich entdeckt: Es ist ideal, um zu sehen, wo die Schwachpunkte im Spiel liegen und in welchen Bereichen man im Vergleich zu den Konkurrenten Nachholbedarf aufweist.
Man muss vor jedem Schlag den „Tag“ genannten Sensor auf dem Griff jedes Schlägers kurz an die am Gürtel angebrachte GPS-Basiseinheit haltenBilderstrecke
Die Idee, auch engagierten Hobbygolfern solche Informationen zu liefern, jeden Schlag auf der Runde aufzuzeichnen und Nutzern vor Augen zu fuhren, welche Entfernungen sie tatsächlich mit den unterschiedlichen Eisen, Hybriden und Metallholzern erreichen, lag nahe. Als erstes System kam GameGolf uber die Crowd-funding-Plattform Indiegogo Ende 2013 auf den Markt, aber das System hat einen Nachteil: Man muss vor jedem Schlag den „Tag“ genannten Sensor auf dem Griff jedes Schlägers kurz an die am Gurtel angebrachte GPS-Basiseinheit halten, etwas, was uns während der Golfrunde storte: Hat man gerade den Sensor an die Einheit gehalten oder nicht?
Nach der Runde muss die Einheit uber USB-Kabel mit einem Computer verbunden werden, um die Schlaglängen und Statistiken abzurufen. Die App synchronisiert sich dann mit diesen Daten ubers Internet. Seit April gibt es eine verbesserte, kostenlose Applikation (iOS und Android), die auch als GPS-Entfernungsmesser eingesetzt werden kann- allerdings nur, wenn man bereit ist, vor jedem Schlag einzutippen, welcher Schläger gerade benutzt wird. Dann funktioniert diese App auch ohne Tags und GPS-Einheit. Aber das ist hochstens eine Notlosung, weil es den Spielfluss stark stort. Fur Android gibt es neuerdings fur 99 Euro „Tags“ von GameGolf. Hier wird jeder Schläger mittels NFC (Near Field Communication)-Chip mit dem Android-Smartphone verbunden.
GPS-Entfernungsmesser und Distanz zum Grun
Seit vergangenem Jahr ist mit „Arccos GPS + Shot Tracking + Tour Analytics“ zunächst nur in Nordamerika ein System auf dem Markt, das die GPS-Empfänger des iPhones (eine Android-Version soll folgen) nutzt. Die 11 Gramm schweren Tags werden fur jeden der 14 Schläger uber Smart Bluetooth mit dem iPhone (iPhone 4S oder neuer) verbunden. Das dauert etwa eine halbe Stunde, danach kann es losgehen. Das geringe Gewicht der Sensoren, die wie bei GameGolf in die in jedem Griff vorhandenen offnungen geschraubt werden, spuren selbst Tourspieler nicht.
Während der Runde muss der Spieler lediglich daran denken, das iPhone ständig in der Tasche zu tragen, denn nur dann weiß das System, von welchem Punkt er geschlagen hat. Die „Shot Impact Sensor“ genannte Elektronik im Tag kann zwischen dem Schlagen des Balles und Probeschwungen unterscheiden. Mit einem Blick auf das Display sieht der Spieler nicht nur, wie weit er geschlagen hat, es dient auch als GPS-Entfernungsmesser und gibt die Distanz zum Grun an. Selbst wenn nach jedem Schlag das Display einschaltet wird, hält sich der Stromverbrauch in Grenzen. Unser voll geladenes iPhone 6 Plus weist nach einer Runde von 18 Lochern immer noch um die 66 Prozent Akkuladung aus.
