Essen & Trinken

Essen im Flugzeug: Im Restaurant über den Wolken

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Porzellangeschirr für die einen, Aluschalen für die anderen: Beim Essen im Flugzeug herrscht eine klare Klassentrennung. Lohnt sich der höhere Flugpreis kulinarisch? Ein Selbstversuch.

Da ist sie wieder: die Aluschale mit vegetarischer Pasta als Hauptmahlzeit. Geschmacksfrei. Nicht einmal der Käse schmeckt nach irgendetwas. Wirsingstreifen sollen dabei sein. Nach eingehender Suche haben wir etwas Blassgrunes gefunden. Der Tomatensaft gilt bereits seit Jahren als Flugzeugtrunk schlechthin. Die Nudel scheint mittlerweile die typische feste Nahrung in der Luft zu sein.

Zumindest in der billigsten Klasse ist das so. Ob mit einem Klecks Tomatensauce, uberbacken mit fettiger Tunke und Analogkäse, unter der sich ein paar Alibi-Gemusestreifen befinden – Reisende in der Economy Class konnen mit zunehmender Sparwut der Fluggesellschaften immer seltener kulinarische Offenbarungen erwarten. Doch während der Gast Tomatensaft aus welchem Grund auch immer freiwillig ordert, bekommt er beim Essen nicht einmal mehr die Auswahl. Es gibt Pasta. Fertig. Iss oder hungere. Wie haben wir einst uber die Frage der Stewardess gestohnt und uber das magere Angebot gejammert. Huhnchen oder Rindfleisch? Da gab es zumindest noch etwas auf dem Aluteller, das in der Regel auch nach etwas schmeckte. Doch das heutige fleisch- und fischlose Einerlei macht wirklich keinen Spaß.

Der Blick wandert nach vorne. Dort, hinter dem Vorhang, wähnen wir das Genussparadies. Wie ergeht es denen, die fur ihren Platz im selben Flieger das Doppelte oder sogar ein Vielfaches gezahlt haben? Schlemmen sie gerade ein perfekt medium gegartes Filetsteak mit knackigem Gemuse und Mini-Kartoffeln? Zergeht ihnen gerade ein butterweicher Lachs auf der Zunge? Doch lohnt es sich, so viel Geld zu zahlen, das mitunter reichen wurde, um einen mehrtägigen Urlaub zu finanzieren?

Um herauszufinden, wie sich die unterschiedlichen Klassen kulinarisch unterscheiden, hilft nur ein direkter Vergleich. Hierfur haben wir eine andere Airline ausgesucht. Wir essen das Angebot des Ferienfliegers Condor in allen drei Flugzeugklassen auf einem einzigen Flug komplett durch – von der hochsten Kategorie Business Class mit breiten Sitzen, die man nahezu waagerecht zum Bett ausfahren kann, und individuellem Video- und Audio-Unterhaltungsprogramm bis zur Economy Class, in der die Masse mit eingeschränkter Beinfreiheit und gemeinsamem Bildschirm sitzt. Dazwischen gibt es die Premium Economy Class mit etwas mehr Platz bis zum Vordersitz. Ort dieses Selbstversuchs: ein Langstreckenflug von zehneinhalb Stunden, der uns von Frankfurt am Main in die Vereinigten Staaten bringen wird.

Champagner. Damit beginnt ein Flug in der Business Class. Während die Fluggesellschaft den Passagieren in den hinteren Klassen nach dem Start einen Aperitif wie Gin Tonic oder Campari Soda anbietet, kommt die Stewardess in der teuersten Reiseklasse mit einem Wagen bester Spirituosen, um daraus ein Getränk unserer Wahl zu mixen. Dazu bekommen wir die großformatige Speisekarte, in der das angebotene Menu und die begleitenden Weine präsentiert werden.